Frauenrechte: Neuer Auftrieb gesucht

9. Mai 2003, 20:16
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Zehn Jahre nach der Wr. Menschenrechtskonferenz Rechte der Frauen erneut in Gefahr - Frauen-
organisationen fordern 5. Weltfrauenkonferenz

Wien - Frauenrechte sind Menschenrechte - das war eine der zentralen Aussagen der Wiener UN-Menschenrechtskonferenz 1993. Am Freitag zogen Frauenorganisationen in Wien Bilanz. Der Tenor: In den vergangenen zehn Jahren sei international wie national viel geschehen. Solange allerdings die ökonomische Benachteiligung der Frauen aufrecht bleibe, könne es keine wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter geben. "Denn vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit begünstigt die Gewalt gegen Frauen und Kinder", so die ehemalige SP-Frauenministerin Johanna Dohnal.

In einem Positionspapier haben die NGOs deswegen nun erneut ihre Forderungen zusammengefasst. Darin wird unter anderem eine 5. Weltfrauenkonferenz gefordert, die der Bewegung für Frauenrechte international neuen Auftrieb geben soll.

Tendenz: Abhängigkeit von Frauen verstärken

Bei der Konferenz 1993 habe es "lange Diskussionen gegeben, ob eine Vergewaltigung nun eine Menschenrechtsverletzung sei oder nicht", erzählte die ehemalige österreichische Frauenministerin Johanna Dohnal bei einer Pressekonferenz des UNO-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM) in Wien. "Das ist schon klar geworden". Heute beunruhige sie, dass es in vielen Ländern, und speziell in Österreich, eine Tendenz gebe, die strukturelle Abhängigkeit von Frauen zu erhöhen. "Ökonomische Abhängigkeit ist die Wurzel von Gewalt."

Abhängigkeit und Gewalt

"Die politische Situation ist sehr beängstigend", erklärte auch Maria Rösslhumer vom Verein autonome österreichische Frauenhäuser. "Die Politik drängt Frauen erneut in die Armut." Dies erhöhe die Abhängigkeit der Frauen von ihrem Partner. "Je größer die Abhängigkeit desto größer die Gelegenheit, in ein Gewaltverhältnis zu kommen. Desto stärker auch die Macht der Täter", sagt Rösslhummer.

Mangel an faktischer Gleichstellung

Martina Thomasberger vom Verein österreichischer Juristinnen nannte die geplante Pensionsreform als Beispiel. "Alle verlieren an der Pensionsreform. Aber Frauen verlieren wesentlich mehr." Das Problem sei, "dass es an der faktischen Gleichstellung mangelt". Entsprechende Maßnahmen stünden jedoch nicht auf der politischen Agenda. So fehle es etwa an einem "Grundrecht auf Frauengesundheit und reproduktive Freiheit". Und es gebe "kein abgesichtertes Recht auf ökonomische Teilhabe". (pra/DER STANDARD, Printausgabe 10./11.05.2003/APA)

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    Die Wächterin der Gerechtigkeit.
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    Pallas Athene - Gemälde von Gustav Klimt 1898, Wiener Secession.
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