Kommen und Gehen in Staatsbetrieben

20. Jänner 2011, 20:20
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Gabriele Lutter verlässt die ÖBB, der Verbund sucht einen Nachfolger von Bahn-Chef Christian Kern, bei der EVN steigt Peter Layr auf, und in der Post stehen drei Vorstände vor dem Abgang

Wien - Das Personalkarussell der Bahn dreht sich schneller, als ÖBB-Holding-Chef Christian Kern lieb sein dürfte. Insider beschreiben es als Flügelrad, das historische Logo der schnellen ÖBB. Während noch um die neue Führung der sanierungsbedürftigen Güterverkehrssparte RCA gerungen wird - neuer Finanzchef soll Andreas Fuchs vom Personenverkehr (PV) werden - kündigte PV-Chefin Gabriele Lutter ihren Rückzug an. Sie steht wegen Problemen seit der Einführung des Winterfahrplans unter Druck und kam am Donnerstag dem vorzeitigen Ende ihres bis Dezember 2011 laufenden Vertrags zuvor.

Nun ist die Führungsebene im Absatzbereich dünn. Denn Lutters Vorstandskollege Werner Kovarik (für Produktion zuständig) ist im Februar weg und Finanzchef Fuchs mit der RCA-Doppelfunktion gut ausgelastet. Kern selbst - er bedauerte Lutters Abgang via Aussendung - führt die RCA in Doppelfunktion als Holding-Chef - bis ihn Erik Regter, Frankreich-Manager des Verbunds, in der RCA ablöst. Ex-Verbund-Mann Georg Lauber kann frühestens im März von der ÖBB-Strategie an die Spitze der PV-Finanzen wechseln.

Wo die einst im Kabinett von Verkehrsminister Caspar Einem (SPÖ) beschäftigte Lutter künftig werken wird, ist offen. Sie gilt als "sehr gut verankert bei Verkehrsministerin Doris Bures" und wird auf der Gerüchtebörse für die Nachfolge von Bahn-Sektionschef Gerhard Gürtlich gehandelt, dessen Vertrag im März ausläuft. Gürtlich ist für die Schienenkontrollgesellschaft Schig im Gespräch, deren Geschäftsführer Gottfried Schuster in Pension geht. Dass ÖBB-Kommunikationschefin Kristin Hanusch-Linser auf Lutters Posten wechseln könnte, verneint man in der ÖBB. Sie müsse sich erst so richtig in die Bahn einarbeiten, heißt es.

In Bewegung gebracht hat Kern auch das Personalkarussell beim Verbund. Sein Posten ist seit Juni 2010 verwaist, das internationale Geschäft macht Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Nun kommt doch ein Nachfolger - um eine Lähmung der Vorstandsarbeit durch lange Personaldiskussionen zu verhindern, wie Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg sagt. Ende 2011 läuft praktischerweise auch der Verbund-Vertrag von Ulrike Baumgartner-Gabitzer (für Kraftwerke und Netze zuständig) aus. Beide Posten sollen gleichzeitig ausgeschrieben werden. Am Dienstag tagt der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats. Es deutet einiges darauf hin, dass das vierte Mandat wieder für Internationales bestimmt wird. Frizberg geht davon aus, dass sich Baumgartner bewirbt und den Job behält. Im Sommer sollen Namen feststehen.

Einen Schritt weiter ist die EVN:Der Aufsichtsrat des niederösterreichischen Versorgers kürte das langjährige Vorstandsmitglied Peter Layr zum Sprecher des Gremiums. In den Vorstand rückt Stefan Szyszkowitz auf, bisher für Südosteuropa zuständig. Der bisherige Chef, Burkhard Hofer, wird EVN-Präsident, was laut dem (nicht bindenden) Corporate Governance Codes nicht zulässig ist.

Rund geht es in der Post. Fix ist, dass Carl-Gerold Mende (im März) und Finanzchef Rudolf Jettmar (Ende 2012) aus dem Vorstand ausscheiden. Nun werden aber die Bereiche Brief und Filialen fusioniert, der Vorstandssessel von Herbert Götz, der mit seinem Chef Georg Pölzl offenbar nicht kann, wackelt. Er hat es sich mit den Postamtsschließungen mit Teilen der ÖVP verscherzt, die Ablöse des in der VP bestens vernetzten Ex-Siemens-Mannes ist aber noch nicht gegessen.

Offen ist zudem die Nachfolge von Peter Michaelis an der ÖIAG-Spitze. Als Kandidaten der Staatsholding sind Herbert Paierl, Boris Nemsic und Markus Beyrer genannt. Für alle gilt: Magere Kompetenzen und fehlende Strategie machen die Staatsholding nicht gerade attraktiv. Paierl schließt eine Bewerbung aus. (ung, stro, as, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.01.2011)

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    Das Postenkarussell bei den Staatsbetrieben ist in Bewegung.

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