"Studentisches Leben endet nicht an der Hörsaaltür"

19. Mai 2003, 20:00
64 Postings

KSV-Spitzenkandidatin Lonita Kuyumji tritt im derStandard.at- Interview dafür ein, "konsequent über den universitären Tellerrand hinauszublicken"

Im sechsten Teil der Interviewreihe zu den ÖH-Wahlen befragte derStandard.at Lonita Kumumji, Spitzenkandidatin des Kommunistischen StudentInnenverbands (KSV). Bei den letzten ÖH-Wahlen im Jahr 2001 konnte der KSV seinen Mandatsstand zwar nicht ausbauen, aber er war weiterhin mit zwei Sitzen in der Bundesvertretung vertreten und beteiligte sich an der linken Koalition mit GRAS und VSStÖ. Im Sommer vergangenen Jahres schieden die KommunistInnen allerdings aus dem Bündnis aus. Nach den kommenden Wahlen möchte der KSV wieder bei der Koalition dabei sein und deshalb wünschen sich die KommunistInnen ein Ergebnis, bei dem sie für eine linke Koalition notwendig sind. Das Interview mit der Spitzenkandidatin des KSV führte Sonja Fercher.

***

derStandard.at: Was studierst du?
Lonita Kuyumji: Politikwissenschaft kombiniert mit Arabistik und Internationale Entwicklung

derStandard.at: Was war die letzte Prüfung, die du gemacht hast?
Lonita Kuyumji: Theorien und Aktionsfelder außereuropäischer Frauenbewegungen

derStandard.at: Wie finanzierst du deine Studiengebühren? (Eltern, mehr arbeiten..)
Lonita Kuyumji: Mehr arbeiten und ständige Verschuldung

derStandard.at: Wenn die ÖH für einen Tag die Universitäten so umgestalten könnte wie sie wollte, welche fünf Dinge würdest du als Erstes ändern?
Lonita Kuyumji: 1.) Abschaffung der Studiengebühren; 2.) KSV-Studierendengehalt- Grundsicherung für alle StudentInnen einführen; 3.) Zerschlagung jeglicher Art von verstecktem und offenem Sexismus an den Universitäten; 4.) Einführung des Rechtes auf Mitbestimmung aller StudentInnen (unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft) in allen die Universität betreffenden Fragen; 5.) "Verschulung" der Unis rückgängig und die Universität wieder zu einem sozialen und politischen Raum machen, in dem eine MINDESTstudienzeit nicht – über sozialen Druck – zur Normalstudienzeit wird.

derStandard.at: Nenne eine Eigenschaft, die deine Fraktion unentbehrlich in der Studierendenpolitik macht.
Lonita Kuyumji: Konsequent über den universitären Tellerrand hinausblickend, denn das studentische Leben endet nicht an der Hörsaaltür

derStandard.at: Welche Partei würdest du zur Zeit am ehesten wählen und warum?
Lonita Kuyumji: KPÖ, weil sie als einzige Partei radikal gegen den neoliberalen Umbau der Gesellschaft auftritt und für eine alternative, sozialistische Welt kämpft.

derStandard.at:Erzähle drei Beispiele des letzten Semesters, wo du einem/r Studierenden konkret weiterhelfen konntest.
Lonita Kuyumji: KSV hilft immer und überall und in allen Lebenslagen!!!

derStandard.at:Was hältst du von deinen KonkurrentInnen?
Lonita Kuyumji: Engagiert, aber chancenlos!

derStandard.at: Mit wem würde deine Fraktion am liebsten zusammenarbeiten, sollte sich die absolute Mehrheit für euch nicht ausgehen ;-) ?
Lonita Kuyumji: Wir arbeiten mit den linken Basisgruppen, die es an verschiedenen Universitäten gibt (Uni Wien, Innsbruck), zusammen sowie mit GRAS und VSSTÖ (z.B. Uni Wien, Salzburg, Graz).

derStandard.at: Durch das neue UniG wurde die Mitbestimmung der ÖH beschnitten, es gibt Studiengebühren. Kann denn die ÖH noch tatsächlich was für die Studierenden tun?
Lonita Kuyumji: Die ÖH sind alle StudentInnen, deshalb stellt sich die Frage, was die Studierenden gemeinsam mit ihren gewählten VertreterInnen für sich selbst tun wollen.

derStandard.at: Soll sich die ÖH auch politischen Themen äußern, die nicht direkt die Universitäten betreffen?
Lonita Kuyumji: Selbstverständlich! Sie muss es sogar, will sie nicht zu einer elitären Standesvertretung verkommen.

derStandard.at: Es gibt immer mehr Fachhochschulen und schon lange wird immer wieder gefordert, dass die Studiengänge sich stärker an der Praxis orientieren sollen. Wozu brauchen wir überhaupt noch Unis?
Lonita Kuyumji: Der Markt will sofort verwertbares Humankapital, in dem jeder Funke von kritischem Bewusstsein erloschen ist. Genau dazu wurden Fachhochschulen eingerichtet und um genau diesem Trend entgegenzuwirken brauchen wir offene Universitäten mit demokratischen Strukturen, die kritisches Lernen und Forschen unterstützen.(sof/rasch/miS)

Link

KSV

  • Die 24-jährige Politikwissenschafts- Studentin Lonita Kuyumji ist Spitzenkandidatin des KSV.
    foto: derstandard.at/ksv

    Die 24-jährige Politikwissenschafts- Studentin Lonita Kuyumji ist Spitzenkandidatin des KSV.

Share if you care.