Bruderzwist im Zwielicht

20. Jänner 2011, 19:20
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Gerhard Willert leuchtet in Linz die Innenräume von Schillers "Räubern" aus und beschert wechselvolle drei Stunden

Linz - Franz Moor heißt die Kanaille, so viel ist in Friedrich Schillers Schauspiel Die Räuber von Beginn an klar. Und Regisseur Gerhard Willert rückt den heimtückischen Bruder auch gleich ins rechte Licht: Mal grell ausgeleuchtet, mal im Zwielicht, erklärt sich der Intrigant dem Publikum. Peter Pertusini lässt seinen Franz am Rand zum Wahnsinn balancieren und geizt dabei nicht mit Intensität.

Weniger mit Verve als mit schnoddriger Lebensverachtung tritt sein Bruder, Räuberhauptmann Karl Moor (Markus Subramanian) in Erscheinung. Die Sätze, die ihm Schiller in den Mund gelegt hat, sprudeln beiläufig hervor, Heldentum und moralischer Impetus wollen unterlaufen sein. Karl ist hier mangels Saft und Kraft ein Anführer wider Willen, der seine Räuberbande nur in Zeiten persönlicher Todessehnsucht härter an die Kandare nimmt. Eine Fallhöhe, die nicht immer präzise gelingt.

Ganz anders tritt Spiegelberg in Erscheinung, Karls Nebenbuhler in Sachen Mordio. Lutz Zeidler brilliert als fieberhafter Wüstling, bis die Falle der Überzeichnung zuschnappt.

Auch die Inszenierung landet letztlich in der Karikatur. So gelungen Willert den Fokus auf die Konkurrenz moralischer Vorstellungen legt, so sehr die famose Lichtregie Innenwelten auszuleuchten vermag, irgendwann konkurrieren sich läppische und hochenergetische Momente zu Tode.

Da nützt auch Wolfgang Dorningers differenzierter Soundtrack nichts mehr. Der alte Moor (Sven-Christian Habich) stirbt einen witzigen Tod, und Karls Geliebte Amalia (eindrucksvoll: Katharina Vötter) muss am Ende barbusig noch etwas Pathos heraufbeschwören. (Wolfgang Schmutz/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2011)

Linz, Landestheater, Großes Haus, 0800/21 80 00, 21. und 29. 1., 19. 30

  • Famose Lichtregie: Manuel Klein als Grimm in Gerhard Willerts 
"Räuber"-Inszenierung
    foto: christian brachwitz

    Famose Lichtregie: Manuel Klein als Grimm in Gerhard Willerts "Räuber"-Inszenierung

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