Dem Zeitpunkt der Ansteckung auf der Spur

23. Jänner 2011, 14:24

Mit einer einfachen Methode kann der Infektionszeitpunkt eingegrenzt werden

Zürich - Den genauen Zeitpunkt einer Ansteckung mit HIV konnte man bisher nur bis etwa acht Wochen nach der Infektion - während deren akuten Phase - ermitteln. Macht jemand erst später einen HIV-Test, musste bisher unklar bleiben, ob die Übertragung vor drei Monaten oder vor zehn Jahren stattfand. Nun haben Schweizer Forscher eine einfache Methode gefunden, mit deren Hilfe der Ansteckungszeitraum zumindest eingegrenzt werden kann.

Angaben zum Ansteckungszeitpunkt bringen laut Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich verschiedene Vorteile. Der Arzt kann zum Beispiel einfacher abschätzen, wie rasch die Krankheit fortschreitet - und den Behandlungsbeginn entsprechend anpassen. Und in epidemiologischen Studien lässt sich mit höherer Sicherheit voraussagen, wann Übertragungen stattgefunden haben - und damit, wie sich die Krankheit ausgebreitet hat.

Methode

Die Forschungsgruppe hat Daten aus dem Resistenztest genutzt, der bei HIV-Positiven sowieso routinemäßig durchgeführt wird. Dabei wird das Erbgut der Viren untersucht, um herauszufinden, gegen welche Medikamente sie resistent sind. Wenn der Patient verschiedene HIV-Stämme in sich trägt, liefert der Test an einigen Positionen im Viruserbgut kein eindeutiges Ergebnis. "Während langer Zeit galt die Unschärfe im Viruserbgut als Abfallprodukt des Tests", so Günthard. "Aber wir fragten uns, ob sie ein Maß für die Vielfalt der Viren im Blut sein könnte."

Weil die Viren-Vielfalt aus der Vermehrung und der Evolution der Erreger im Körper resultiert und über die Jahre hinweg zunimmt, könnte die Unschärfe im Viruserbgut daher Informationen über die Infektionsdauer enthalten - so die Vermutung der Forscher. Überprüft wurde dies, indem das Team die Resistenztestdaten mit einer früheren, rudimentären Berechnungsmethode des Ansteckungszeitpunkts verglich. Zudem gibt es bei einigen Patientengruppen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie genauere Angaben zur Infektionszeit: etwa, wenn jemand sich in der akuten Infektionsphase testen ließ, oder vor und nach der Infektion je einen HIV-Test machte.

Schwellenwert

In der im Fachmagazin "Clinical Infectious Diseases" publizierten Studie zeigen die Forscher, dass der Anteil der uneindeutigen Stellen in den genetischen Sequenzen der Viren tatsächlich etwa in den ersten acht Jahren nach der Ansteckung gleichmäßig ansteigt; dann wird die Kurve flacher. Um den Infektionszeitpunkt genau vorauszusagen, ist die neue Methode zwar noch zu wenig exakt, räumt die Forschungsgruppe ein. Doch es gelang ihr, einen Schwellenwert zu bestimmen, ab dem die Infektion mit 99-prozentiger Sicherheit länger als ein Jahr zurückliegt. (red)

triebstrü
 
00
23.1.2011, 20:06
Ausnahmen ?

Mich erstaunt, daß man von der Annahme ausgehen kann, daß man sich mit einer einheitlichen Virusvariante ansteckt.

Es ist ja davon auszugehen, daß der Virusdonor selbst mehrere Virusvarianten in sich trägt, und diese alle bei der Übertragung abgibt.
Bei der Infektion mittels Bluttransfusion zB. sollten alle Vrusvarianten des Donors im Empfänger von Beginn an vorhanden sein.
Auch wenn man von der Annahme ausgeht, daß nur eine Ansteckung mit einer einzigen Virusvariante möglich ist, kann man mehrfache Infektionen mit verschiedenen Virusvarianten im laufe der Zeit (mit Variante A im Jahr 2000, mit Variante B im Jahr 2002 usw.) nicht ausschliessen.

aylward
00
24.1.2011, 08:03
guter einwand,

jetzt werde ich das originalpaper doch lesen.

triebstrü
 
010
23.1.2011, 18:01
"...Um den Infektionszeitpunkt genau vorauszusagen..."

Bei "vorauszusagen" hat es mich gewaltig gerissen.
Der Infektionszeitpunkt liegt ja in der Vergangenheit.
Kann man etwas Vergangenes vorausssagen ?

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