Europa ist großer Verlierer bei Auslandsinvestitionen

19. Jänner 2011, 17:40
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Während die USA und die Schwellenländer im Vorjahr wieder massive Kapitalzufuhren aus dem Ausland erhielten, brachen die Investitionen in Europa um mehr als ein Fünftel ein

Während die USA und die Schwellenländer im Vorjahr wieder massive Kapitalzufuhren aus dem Ausland erhielten, brachen die Investitionen in Europa um mehr als ein Fünftel ein. Vor allem Italien und Irland wurden gemieden.

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Genf/Wien - Die europäische Schuldenkrise und die damit verbundene Wachstumsschwäche schreckt internationale Kapitalgeber ab. Sie reinvestieren ihre Gewinne, erwerben Aktien oder bauen neue Werke lieber in den Schwellenländern - oder in den USA: Laut einem Uno-Bericht stagnierten die Direktinvestitionen im Vorjahr, allerdings gab es regional deutliche Verschiebungen. Von insgesamt 1,12 Billionen investierten Dollar floss erstmals mehr als die Hälfte in Entwicklungs- und Schwellenländer, schreibt die für Handel und Entwicklung zuständige Organisation Unctad.

Die Industriestaaten verzeichneten einen Rückgang der Investitionen von knapp sieben Prozent, wobei vor allem jener Europas ins Gewicht fällt, wo ausländische Kapitalgeber 22 Prozent weniger veranlagten. Der Zusammenhang mit der Schuldenkrise ist für die UN-Einheit evident: Direktinvestitionen in Griechenland, Italien und Irland schrumpften um rund 26 Mrd. Dollar. Dazu kommen die Einbußen in den wichtigen Finanzzentren Luxemburg und Niederlande, wobei in letzterem Staat unter dem Strich sogar Desinvestitionen von 24,7 Mrd. Dollar stattfanden - es wurde also veranlagtes Kapital abgezogen.

Die drei EU-Schwergewichte im internationalen Investitionsspiel - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - verzeichneten nur geringfügige Rückgänge bei den Geldzuflüssen. Dass selbst das boomende Deutschland keine Steigerung schaffte, dürfte mit der Unsicherheit über die Entwicklung der Eurozone zusammenhängen, meinen Ökonomen. Die Ebbe bei den Investitionen dürfte sich wiederum negativ auf den Produktivitätsfortschritt auswirken und somit die Wachstumsaussichten in Europa weiter verschlechtern.

Konträr entwickelte sich Österreich, wo mit Auslandsinvestitionen von 12,6 Mrd. Dollar ein Rekordwert erreicht wurde. Doch der Schein trügt - der Zuwachs gegenüber 2009 von fast 80 Prozent ist überwiegend auf die Bank Austria zurückzuführen, die frische Mittel von der italienischen Mutter erhielt und überdies die Tochter CAIB an die deutsche Schwester HVB verkaufte.

Dass nicht nur Schwellenländer für Auslandsinvestitionen attraktiv sind, zeigen die USA, wo der Geldzufluss um 43 Prozent nach oben schnellte. Allerdings dürfte hier Finanzkapital die Realinvestitionen deutlich überwiegen. Übernahmen und Fusionen mit ausländischer Beteiligung verdoppelten sich. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2011)

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