Forschungsrat ortet "Reformstau" und will "Zähne zeigen"

20. Jänner 2011, 15:09
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Androsch: Die verloren gegangene Finanzierungsdynamik soll wiederhergestellt werden

Wien - Einen "Reformstau in Bildung und Forschung" hat Wifo-Chef Karl Aiginger bei der ersten Klausur des im vergangenen Herbst neu zusammengesetzten Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) am Mittwoch und Donnerstag in Langenlois (NÖ) geortet - eine Sicht, der sich RFT-Chef Hannes Androsch durchaus anschließen kann: "Dieser Reformstau ist aber bei Bildung und Unis ungleich größer als im Forschungsbereich und vor allem eine Frage der Dotierung", wie Androsch erklärte. Künftig will der Forschungsrat "Zähne zeigen" und verstärkt auf die Umsetzungen seiner Empfehlungen achten.

Der Forschungsrat will "nachhaltig und mit Zähnen" aufmerksam machen, dass das Regierungsziel einer Forschungsquote von 3,76 Prozent bis 2020 erreicht werden müsse. Dazu sei es notwendig, die verloren gegangene Finanzierungsdynamik wiederherzustellen. Dies gelte nicht nur für die öffentliche Hand und die Bundesländer, sondern auch für die Wirtschaft, sagte Androsch. Konkret empfiehlt der Rat eine bessere Dotierung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft (LBG) und der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG).

Qualifizierung

Das für Forschungsdynamik benötigte qualifizierte Personal müsse von den Unis kommen, insbesondere den Technischen Universitäten und naturwissenschaftlichen Fakultäten. Hier ortet der Rat einen dringenden Aufholbedarf, doch von den zwei Prozent des BIP, die Regierung und Nationalrat als Ziel für den tertiären Sektor vorgegeben haben, "sind wir um zwei Mrd. Euro entfernt", kritisierte der RFT-Chef. Die Universitäten würden aber auch entsprechend qualifizierte Maturanten benötigen, deren Niveau laut Unis "deutlich gehoben werden muss", so Androsch.

Da die Mittel immer limitiert sein werden, müsse dies möglichst effektiv und effizient geschehen. Parallelstrukturen und Zersplitterungen müssten vermieden werden, der Rat sei auch gerne bereit aufzuzeigen, wo Gegenfinanzierungen gefunden werden könnten. "Wenn man Neues schaffen will, muss man bereit sein, auf Altes zu verzichten, vor allem wenn das Alte ineffizient ist", so Androsch.

Vernetzung

Österreichs Wissenschaft und Forschung müsse sich zunehmend stärker international vernetzen, die Möglichkeiten des EU-Rahmenprogramms ausschöpfen und auch global kooperieren. Zur Unterstützung sollten neben den bereits bestehenden "Wissenschafts-Botschaften" Österreichs im Ausland weitere geschaffen werden. Derzeit gibt es "Office of Science and Technology" (OST) in Washington und in Brüssel, der Rat empfiehlt, ein weiteres OST in China einzurichten.

Der Forschungsrat will künftig auch verstärkt auf die Umsetzung seiner Empfehlungen achten und diese "mit einem Monitoring" begleiten. "Damit wir nicht nur etwas gesagt haben und das war's dann schon, wollen wir, wenn es notwendig ist, Zähne zeigen", sagte Androsch.

Dass die ursprünglich für Sommer vergangenen Jahres und dann für nach dem Budgetbeschluss angekündigte österreichische Forschungsstrategie von der Regierung noch immer nicht beschlossen ist, war laut Androsch kein Thema der RFT-Klausur. "Die Strategie ist fertig, aber wenn man nicht den Mut hat, zu sagen, was das in Geld heißt ...". Geld sei nicht alles, "aber ohne Geld geht auch nichts", sagte Androsch. (APA)

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