Postverkauf fordert erstes Opfer

8. Mai 2003, 19:07
posten

Vertriebsvorstand Josef Halbmayr, ein Gegner der Verkaufspläne, geht - Am Freitag gibt die ÖIAG den Startschuss zum ersten Privatisierungsschritt

Wien - Knalleffekt bei der gelben Post: Der für Postämter, Güterbeförderung und den Bereich Kurier-Express-Paket zuständige Postvorstand Josef Halbmayr wird in der Aufsichtsratssitzung am 15. Mai seine Funktion zurücklegen. Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit Hauptaktionär ÖIAG erfolgt, erfuhr DER STANDARD am Donnerstag aus der Post. Hintergrund des vorzeitigen Ausscheidens - Halbmayrs Vertrag läuft erst im Sommer 2004 aus - dürften freilich massive Auffassungsunterschiede über die Zukunft der gelben Post sein.

Massiv gegen Verkaufspläne

Halbmayr, dem beste Kontakte zu ÖVP-Klubchef Willi Molterer nachgesagt werden, soll sich massiv gegen die Verkaufspläne der Regierung gestellt haben. Wie berichtet, sieht das Privatisierungsprogramm der Regierung für die gelbe Post die Suche nach einem strategischen Partner vor, der sich zuerst mit 25 Prozent (Sperrminorität) beteiligen soll. In der Vorwoche hatten Postgeneraldirektor Anton Wais und ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch allerdings massiv für die Hereinnahme eines Mehrheitspartners (mindestens 51 Prozent) plädiert.

Vor diesem Hintergrund befürchten sowohl die Personal- als auch einige Kapitalvertreter im Aufsichtsrat, dass in der außerordentlichen ÖIAG- Hauptversammlung am Freitag eine gravierende Weichenstellung vorgenommen wird. Offiziell soll zwar nur der (bereits bekannte) Privatisierungsauftrag schriftlich und mündlich erteilt werden. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die ÖIAG zugleich grünes Licht für die Einleitung des Verkaufsprozesses samt europaweiter Ausschreibung erhält.

Keine Veräußerung der Mehrheit

Laut ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger werde kein Auftrag für eine mehrheitliche Post-Privatisierung erteilt werden, sondern nur für die Suche nach einem strategischen Partner. "Von einem mehrheitlichen Verkauf steht nichts in dem Papier", sagte Kickinger zur APA.

Da Halbmayrs Position nicht nachbesetzt werden soll verkleinert sich der Postvorstand nach dem Abang, heißt es in der Postgasse. Seine Bereiche werden filetiert: Der sensible Kurier-Express-Paket-Sektor wird zur Chefsache, Finanzvorstand Rudolf Jettmar übernimmt das Netz der 1669 Postämter, und die Güterbeförderung wandert zurück zu Logistik-Vorstand Jörn Kaniak, wo sie bis vor einem Jahr angesiedelt war.

Bawag/P.S.K voll dabei

Ein gewichtiges Wort mitreden wird beim Postverkauf übrigens Kooperationspartner Bawag/P.S.K, der jährlich mehr als 70 Mio. Euro an Vergütungen für die Nutzung der Postämter als Vertriebskanal zahlt. Beobachter gehen davon aus, dass die Bawag/P.S.K. mit einem Mehrheitseigentümer Deutsche Post - sie hat ihr Interesse bereits öffentlich kund gemacht - eher wenig Freude haben dürfte, bringt die Deutsche Post doch im Schlepptau ihre Postbank mit. Der P.S.K.-Vertrag mit der Post ist übrigens 2012 erstmals kündbar und bis dahin praktisch nicht auflösbar.

Die Postgewerkschaft rüstet sich indes für den Fall eines Mehrheitsverkaufs. Schon am Freitag könne es zu Überraschungsaktionen kommen, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Nächsten Mittwoch beim Gewerkschaftstag der rund 600 Postfunktionären soll der Startschuss für eine massive Abwehrkampagne (Deckname: Phönix) fallen. Gegen einen strategischen Partner hat die Postgewerkschaft übrigens nichts, wenn damit Know-How-Austausch verbunden ist. Gegen einen Mehrheitsverkauf jedoch schon. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.5.2003)

  • Postvorstand Josef Halbmayr hat seine Kündigung abgeschickt.
    montage: derstandard.at

    Postvorstand Josef Halbmayr hat seine Kündigung abgeschickt.

Share if you care.