Und wieder wurde Führung verspielt

20. Jänner 2011, 23:08
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Knappe ÖHB-Niederlage gegen Ungarn im letzten Vorrunden-Spiel - Im President's Cup geht es nun gegen Tunesien, Slowakei oder Rumänien um die Plätze 17 bis 20

Linköping - Österreichs Handball-Männer haben am Donnerstagabend die Vorrunde der Handball-WM in Schweden mit der vierten Niederlage in Serie beendet. Nach dem 30:32 (16:13) in Linköping gegen Ungarn muss sich die Auswahl von Teamchef Magnus Andersson nun mit dem Kampf um die Endränge 17 bis 20 begnügen. Ein Sieg und vier Pleiten stehen für die Österreicher nach Abschluss der Gruppe B zu Buche, das bedeutet hinter Island, Ungarn, Norwegen und Japan sowie lediglich vor Brasilien Rang fünf.

Bester Werfer der Österreicher war der gebürtige Ungar Viktor Szilagyi mit sieben Treffern. Der ÖHB-Kapitän durfte sich immerhin mit der Wahl zum "Man of the Match" trösten. Der sogenannte President's Cup beginnt für die Österreicher am Samstag um 14.00 Uhr in Kristianstad gegen Tunesien, den Fünften der Gruppe A. Am Sonntag wartet dann ebenfalls in Kristianstad gegen die Slowakei oder Rumänien das Match um Platz 17 (14.00 Uhr) oder die Partie um Rang 19 (16.30 Uhr).

Spiel um die goldene Ananas

Der letzte Spieltag in Linköping hatte für Österreich denkbar schlecht begonnen. Denn durch den knappen 33:32-Erfolg von Japan gegen Brasilien war Rot-Weiß-Rot schon vor dem Match gegen die Ungarn auf Rang fünf einzementiert gewesen, Japan konnte aufgrund des verlorenen direkten Duells nicht mehr überholt werden. Rein sportlich gesehen ging es also für beide Teams um nichts, schließlich standen auch die Magyaren bereits vor Anpfiff fix in der Hauptrunde.

Es war also - wie von Kapitän Szilagyi am Vortag verkündet - im wahrsten Sinne des Wortes ein Charaktertest für die Österreicher. Es entwickelte sich ein munteres Hin und Her, in dem die Führung mehrmals wechselte und Andersson auch jenen ÖHB-Akteuren Einsatzminuten zukommen ließ, die bis dato meist die Ersatzbank gehütet hatten.

16:13-Führung zur Halbzeit

Und der zweite Anzug dankte es mit beherzten Darbietungen. Martin Abadir, Michael Jochum, Richard Wöss, Fabian Posch und Co. trugen maßgeblich dazu bei, dass Österreich mit einer 16:13-Führung in die Pause ging. Wie gegen Island, als sogar eine 16:11-Pausenführung verspielt worden war, vergab Österreich aber neuerlich einen recht komfortablen Vorsprung. Ungarn gelang der Ausgleich zum 20:20 (39.) und wenig später sogar eine Zweitoreführung (24:22/46.).

Manndeckung für Szilagyi

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ungarn längst auf Manndeckung gegen Österreichs Regisseur Szilagyi umgestellt und damit den Spielfluss entscheidend gestört. Ungarn spielte in der entscheidenden Phase die größere Breite des Kaders aus und führte mit dem 31:27 in der 57. Minute die Vorentscheidung herbei.

Der Sieg in Gruppe B ging ganz klar an Island, das alle fünf Partien gewann. Der Olympia-Zweite 2008 bezwang dank einer - wie gegen Österreich - eindrucksvollen zweiten Spielhälfte Norwegen vor fast 6.000 Zuschauern 29:22 (12:12) und nimmt das Maximum von vier Punkten in die Hauptrunde mit. (APA)

Gruppe B:

Österreich - Ungarn 30:32 (16:13)
Linköping, Cloetta Center, 800, SR Nikolic/Stojkovic (SRB)

Tore: Szilagyi 7, Bozovic 5, Posch 4, Wilczynski 4, Friede 3, Weber 2, Jochum 2, Fölser 1, Abadir 1, Wöss 1 bzw. Csaszar 5, Törö 5, Mocsai 4, Katzirz 3, Ilyes 3, Lekai 3, T. Ivancsik 3, Zubai 2, K. Nagy 1, Gal 1, Gulyas 1, Schuh 1

Spielverlauf:
0:1 (2.), 2:1 (4.), 5:7 (11.), 6:9 (14.), 9:9 (19.), 10:9 (21.), 14:11 (26.), 14:13 (28.), 16:13 (30.), 19:15 (37.), 20:18
(38.), 20:20 (39.), 21:22 (44.), 22:24 (46.), 24:24 (48.), 25:27 (50.), 27:30 (55.), 27:31 (57.), 30:32 (60.)

Stimmen:

Magnus Andersson (Teamchef, Österreich): "Wir haben einige Fehler in entscheidenden Phasen gemacht. Die Stimmung ist gut, aber alle sind müde, wenn man Spiele verliert. Wir haben auch heute 50 schöne Minuten gespielt, aber gegen die besten Teams geht es schnell. Und daraus muss man lernen. Auch wenn es um nichts mehr geht, man kann bei einer WM von jedem Spiel lernen."

Viktor Szilagyi (Kapitän, Österreich): "Die taktische Umstellung bei Ungarn in der Deckung hat uns aus dem Konzept gebracht, wir haben komisch reagiert, waren zu überrascht. Da muss man das Spiel anders sortieren. Schade, denn nicht nur heute war mehr drin. Es war aber wichtig, dass innerhalb der Mannschaft keine Streitereien entstehen. Das ist nicht passiert, wir wissen alle, dass wir den Weg gemeinsam beschreiten müssen. Es ist sehr viel gegen uns gelaufen bei diesem Turnier. Und die Verunsicherung ist größer geworden. Für uns sind die kommenden Spiele aber auch eine Vorbereitung auf die EM-Qualifikation, wir haben noch etwas vor."

Bernd Friede (Rückraum, Österreich): "Wir waren etwas hilflos, unglücklich im Abschluss. Wir haben in den Partien gesehen, dass wir teilweise mit Weltklasseteams mithalten können, das sollten wir mitnehmen. Wir müssen das über 60 Minuten bringen, sind noch nicht so abgebrüht, das hat man gesehen."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Viktor Szilagyi traf gegen Ungarn sieben Mal und war damit Österreichs Mann des Spiels.

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