Gut Ding braucht Zeit, und wenn es da ist, muss man es sehen

9. Mai 2003, 15:38
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Ernst Weber, der zur Zeit das Nationalteam bei der U-17-Europameisterschaft trainiert, im STANDARD-Interview

Wien/Vila Real - Ernst Weber ist in der Südstadt groß und bekannt geworden, als Spieler, später als Trainer der Buben und der Erwachsenen. Vor einigen Jahren stellte er eine Statistik zusammen, in welcher die wachsende Zahl der ausländischen Fußballprofis in den zwei Klassen der heimischen Bundesliga dokumentiert wurde. Weber und der damalige ÖFB-Präsident Beppo Mauhart stießen damit das heimische Ausbildungssystem aus seiner Selbstgefälligkeit und Versteinerung, die Landes-Ausbildungs-Zentren (LAZ) wurden eingerichtet. ÖFB-Nachwuchskoordinator Willi Ruttensteiner erstellte mit dem Chef der Trainerausbildung, Gerhard Hitzel, eine DVD, auf der die Technikausbildung gelehrt wird.

Standard: Herr Weber, sind Ihre aktuellen U-17-Schützlinge besser ausgebildet als die U-17-EM-Finalisten von 1997?
Weber: Ganz sicher, und zwar, weil wir nicht mehr viermal, sondern dank Schulkooperationen und Akademien sechs-bis achtmal pro Woche trainieren können. Vor allem der individuelle technische Bereich wurde stark forciert.

Standard: Sind die Österreicher in diesem Bereich international konkurrenzfähig?
Weber: Die Spanier und Italiener und Portugiesen haben neun, zehn wirklich Erstklassige, wir haben vier Spieler, die mit denen mithalten können. Das Problem ist: Wenn die Spanier austauschen, werden sie nicht schlechter, wir schon.

Standard: Man sagt, zwischen 17 und 19 Jahren haben wir ein Problem. Liegt das nicht daran, dass Jüngere die Ausbildungsdefizite kaschieren können, 18-, 19-Jährige aber nicht mehr?
Weber: So ist es. Ein 19-Jähriger ist voll entwickelt, da fallen die Wachstumsdefizite weg, die Ausbildungsdefizite aber schlagen voll durch. Wir müssen schauen, dass wir nicht Schwächen akkumulieren, deshalb wird in den Nachwuchszentren seit zwei, drei Jahren gezielt Technik trainiert, und zwar individuell. Aber das kommt erst in zwei, drei Jahren zum Tragen.

Standard: Sie spielen am Freitag gegen die Portugiesen, haben Sie eine Chance?
Weber: Sagen wir so, wenn wir uns nicht verstecken und die gewohnte Leistung abrufen, halten wir das Spiel sicher offen. Vor allem unsere Vierer-Verteidigung ist Superklasse, die Burschen könnten überall mitspielen. Wir haben in sieben Qualifikationsspielen drei Tore gekriegt, zwei Elfer und eins nach einem Corner.
U-17-EM Portugal-Österreich,
16.00 Uhr, Eurosport live
(DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9. Mai 2003, Johann Skocek)

  • Ernst Weber, Profi in Sachen Nachwuchsausbildung.

    Ernst Weber, Profi in Sachen Nachwuchsausbildung.

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