Kleiner Mann: Was nun?

20. Jänner 2011, 19:09
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Töchter in die Bundeshymne - Von Andrea Schurian

Bitte danke. Der Oberste Gerichtshof hat nun also entschieden: Österreichs große Töchter dürf(t)en in die Bundeshymne einziehen.

Das ist selbstverständlich großartig. Und überhaupt und höchste Zeit. Allen anderslautenden (männlichen) Vorurteilen zum Trotz hat und hatte Österreich tolle große Töchter in Kunst, Kultur, Literatur, Wissenschaft (und in politisch besetzten Gemeinplätzen übrigens auch). Gleichberechtigungsmäßig sind wir also endlich im neuen Jahrtausend angekommen. Obwohl.

Obwohl andererseits die österreichische Bundeshymne auch mit den integrierten großen Töchtern immer noch ein patriarchales, obrigkeitshöriges, heldenverehrendes Geschichtsbild besingt.

Wo bleiben die kleinen Söhne und kleinen Töchter? Menschen wie Sie und ich also, die von der Politik so gern als "der kleine Mann" apostrophiert werden (die kleine Frau wird da offenbar immer gleich mitgemeint, was wiederum ein rechtes Licht auf die durchgegenderten Sprachgebräuche unserer Polit-Eliten wirft).

Bei allem Respekt für Paula von Preradovic: Die Bundeshymne wäre real- und gesellschaftspolitisch überhaupt neu zu überdenken, Das Pathos der "großen" Söhne und Töchter ist ein bisschen altvorderisch. Geschichte ist keine Perlenkette aus Heldenepen und Großtaten von mächtigen Herrschern aller Art. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2011)

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