Kinder bringen Armutsgefahr

20. Jänner 2011, 11:22
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Wenn in Familien nur ein Partner arbeitet, steigt das Armutsrisiko rasant - Auch Migrationshintergrund und Arbeitslosigkeit sind Risikofaktoren

Wer alleinerziehend, langzeitarbeitslos oder wenig gebildet ist, mehr als drei Kinder oder Migrationshintergrund hat, der ist in Österreich tendenziell stärker von Armut bedroht. Das zeigt die von Statistik Austria durchgeführte EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) 2009-Erhebung. Insgesamt waren 2009 rund 12 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise eine Million Menschen armutsgefährdet.

Sieht man sich die soziodemografischen Merkmale an, tragen neben den Alleinerziehern (30 Prozent) auch alleinlebende Pensionistinnen (28 Prozent) und Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft (26 Prozent) ein hohes Armutsrisiko. Bei Familien mit drei und mehr Kindern lebte jede fünfte Person in einem armutsgefährdeten Haushalt (20 Prozent).

Leichtes Sinken der Armutsgefährdungsquote

Laut Ursula Till-Tenschert von der Statistik Austria ist über die vergangenen Jahre ein leichtes Sinken der Armutsgefährdungsquote zu beobachten. 2009 erklärt sich die Entspannung der Lage vor allem dadurch, dass mehr Männer im erwerbsfähigen Alter Arbeit gefunden haben - 2008 war das Jahr mit der niedrigsten Arbeitslosenquote.

Der beste Schutz gegen Armut ist immer noch, wenig überraschend, die Erwerbstätigkeit. Wer 2008 das ganze Jahr Vollzeit gearbeitet hat, hatte mit fünf Prozent die niedrigste Armutsgefährdungsquote. Mehr als sechs Monate Arbeitslosigkeit brachten mit 39 Prozent das höchste Armutsrisiko. Es gibt aber auch die "Working Poor", also Personen, denen trotz Ausübung einer Erwerbstätigkeit kein ausreichendes Haushaltseinkommen zur Verfügung steht. Laut EU-SILC 2009 sind dies sieben Prozent der Erwerbstätigen.

Familien & Frauenerwerbstätigkeit

Detail am Rande zu der Armutsgefährdung von Familien: Sobald zwei Familienmitglieder erwerbstätig sind, sinkt die Quote rapide. So ist die Gefährdungsquote bei Mehrkindfamilien (mehr als drei Kinder) bei denen die Frau nicht arbeitet, bei 32 Prozent - wenn sie Teil- oder Vollzeit arbeitet dann sinkt sie auf zwölf Prozent. Bei Familien mit einem Kind sieht es ähnlich aus: 18 Prozent Gefährdungsquote bei nicht erwerbstätigen, vier Prozent bei erwerbstätigen Frauen.

Als armutsgefährdet gelten Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen, die Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60 Prozent des nationalen Medianeinkommens. Das Jahreseinkommen armutsgefährdeter Haushalte liegt im Mittel um 171 Euro pro Monat unter der Armutsgefährdungsschwelle, die Armutsgefährdungslücke beträgt damit 17 Prozent.

Die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinlebende lag 2009 in Österreich bei einem verfügbaren Einkommen von 994 Euro pro Monat. Für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt erhöhte sich die Gefährdungsschwelle um 497 Euro, für jedes Kind um 298 Euro. Insgesamt waren im Berichtsjahr 2009 12 Prozent der Bevölkerung bzw. rund eine Million Menschen armutsgefährdet. Etwa die Hälfte davon war gleichzeitig mit finanzieller Deprivation konfrontiert (488.000 Personen), somit lag die manifeste Armut (Kombination aus Armutsgefährdung und finanzieller Deprivation) wie im Jahr 2008 bei rund sechs Prozent. (az, derStandard.at, 20.1.2011)

Wissen

Im Juni 2010 haben sich die europäischen Regierungen auf eine neue Strategie für ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum bis zum Jahr 2020 geeinigt. Ein Ziel ist es, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Zahl der Menschen in Gefährdungslagen für soziale Ausgrenzung in der Europäischen Union um 20 Millionen zu verringern. Diese Gefährdungslagen umfassen Armutsgefährdete und Menschen, die einen europäischen Mindestlebensstandard nicht erreichen (materielle Deprivation nach EU-Definition), ebenso wie Personen in erwerbslosen Haushalten.

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    Armutsgefährdung in Österreich

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