Österreicher mit guten Chancen

8. Mai 2003, 17:55
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Heimische Firmen könnten als Sublieferanten am Wiederaufbau mitwirken - Die größten Chancen liegen bei Infrastruktur und Gesundheit

Wien - Rund 60 heimische Unternehmen wollen ihre Geschäfte im Irak massiv ankurbeln. Das bestätigte Franz Schröder, österreichischer Handelsdelegierter in Bagdad, dem STANDARD. Jeden Tag kämen bis zu drei weitere Interessenten dazu. Österreichische Firmen könnten zunächst vor allem als Sublieferant für US-amerikanische Unternehmen fungieren.

Etablierte mit guten Chancen

Große Chancen rechnen sich Betriebe aus, die bereits vor dem Krieg im Irak tätig waren. Die VA Tech, die 2002 ein Umspannwerk für rund 80 Mio. Euro nach Bagdad lieferte, ist optimistisch: "Vorgespräche mit unseren Kontaktleuten in Bagdad laufen bereits", so VA-Tech-Sprecher Wolfgang Schwaiger. Insgesamt rechnet die VA Tech mit Aufträgen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich für Wasserreinigungsanlagen oder weitere Umspannwerke.

Auch der Spezialist für Beregnungsanlagen, Bauer aus Voitsberg, will schon in drei Wochen nach Bagdad reisen: "Wir warten noch auf die Zahlungszusage der UNO für zwei Aufträge", sagt Bauer-Geschäftsführer Otto Roiss. Er glaubt, dass heuer zumindest Aufträge für "einige Millionen Euro" möglich seien.

Vamed hoffnungsfroh

Große Hoffnungen macht sich auch die auf Krankenhausmanagement spezialisierte Vamed. Für Vamed- Sprecherin Johanna Daucher ist es aber noch zu früh für einen Triumph: "Verhandlungen über den Bau eines Spitals dauern manchmal ein Jahr."

Die meisten Projekte, so das Resümee einer Wiederaufbaukonferenz, die am Montag in Washington begann, fänden im Infrastruktur- und im Gesundheitsbereich statt. "Es gibt derzeit keine Telefonleitungen. Und auch die Stromversorgung funktioniert nur vier bis fünf Stunden am Tag. Wasser ist nach wie vor knapp", sagt Handelsdelegierter Schröder. Er setzt nun erste Maßnahmen: Dazu zählt ein Networking der am Wiederaufbau interessierten Betriebe untereinander und mit den Handelsdelegierten in den USA, ebenso wie das Networking mit internationalen Institutionen (Weltbank, UNO und humanitären Organisationen) zur Projektfinanzierung.

Exporte in arabischen Raum im Sinkflug

Die Auswirkungen des Irakkrieges werden sich zwar in Bezug auf die gute Gesamtexportentwicklung Österreichs in Grenzen halten, doch dürften die Lieferungen in den Nahen und Mittleren Osten heuer im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 20 Prozent einbrechen. Neben dem Irak seien vor allem die Exporte nach Syrien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Ägypten zurückgegangen, sagte der Leiter der Außenwirtschaftsabteilung, Walter Koren, gegenüber der APA. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.5.2003)

  • Ruinen in Bagdad: Auch für heimische Betriebe warten lukrative Aufträge.
    foto: valdrin xhemaj

    Ruinen in Bagdad: Auch für heimische Betriebe warten lukrative Aufträge.

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