Der Geruch des Geldes

19. Jänner 2011, 18:50
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Auch das Geld, das Diktatoren und autoritäre Herrscher Expolitikern zukommen lassen, stinkt nicht

Das zum geflügelten Wort gewordene "non olet" - "Es stinkt nicht" - entspringt einer Anekdote, mit der Sueton die erfindungsreiche Steuerpolitik Kaiser Vespasians illustriert: "Als sein Sohn Titus ihm einmal Vorhaltungen machte, dass er sich auch noch eine ,Urinsteuer' (für die gewerbliche Nutzung des Urins aus den öffentlichen Bedürfnisanstalten) habe einfallen lassen, hielt dieser ihm eine Handvoll Münzen aus der ersten Einhebung unter die Nase und forderte ihn auf, zu sagen, ob er etwa am Geruch des Geldes Anstoß nehme; und als Titus verneinte, sagte er: ,Und doch ist es aus Urin'."

So stinkt auch das Geld nicht, das Diktatoren und autoritäre Herrscher heute, freilich nicht in Form von Münzen, sondern durch Banküberweisungen Expolitikern zukommen lassen. Das gilt natürlich auch für globale Großunternehmen, die als Konsulenten oder Aufsichtsräte bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens engagieren. Anders liegen die Dinge bei jenen ehemaligen Politikern, die, wie Tony Blair oder Bill Clinton, durch Vorträge und Memoiren Honorare in Millionenhöhe verdienen.

Die größte Wertschätzung genießen Staatsmänner, die auch nach ihrem Rückzug aus der aktiven Politik in Wort und Schrift oder durch grenzüberschreitende Initiativen die öffentliche Meinung mitprägen - man denke etwa an das Wirken Helmut Schmidts, Willy Brandts oder Bruno Kreiskys. Gerade in diesen Tagen des Kreisky-Kultes sollten nicht zuletzt sozialdemokratische Politiker auch seine vor fast vier Jahrzehnten ausgesprochenen Warnungen über den Umgang mit Diktaturen lesen: "Den Besten der so wachsamen Intellektuellen imponiert vor allem das Kontroversielle, die ständig präsente Kritik in der Demokratie, das Recht und die Möglichkeit der Teilnahme an echter Willensbildung. Ihnen imponiert die wirkliche kulturelle Leistung, weil sie in ihr die Möglichkeiten echten kreativen, originellen Schaffens erblicken." (Neutralität und Koexistenz. München 1975).

Bruno Kreisky bemühte sich im Sinne des von ihm geschätzten Diktums Jacob Burckhardts durch die historische österreichische Erfahrung zwar nicht, "weise für immer, aber doch klüger für ein anderes Mal" zu werden. Zu Recht hat man den früheren deutschen Kanzler Gerhard Schröder für seine umstrittene, aber sehr lukrative Freundschaft mit Wladimir Putin, dem von ihm als "lupenreinen Demokraten" gelobten starken Mann Russlands kritisiert. Nun soll er mit anderen prominenten linken Expolitikern als Berater für Kasachstans Präsidenten Nursultan Nasarbajew dienen, der dank einer soeben beschlossenen Verfassungsänderung als "Führer der Nation" ohne umständliche Wahlen per Referendum bis 2020 an der Macht bleiben wird. Er wäre dann achtzig. Nasarbajew gilt als Symbolfigur des Überganges von der kollektiven Parteidiktatur (1991 war er schon Parteichef der damaligen Sowjetrepublik gewesen) zur Alleinherrschaft seiner Familie. Nun soll auch Exkanzler Alfred Gusenbauer, zusammen mit dem Polen Kwasniewski und dem ehemaligen EU-Kommissionspräsident Romano Prodi dem kasachischen Herrscher helfen, dem Nasarbajew-Klan das Schicksal des tunesischen Kollegen zu ersparen. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2011)

 

 

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