Musikverband IFPI: "Die größte Bedrohung bleibt die digitale Piraterie"

20. Jänner 2011, 13:59

Musikmarkt schrumpft weiter - Angeblich eine Mio. Jobs in Europa gefährdet

Die digitalen Verkäufe von Musik sind im vergangenen Jahr zwar erneut angestiegen, dennoch sieht sich die internationale Musikwirtschaft von ernsthaften Konsequenzen bedroht. Wie aus dem heute, Donnerstag, in London veröffentlichten "Digital Music Report" des Branchenverbands IFPI (International Federation of the Phonographic Industries) hervorgeht, sank der Gesamtumsatz des weltweiten Musikmarktes in den vergangenen sieben Jahren um 31 Prozent. In Europa seien bis 2015 gar mehr als eine Million Jobs in der Kreativindustrie aufgrund sinkender Umsatzzahlen bedroht.

Downloads oder Streamingdienste

Wie in den vergangenen Jahren war auch 2010 eine Verlagerung des Musikmarktes von physischen Tonträgern auf digitale Angebote wie Downloads oder Streamingdienste zu verzeichnen. Rund 13 Millionen lizenzierte Titel sind derzeit in über 400 legalen Internetangeboten zu beziehen. "Musik führt die Kreativindustrie in das digitale Zeitalter", betonte daher auch die IFPI-Vorsitzende, Frances Moore, in der Einleitung des Berichts. Der Anteil digitaler Verkäufe am Gesamtumsatz ist 2010 auf 29 Prozent und also vier Prozentpunkte im Vergleich zu 2009 gestiegen, der Umsatz betrug 4,6 Milliarden Dollar (3,41 Mrd. Euro), was einem Plus von sechs Prozent entspricht.

"Die größte Bedrohung für die Kreativindustrie bleibt digitale Piraterie"

Die negative Entwicklung wird erneut vornehmlich mit der Piraterie in Verbindung gesetzt. So sei etwa zu beobachten, dass die Höchstverkaufszahlen von Alben in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind. "Die größten Bedrohungen für die Kreativindustrie bleiben digitale Piraterie sowie das Fehlen von adäquaten Maßnahmen, diese zu bekämpfen", so Moore. Trotz zunehmender legaler Angebote benötige man ein "von Rechtsstaatlichkeit geleitetes Internet". Die IFPI will aber nicht nur auf Aktionen von Regierungen warten, sondern selbst handeln. 2010 wurden erneut Bildungsmaßnahmen unterstützt, die Schüler für das Problem illegaler Downloads sensibilisieren sollen.

Aber nicht nur die Musikverkäufe sind von der schwierigen Situation betroffen, auch das Geschäft mit Konzerten scheint nicht vor schwindenden Erlösen gefeit: Die 50 bestbesuchten Tourneen erzielten 2010 einen Umsatz von 2,93 Mrd. Dollar (2,17 Mrd. Euro), was einem Minus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allein für die europäische Kreativindustrie prognostiziert IFPI aufgrund illegaler Angebote einen Schaden von 240 Milliarden Euro in den Jahren 2008 bis 2015.

"Ovi Music Flat"

Möglichkeiten, der Piraterie entgegen zu wirken, sieht die IFPI auch in einer verstärkten Zusammenarbeit mit Internet Providern. Auch der anhaltende Erfolg von Smart Phones biete Gelegenheit, neue Märkte und Anwendungen zu platzieren. Ein Beispiel dafür, dass aber auch Musik-Flatrates nicht zwingend zu Erfolgen führen müssen, ist der Dienst "Ovi Music Flat" des finnischen Unternehmens Nokia. In den kommenden Monaten wird das Service aufgrund fehlendem Kundeninteresses nach zwei Jahren Laufzeit in den meisten Ländern wieder eingestellt.

Ke$ha

Erfolge gab es 2010 für die digitale Musikwirtschaft dennoch zu verzeichnen. Mit dem Song "TiK ToK" der US-Sängerin Ke$ha hat erstmals eine Single die Zehn-Millionen-Grenze bei Downloads durchbrochen, insgesamt wurde der Titel 12,8 Mio. mal legal aus dem Internet bezogen. Auch der europäische Digital-Markt konnte im Vergleich zu vergangenen Jahre deutlich mehr, nämlich im zweistelligen Prozentbereich, zulegen, beläuft sich aber nach wie vor auf weniger als 20 Prozent des Gesamtmarktes.

Dennoch bleibt aus Sicht der IFPI eine der Hauptherausforderungen für Plattenfirmen - neben dem Erschließen neuer Märkte sowie der Entwicklung von Angeboten für unterschiedlichste Endgeräte - die "Überführung von Nutzern unlizenzierter Services zu lizenzierten digitalen Services". Legale Angebote könnten auch in Zukunft nicht überleben, solange "der Markt massiv von Piraterie manipuliert wird", wie es Moore ausdrückt. (APA)

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IFPI

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11 Postings
reich und schön
00
23.1.2011, 22:26

wewlche million jobs sollen das bitte sein??

Adam Ecker
04
20.1.2011, 18:34
"TiK ToK" der US-Sängerin Ke$ha?

Hmm, ob ich da einen Meilenstein der Musikgeschichte nicht bemerkt habe?

Kakadu89
06
20.1.2011, 18:12
Auweh, gleich soviel Bullsh*t...

Punkt 1: Dass 2010 die Konzerteinnahmen um 12% zurückgegangen sind, liegt vielleicht auch an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ich kenne Branchen, die wären über nur -12% sehr glücklich.

Punkt 2: Die "Höchstverkaufszahlen von Alben" oder die "50 bestbesuchten Tourneen" in einer Zeit der musikalischen Diversifizierung als Maßstab zur Messung der Gesundheit der Branche herzunehmen, zeugt von fundamentalen Missverständnissen in der eigenen Branche.

Punkt 3: "Musik führt die Kreativindustrie in das digitale Zeitalter" ist auch nicht schlecht. Es müsste heißen "die Kreativindustrie erkennt schön langsam, dass Musik selbstständig vor mind. 10 Jahren in das digitale Zeitalter gegangen ist".

Naja... viel Spaß noch, liebe IFPI.

IFPI
05
20.1.2011, 16:30
Sehr geehrte Zwangsbeglueckte: Wir, die Musikindustrie machen zwar immer mehr Gewinn

und unser Gewinn ist obendrein unverschaemt hoch, weil wir den kuenstlern davon nichts abgeben, aber unsere analysten sagen uns, dass wir noch mehr gewinn machen koennten, wenn wir ein richtig repressives system mit totaler kontrolle und totaler zensur einrichten koennten.

... deshalb versuchen wir genau das zu tun.

mfG,
IFPI

Andreas Grois
00
20.1.2011, 15:34
Zum am häufigsten heruntergeladenen Song:

http://xkcd.com/846/

Guybrush Threepwood
00
20.1.2011, 15:54

Ich dachte, das wäre der hier:

http://www.youtube.com/watch?v=9... r_embedded

mkdigital
 
016
20.1.2011, 15:13
Piraterie

wenn piraterie so ein problem ist, sollten sie hald die cds nicht mehr über den seeweg verschicken, oder hald eskortschiffe anheuern.

denn wie jeder weis ist piraterie ja raub auf see, und dafür hab ich natürlich kein verständnis.

Benco
04
20.1.2011, 14:52
Totschlagargument mit Abnützungserscheinungen

Immer die bösen Piraten. Alternativvorschlag: Wenn bereits 29% der Umsätze über digitale Verkäufe erfolgen und mp3s ja günstiger als CDs sind, könnte das nicht auch ein bisschen am Umsatzrückgang Schuld sein? Wir reden ja schließlich nicht von sinkenden Gewinnen (zu denen äußert sich ja lustigerweise niemand).

ununnilium
07
20.1.2011, 14:30

Und ich stell eine Gegenbehauptung auf: Die größte Bedrohung der Kreativen bleibt die Musikindustrie.
Sie werdens schon sehen, gegen Piraterie werdens nichts machen können außer schimpfen, ändern wird das nichts. Aber Alternativen anschaun könnte man sich.
Beispiel: http://www.absofacto.com/ "If you love this music, please consider paying something for it. It all goes directly to me, and allows me to keep making more for you. Thank you!"
Scheinbar funktionierts. Aber natürlich unerwünscht, geht ja direkt zum Künstler, da kann ja keine Industrie überzogen mitschneiden.
Ich finde die verlinkte Musik übrigens toll und habs nur deshalb noch nicht runtergeladen, weil ich dafür zahln will und keinen Zugang zu einem der Zahlungsmittel hatte.

ununnilium
00
20.1.2011, 14:33

Kurzer Nachtrag, wer den Link nicht anschaun will: Der Preis kann selbst bestimmt werden, es gibt keine Untergrenze (also ist nichts zu zahlen möglich). So wies zB Radiohead bereits vor ein paar Jahren mit In Rainbows vorgemacht hat.

wurzbar
02
20.1.2011, 14:23

In den letzten 2 jahren hatte jedes unternehmen wirtschaftliche probleme. Warum soll es für die musikindustrie anders ausschauen?

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