Meditationsfernsehen

20. Jänner 2011, 18:40
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Neben Press-Briefings hält die Kommission ein besonderes Vergnügen für Zuschauer bereit

Auf der unermüdlichen Suche nach dem Unvergleichlichen in der Welt des Fernsehens wurde die TV-Forschungsabteilung des STANDARD beim audiovisuellen Service EBS der EU-Kommission fündig: Unter ec.europa.eu/avservices bietet der Dienst Online-TV über die öffentlichen Aktivitäten der Kommission.

Zuschauer können das Press-Briefing zu Mittag verfolgen. Sie sind Zaungäste, wenn die Delegation der weißrussischen Opposition mit EU-Vizepräsidentin Catherine Ashton zusammentrifft, können eine Pressekonferenz des EU-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit live verfolgen - oder später abrufen. Es ist genug los in Brüssel, um das Programm von sieben Uhr Früh bis acht Uhr abends zu füllen. Meistens.

Wenn nicht, dann hält die Kommission ein besonderes Vergnügen bereit: Meditationsfernsehen! Zuletzt, als der EU-Rat für Ackerbau und Fischereiwirtschaft tagte. "Ankunft der Räte und Türstufen", hieß das Programm um sieben Uhr Früh.

Da ist, wie man sich vorstellen kann, noch nicht viel los. Immerhin beginnt es mit einem vorfahrenden Auto, aus ihm steigen zwei Männer, winken, rufen "Morning, Morning!" - und gehen in das Gebäude.

Die nächsten drei Minuten sehen wir Asphalt, Kanaldeckel und den Rest eines abgetretenen roten Teppichs. Dann wieder Auto, wieder Männer, jetzt achtlos vorbeieilend. Nach 40 Minuten sieht man, es dämmert in Brüssel, nach 55 Minuten wechselt der Kameramann ins Foyer des Gebäudes, zehn Minuten später wieder nach draußen. Noch mehr Autos fahren vor. Nach insgesamt 2:28 Stunden endet das Programm unvermittelt. Gut zu sehen: Es ist nichts passiert. Tief durchatmen. Der Tag kann beginnen. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2011)

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