Das neue Burgertum

22. Jänner 2011, 11:00
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Das "Crossover" in Wien-Döbling bietet sympathische Fusionsküche mit feinen Burgern und philippinischem Einschlag

Jeffrey Bartolome und Norbert Somogyi kochen seit Jahren gemeinsam - erst im Indochine, später in den zur selben Gruppe gehörenden Restaurants Yohm und Franks, schließlich im Livingstone, das neben gut beleumundeten Burgern für Steaks und die nicht ganz billige, aber zuverlässige Asia-Fusionsküche mit Thai-Schwerpunkt bekannt ist. Als sich die zwei vor kurzem selbstständig gemacht haben, war klar, dass es in derselben Richtung weitergehen wird, wenn auch mit einem Schlenker in Richtung Philippinen, der Heimat Bartolomes.

Nun liegt das Lokal in der Döblinger Hauptstraße, wo es an finanziell gut gepolsterten Anwohnern eigentlich nicht mangelt - bisher hat der Standort aber noch keinem Gastronomen Glück gebracht. Auch egal, erklären Somogyi und Bartolome, mit entsprechendem Einsatz ließen sich auch solche Vorzeichen umkehren. Die im Stil der 1970er gehaltenen Rustikalverbauten wurden durchaus geschickt mit ein paar Asia-Elementen aufgezwirbelt, der Service ist flink und engagiert, und was aus der Küche kommt, kann sich sehen lassen.

Eröffnungsangebot

Mittags gibt es ein Menü zum Kampfpreis (5,60 Euro), angesichts dessen man sich nicht vorstellen kann, wie da Delikatessen wie Büffelmozzarella, Linsencurry mit Garnelen oder Rindsfiletscheiben Platz finden sollen - das wird sich nur als Eröffnungsangebot ausgehen.

Beef Tartare mit Garnelen Ceviche wird offenbar handgeschnitten und mit Schwung und Witz mariniert, nur die Garnelen hätten für Ceviche eigentlich roh mariniert gehört. Die philippinischen Lumpia-Frühlingsrollen mit Shrimps und Schwein sind zwar reichhaltig gefüllt, geraten aber reichlich trocken. Besser: die vielschichtig gewürzten "Chicken Pops", knusprige Laberln mit richtig gutem Gurkensalat.

Das philippinische Nationalgericht Crispy Pata - erst gekochte, dann ausgelöste und knusprig frittierte Schweinsstelze - kann hingegen nicht überzeugen. Einzig die fruchtige Dipsauce aus Soja und der Zitrusfrucht Kalamansi vermag sie über das berüchtigte Praterstelzen-Niveau zu heben. Ungleich besser hingegen die doppelt gegarten Beef Spareribs: Tolle Marinade, butterweich gedämpft und danach gegrillt, mit zwei feurigen Saucen - so macht Fusionsküche Spaß. Routiniert und ziemlich mächtig: die Burger mit allerhand hausgemachten Saucen. (Severin Corti/Der Standard/rondo/21/01/2011)

Crossover
Döblinger Hauptstr. 11
1190 Wien
Tel.: 0699/15 04 18 04
Mo-Fr 11-14 u. 17-23, Sa 14-23 Uhr
VS EURO 3,60-12,50 HS EURO 8,50-19,50

Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Gute Adresse, schwieriger Standort.
    foto: gerhard wasserbauer

    Gute Adresse, schwieriger Standort.

  • Am Beginn der Döblinger Hauptstraße wird jetzt Fusion-Cuisine gekocht.
    foto: gerhard wasserbauer

    Am Beginn der Döblinger Hauptstraße wird jetzt Fusion-Cuisine gekocht.

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