Staatsfernsehen klagt über Satellitenprogramme

20. Jänner 2011, 14:46
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IRIB-Chef schreibt an Ban Ki-Moon: "Schamlose Sendungen verstoßen gegen internationale Normen"

Eigentlich hat das staatliche iranische Fernsehen ein Monopol auf die Ausstrahlung von TV-Programmen. Doch seit Satellitentechnik immer billiger wird, drängen auch private Firmen auf den Markt, der mit 65 Millionen Farsi-Sprechenden durchaus attraktiv ist. 30 Millionen Iraner sprechen Türkisch und können so Programme aus dem Nachbarland verstehen.

Während das Staatsfernsehen religiöse Ratschläge und historische Serien über die Heldentaten Imam Hoseins bringt, bieten die Privaten via Satellit leichter verdauliche Kost: so gibt es auf Manoto die britische Kochshow "Come Dine With Me" ins Persische übertragen, und "Farsi 1" zeigt synchronisierte Unterhaltungsprogramme aus den USA, Lateinamerika und Korea. Farsi 1 ist ein 50/50 Joint Venture zwischen Rupert Murdochs News Corporation und der afghanischen Moby Group, Manoto, deren Studios sich in London befinden, ist im Familienbesitz.

DVDs per Post

Einen gänzlich anderen Ansatz haben die Produzenten der Vorabendserie "Ghahveye Talkh" ("Bitterer Kaffee") gewählt: als das Staatsfernsehen IRIB überraschend die Zusammenarbeit beendete, beschloss man, das Programm als Video-CD und DVD zu vertreiben. Die Datenträger, die es im Webshop für umgerechnet zwei Euro gibt, wurden am ersten Tag 500.000 Mal bestellt, mittlerweile hat man laut eigenen Angaben 14 Millionen verkauft.

Schauspieler und Regisseur Mehran Modiri war schon früher mit TV-Serien erfolgreich. "Bitterer Kaffee" handelt von einem Historiker, der mit Hilfe des Heißgetränks Zeitreisen unternimmt und in der Vergangenheit absurde Szenen, die als Parodie der aktuellen Verhältnisse im Iran durchgehen könnten, erlebt.

"Unethisch und schamlos"

Auch die US-amerikanische VOA und die britische BBC strahlen Programme auf Farsi aus. Angesichts der Popularität der Satellitenprogramme rief IRIB-Chef Ezatollah Zarghami in einem Brief an Generalsekretär Ban Ki-Moon kürzlich die UNO zu Hilfe: mittlerweile strahlten 90 Stationen "unethische und schamlose" Programme ab, was gegen internationale Normen verstoße.

Die iranische Verfassung sagt Meinungsfreiheit zu, Ansichten, die den Grundprinzipien des Islam widersprechen, sind aber verboten. Seit der Revolution 1979 dürfen im Fernsehen keine unverschleierten Frauen mehr gezeigt werden. (bed/derStandard.at, 20.1.2011)

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    Nordteheran, 15.1.2011: eine neue Satellitenschüssel bringt Alternativen zum staatlichen TV-Programm

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