Zwei weitere FC Sans Papiers-Spieler abgeschoben

20. Jänner 2011, 15:56
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Obmann denkt an ein Ende des Fußballklubs - Spieler waren seit zehn Jahren im Land

Nachdem es im vergangenen Mai zu massiven Protesten gegen die Abschiebung zweier Mitglieder des Fußballvereins FC Sans Papiers gekommen war, wurden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erneut zwei Mitglieder des Clubs abgeschoben.

Vom Stürmer John I. und dem Mittelfeld-Spieler "Tshika" habe er sich nur noch telefonisch verabschieden können, sagt "Sans Papiers"-Obmann Di-Tutu Bukasa. "Sie haben mich vom Flughafen Schwechat angerufen", sagt Bukasa zu derStandard.at.

EU-Abschiebung

Neben den beiden Nigerianern saßen laut Informationen des Innenministeriums (BMI) 45 weitere Nigerianer im Flieger nach Lagos, Nigeria. Es habe sich um einen gemeinsamen EU-Abschiebeflug mit Zwischenstopp in Malta, wo weitere Abzuschiebende einsteigen sollten, gehandelt. Ingsesamt hätten sich 11 EU-Staaten an der Aktion beteiligt, allein zwölf Insassen wurden aus Österreich abgeschoben, sagt BMI-Sprecher Rudolf Gollia.

"Stundenlanges Warten"

Für Ärger sorgt die Abschiebung bei Rechtsberaterin Karin Klaric, die John I. und einen weiteren Abgeschobenen, Sunday E., betreut hatte. Die beiden Männer hätten die Fremdenpolizei darauf hingewiesen, dass sie am 19. Jänner einen Rechtsberatungs-Termin hätten, um einen Antrag auf humanitären Aufenthalt zu stellen. "Die Polizei hat das völlig ignoriert und die beiden schon um 15 Uhr abgeholt - obwohl der Abflug erst für ein Uhr früh geplant war", ärgert sich Klaric: "Er hat stundenlang am Flughafen warten müssen." Offenbar habe die Polizei auf diese Weise "verhindern wollen, dass wieder eine Demo Probleme macht". Bei der letzten Abschiebung von Spielern des FC Sans Papiers war es wie berichtet zu Ausschreitungen gekommen.

Beide Spieler hätten Anspruch auf humanitären Aufenthalt gehabt, glaubt Bukasa: Sie seien bereits vor zehn Jahren nach Österreich eingereist. "Sie waren im Bewusstsein, in diesem Land bestens integriert zu sein", erzählt Bukasa. "Nach zehn Jahren wie eine Ziege herausgerissen zu werden, das stellt alle Grundlagen von Demokratie und Menschenrechten in Frage".

Rechtsberaterin kämpft weiter

Klaric will nun in der Abwesenheit der beiden Klienten deren humanitären Aufenthalt erkämpfen: Sie setzte auf einen Prüfbeschluss des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), der das Niederlassungsgesetz (NAG) unter die Lupe nehmen will. Konkret orten die VerfassungsrichterInnen in jener Bestimmung, wonach ein Bleiberechtsverfahren eingestellt wird, wenn der/die AntragsstellerIn abgeschoben wird, einen Verstoß gegen Verfassungsrecht. "Ich habe die Hoffnung, dass das Gesetz aufgehoben wird und die beiden Klienten wieder ins Land kommen dürfen", sagt Klaric.

John I. habe die deutsche Sprache auf A2-Niveau beherrscht und durchgängig bei der Wiener MA 48 gearbeitet, Sunday E. habe sich als Zeitungsausträger verdingt. Beide Männer hätten nichts dazu beigetragen, die Verfahren in die Länge zu ziehen: Die Asylbescheide seien nach jahrelangem Warten erst 2010 bzw. 2009 erlassen worden.

Ende des FC Sans Papiers?

Di-Tutu Bukasa denkt indes an ein Ende des seit neun Jahren bestehenden FC Sans Papiers: "Ein Ziel des Vereins war es, positive Signale an die Mehrheitsgesellschaft auszusenden. Aber diese Signale kommen nicht an." Im Gegenteil: Die Polizei prüfe regelmäßig die Liste des Vereins, um Mitspieler abschieben zu können. "Wenn sie das mit anderen Clubs auch machen würden, dann könnte ich es verstehen. Aber sie machen es nur mit uns." (Maria Sterkl, derStandard.at, 20.1.2011)

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  • Um ein Uhr früh hob der Abschiebungsflieger in Richtung Malta ab. Die unfreiwillig Ausreisenden hatten zum Teil seit zehn Jahren in Österreich gelebt
    foto: epa/ramon de la rocha

    Um ein Uhr früh hob der Abschiebungsflieger in Richtung Malta ab. Die unfreiwillig Ausreisenden hatten zum Teil seit zehn Jahren in Österreich gelebt

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