Test: Harter Kampf um schnelle Daten

8. Mai 2003, 23:36
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Die ersten beiden UMTS-Netze in Österreich sind in Betrieb. Lohnt sich der Umstieg? Was kostet das? DER STANDARD hat Angebote und Geräte unter die Lupe genommen.

Schnelle mobile Datenübertragung, Videos, Kinotrailer, Finanznachrichten, Stadtpläne, Videotelefonie: Die schöne neue Handywelt hat in Österreich – zumindest laut den Versprechungen der Werbestrategen – bereits begonnen. Und dass der neue Standard UMTS, auch "dritte Handygeneration" genannt, ein Renner werden soll, darüber waren sich die Netzbetreiber, die zusammen an den Finanzminister immerhin mehr als zehn Milliarden Schilling an Lizenzgebühren überwiesen, einig.

Überraschung schon beim Auspacken

In der Praxis sorgen die UMTS-Handys für die erste Überraschung schon beim Auspacken: Zurück um zumindest zehn Jahre, könnte die Devise beim derzeit einzigen Gerät von A1 heißen. Das "U 10" von Siemens ist ungewohnt klobig, groß und schwer – ähnlich wie die ersten GSM-Handys. Und teuer: 799 Euro verlangt A1 für das antiquiert anmutende Gerät, das eigentlich von Motorola stammt und von Siemens in Lizenz erzeugt wird. Gewöhnungsbedürftig die Menüführung – und die Akkuleistung: Nach ein bis zwei Stunden durchschnittlichen Gebrauchs (drei Nachrichtenblöcke heruntergeladen, etwas "gewapt", drei eher kurze Telefonate) ist Schluss. Das war vermutlich auch Siemens klar, die gleich einen zweiten Akku mitliefern. Nachteil: Aufladen kann man die Akkus nur im Gerät.

Fußballberichte eher eine Pflanzerei

Die Verbindung mit dem Internet klappt im Handy klaglos: Die ORF-Nachrichten kommen rasch auf den Bildschirm. Eher eine Pflanzerei sind die Fußballberichte: Bildausschnitte, die für normale Fernseher gedacht sind, werden auf das 4 mal 4,5 cm große Display übertragen. Welcher Spieler (blaue und gelbe Punkte) gerade den Ball (weißes Pixel) hat, weiß allein oft nur der Handy-Prozessor.

"3"-Angebot üppiger

A1 verfolgt hier die Strategie, das normale GSM-Angebot für seine drei Millionen Kunden behutsam mit UMTS-Inhalten anzureichern. Ganz anders hingegen der Neueinsteiger "3", der mehr anbieten muss, um zum Umstieg zu bewegen. Auch "3" bietet derzeit nur ein Handy an: das NEC e606. Es kostet 576 Euro, macht aber den Eindruck, zumindest zwei Entwicklungsstufen mehr als das U 10 hinter sich gebracht zu haben. Es ist kleiner, hat ein helleres und schärferes Display und vermittelt schon eher den Eindruck, eine neue Technologie in Händen zu halten. Das Angebot von "3" ist im UMTS-Bereich deutlich üppiger als das von A1.

Features

Während UMTS dort noch eher als "Anhängsel" erscheint, hat "3" sein Angebot rund um den neuen Standard gebaut: News, spezielle Finanznachrichten und die Möglichkeit, sich "orten" zu lassen, um sich dann auf einem Stadtplan mit Wegbeschreibungen wiederzufinden: Diese Features werden als Benutzeroberfläche jedes Mal neu auf das Handy geladen, dieses bleibt somit immer aktuell.

Schwachstelle Akku

Aber auch beim e606 ist der Akku die Schwachstelle: Zwar nicht so krass wie beim U 10, aber auch nach drei bis sieben Stunden ist der Akku auch bei sparsamer Verwendung des Handys leer. NEC will das mit einer üppigen Ausstattung kompensieren: Zwei Akkus, zwei Ladegeräte und ein Autoladekabel zeigen, dass den Herstellern die Probleme des hohen Stromverbrauchs bewusst sind.

Empfang

Was den Empfang betrifft, hat A1 das etwas besser ausgebaute UMTS-Netz, dennoch ist auch in Ballungsgebieten wie in Wien die Empfangsmöglichkeit innerhalb von Häusern eingeschränkt. Im STANDARD-Test war es etwa im vierten Bezirk bei der Wiedner Hauptstraße, auf der Triester Straße, im 13. Bezirk und im Süden Wiens (Mödling) nicht möglich, auf das neue Netz zuzugreifen, obwohl dies laut Ausbauplänen bereits möglich sein sollte. Schlecht bis gar nicht ist das Surfen auch im Auto möglich: Wer etwa im Taxi schnell noch Nachrichten sehen will, bekommt oft die Fehlermeldung: Kein Netz verfügbar. Grund: Die "Übergabe" von einem Sender zum nächsten dauert offensichtlich noch zu lange.

UMTS-Handys als Laptop-Modems

Wer sich nicht auf die kleinen Handybildschirme beschränken will und die schnellen UMTS-Handys als Laptop-Modems benutzen will, braucht gute Nerven und Ausdauer. Aufgabenstellung: mit einem Laptop (HP, Windows XP) und den beiden UMTS-Handys über USB-Kabel ins Internet zu gelangen.

Beim U 10 war es der Redaktion trotz hingebungsvoller Unterstützung durch Mobilkom-Techniker nicht möglich, eine Verbindung herzustellen: Immer wieder wurde der Vorgang wegen PPP-Protokollproblemen abgebrochen. Am Ende blieb nur Ratlosigkeit. Die Mobilkom bekräftigt aber, dass ähnliche Versuche bereits erfolgreich absolviert wurden.

Besser sah es mit "3" aus. Zuerst bockte auch hier das Handy und gab außer Fehlermeldungen wenig von sich. Nach dreimaliger Neuinstallation des Treibers kam dann doch eine Verbindung zustande. Und die war dann auch ziemlich schnell. Im STANDARD-Test wurde zuerst die Download-Zeit von Webseiten mit der Zeit von normalen GSM-Verbindungen (One-HSCSD mit 28 kbps) verglichen: Der Download der Seite derstandarddigital.at, eine eher datenintensive Aufgane, dauerte mit One HSCSD eine Minute 40 Sekunden, mit "3"-UMTS vergingen nur 32 Sekunden, bis die erste Seite vollständig heruntergeladen war. Kleinere Datenmengen wie die ORF-Homepage orf.at benötigten über One 21 und über "3" elf Sekunden.

Messungen ergaben bei One einen tatsächlichen Datenfluss von 24 kbps und bei "3" 141 kbps, mehr als doppelt so schnell wie ISDN, aber noch deutlich unter der angekündigten angestrebten Höchstleistung von 384 kbps. (Michael Moravec/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2003)

  •  Das U 10 von Siemens ist sehr groß, die Akkuleistung inakzeptabel.
    foto: standard/cremer

    Das U 10 von Siemens ist sehr groß, die Akkuleistung inakzeptabel.

  • Das e606 von NEC ist das deutlich modernere Handy und kostet 576 Euro.
    foto: nec

    Das e606 von NEC ist das deutlich modernere Handy und kostet 576 Euro.

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