Bauern fordern Ende der Preisschleuderei

20. Jänner 2011, 13:27
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Ob Fleisch, ob Eier - wo Österreich drauf steht, ist Österreich drin: Geht es nach den heimischen Bauern, ist genau das absolut nicht der Fall

Wien - Die IG-Fleisch fuhr am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien schwere Geschütze sowohl gegen die verarbeitende Industrie als auch gegen Kontrolleure und Politiker auf und forderte ebenso vehement wie wiederholt eine verbesserte Lebensmittelkennzeichnung sowie ein Ende des Preisdumpings, das nicht trotz sondern gerade wegen des Dioxinskandals in Deutschland offenbar fröhliche Urständ' feiere.

"Vielen von uns steht das Wasser längst bis zum Hals. Mittlerweile wird ja sogar mit Spitzenfleisch geschleudert", polterte IG-Fleisch-Obmann Leo Steinbichler. Die stets kolportierte Überproduktion sei "erstunken und erlogen", da große Mengen Fleisch oder Eier importiert würden. Einmal diesseits der Grenze, werde den Produkten flugs ein rot-weiß-rotes Mascherl verpasst, obwohl man diese lediglich in Österreich verarbeite.

Dioxinskandal mit Auswirkungen

Steinbichler ließ auch durchblicken, dass der Dioxinskandal sehr wohl Auswirkungen auf die heimischen Nahrungsmittel haben könnte - und nicht gerade positive. Denn der von vielen erwartete Preisanstieg blieb aus, ganz im Gegenteil: Die Preise etwa für Schweinefleisch seien weiter gefallen, der Import enorm gestiegen. "Genau deshalb brauchen wir endlich eine ehrliche Lebensmittelkennzeichnung, denn im Moment weiß keiner mehr, was er kauft und wo es herkommt." Steinbichler ging vor allem mit den Verarbeitern hart ins Gericht. Diese würden "groß absahnen", während in den vergangenen 20 Jahren zehntausende Bauern das Handtuch geworfen hätten. Deshalb sei ein "Bündnis zwischen Bauern und Konsumenten" unerlässlich.

Der IG-Fleisch-Obmann präsentierte diesbezüglich die amtlichen Höchstpreise für Fleisch- und Wurstwaren in Oberösterreich aus dem Jahr 1986. "Damals haben ein Kilo Schweinsschnitzel 118 Schilling, umgerechnet 8,90 Euro gekostet. Und heute gibt es dieselbe Menge um 2,99 Euro, noch dazu mit AMA-Gütesiegel."

Zu Tode kontrolliert

Bei Peter Schmiedlechner, Milchbauer aus Lichtenegg aus dem südlichen Niederösterreich, ist der Frust riesig: "Wir haben jetzt seit 25 Jahren immer einen ÖVP-Landwirtschaftsminister. Aber es ist eine Katastrophe, was uns Bauern zugemutet wird. Wir werden regelrecht zu Tode kontrolliert." Er ließe sich dennoch "sehr gerne" kontrollieren: "Bei mir war unlängst die AMA, und es war auch alles in Ordnung. Trotzdem habe ich keine Förderung - immerhin 12.000 Euro - erhalten. Und zwar nur deshalb, weil die nicht fähig sind, in ihrer Zentrale die Ergebnisse einzuarbeiten." Steinbichler, ergänzend: "Ausgleichszahlungen werden heute als Förderungen hingestellt, das darf ja eigentlich auch nicht sein."

Es sei jedenfalls "kein Wunder, dass unter solchen Bedingungen, das eine oder andere schwarze Schaf zu tricksen beginnt", so Schmiedlechner. Direktvermarktung sei als Allheilmittel für viele schon aus zeitlichen Gründen keine Alternative. Steinbichler abschließend: "Wir könnten der Feinkostladen der EU sein. Aber das sind wir bei weitem nicht." (APA)

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    Der Dioxinskandal könnte sehr wohl Auswirkungen auf die heimischen Nahrungsmittel haben - und nicht gerade positive, wird gewarnt.

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