Weniger Exporte in den arabischen Raum

8. Mai 2003, 15:20
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Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich, warnt vor einem massiven Export-Einbruch - Markt könnte um ein Fünftel nachgeben

Wien - Die Auswirkungen des Irak-Krieges werden sich zwar in Bezug auf die Gesamtexport-Entwicklung Österreichs in Grenzen halten, die österreichischen Lieferungen in die Region Nah- und Mittelost dürften heuer im Jahresvergleich aber dennoch um 15 bis 20 Prozent einbrechen. Neben dem Irak am stärksten betroffen sind laut dem Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO), Walter Koren, die Exporte nach Syrien, in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und nach Ägypten. Mit der Türkei, volumensmäßig Österreichs größtem Handelspartner in dieser Region, könnte sich sogar ein ausgeglichenes Ergebnis für 2003 ausgehen, sagte Koren auf APA-Anfrage.

Hoffen auf Gespräche

Vor Kriegsausbruch standen laut WKÖ Aufträge im Wert von rund 250 Mio. Euro knapp vor Unterzeichnung durch österreichische Firmen. Nun hoffe man, dass nach Einrichtung einer irakischen Regierung die Gespräche über diese Projekte wieder aufgenommen werden. Österreich lieferte 2002 Waren im Wert von 88,7 Mio. Euro in den Irak. Im Jänner 2003 sind die Exporte im Jahresvergleich um 76 Prozent eingebrochen.

Im Irak sei die Lage nach wie vor sehr instabil, jede Außenhandelstätigkeit sei zum Erliegen gekommen, sagte der österreichische Handelsdelegierte in Bagdad, Franz Schröder. Es gebe nach wie vor Schießereien und Plünderungen. Kinder gehen aus Sicherheitsgründen noch nicht in die Schule, vor allem Frauen und Mädchen halten sich nach wie vor hauptsächlich zu Hause auf. Neben dieser noch immer "gefährlichen Situation" habe sich das Leben für die Irakis stark verteuert - ein Liter Benzin kostet laut Schröder nun 50 Cent, statt bisher 1 bis 2 Cent, der Preis für ein Huhn habe sich in etwa auf 3 US-Dollar (2,63 Euro) verdreifacht.

Plattform für Wiederaufbau

Das wirtschaftliche und soziale Leben sei vollkommen zum Erliegen gekommen, gab Schröder einen Lagebericht. Auch Strom gebe es nur sporadisch 4 bis 5 Stunden am Tag. Daher sei auch die Wasserversorgung nur eingeschränkt, weil die Pumpen nicht funktionierten.

Seitens der WKÖ werde man nun nach dem Fall von Bagdad konkrete Maßnahmen in Form einer Plattform für den Wiederaufbau setzen. An diese und einen eigens eingerichteten Irak-Desk können sich Firmen mit Interesse an Irak-Lieferungen wenden. Für österreichische Firmen gebe es beim Sub-Contracting gute Chancen, ihr Know-how für Geschäfte mit dem Irak einzubringen, zeigten sich Koren und Schröder optimistisch. Auch wenn der Wiederaufbau im Kriegsgebiet anfangs US-gesteuert sein werde, könnten sich heimische Unternehmen etwa in der Wasseraufbereitung oder beim Aufbau von Spitälern einbringen, hieß es. Zudem könnten die USA das zu erwartende Investitionsvolumen von mindestens 100 Mrd. Dollar kaum selbst bewältigen, so Schröder.

US-Firmen seien oft nicht ausreichend informiert, weil die USA seit Jahren nicht im Irak tätig gewesen seien, räumte Schröder ein. Österreich sei dagegen auch während der Sanktionen vor Ort gewesen und habe Know-how aufgebaut, das sich für den Wiederaufbau nun als kostbar herausstellen könnte. Derzeit sei vor allem Consulting-Tätigkeit gefragt und weniger konkrete Lieferungen, zumal die USA erst sondierten, in wie weit Investitionen nötig seien. Rückgang bei Geschäftsreisen

In den Nachbarländern des Irak - Iran, Syrien, Jordanien und Saudiarabien - seien keine Stornos laufender Verträge bekannt geworden, sagte der Außenhandelschef Walter Koren am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Geschäftsreisen in die Region seien jedoch spürbar zurück gegangen. Generell laute die Devise für den Orient nach wie vor "Abwarten und Tee trinken".

Auf ein kräftiges Zusatzgeschäft nach dem Irak-Krieg hoffen vor allem Jordanien - als Transportdrehscheibe für den Irak - und die VAE, vor allem Dubai.

Mit Ausnahme von drei Staaten in dieser Region - Iran, Saudiarabien und VAE - sind die österreichischen Exporte im änner 2003 deutlich zurück gegangen. Ein Rückschluss auf das Gesamtjahr könne dabei jedoch nicht geschlossen werden, so Koren. (APA)

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    montage: derstandard.at
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