Schweizer Banker erneut festgenommen

19. Jänner 2011, 22:28
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Neues Strafverfahren - Rudolf Elmer zeigte sich vor Gericht geständig

Zürich - Die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hat am Mittwoch ein neues Strafverfahren gegen den ehemaligen Banker und Wikileaks-Informanten Rudolf Elmer  Rudolf Elmer wegen des Verdachts der Verletzung des Bankengesetzes eingeleitet. Elmer wurde am Abend in der Schweiz festgenommen.

Grund für die Festnahme und das erneute Verfahren gegen den entlassenen Julius-Bär-Banker sind Daten-CD, die Elmer am Montag in London Wikileaks-Chef Julian Assange übergeben hatte. Die Staatsanwaltschaft überprüfe nun, ob sich Rudolf Elmer durch die CD- Übergabe an Wikileaks der Widerhandlung gegen das schweizerische Bankengesetz schuldig gemacht hat, teilten die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Zürich mit.

Elmer zeigte sich geständig

Vor dem Bezirksgericht in Zürich musste sich Elmer zuvor wegen Verstößen gegen das Bankgeheimnis, Drohung und Nötigung verantworten. Er soll als Ex-Geschäftsführer der Privatbank Julius Bär auf den Cayman Islands geheime Bankdokumente an Behörden und Medien weitergegeben haben.

Elmer war 2002 von Julius Bär entlassen worden. Er zeigte sich vor Gericht teilweise geständig: Er habe Bankdaten weitergegeben, die belegten, dass die Bank Julius Bär Klienten Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet habe. Da diese Datenweitergabe aber auf den Cayman Islands erfolgt sei, habe er nicht das Schweizer Bankgeheimnis verletzt, so Elmer.

Die Staatsanwältin sah dies anders. Sie forderte eine achtmonatige unbedingte Gefängnisstrafe für den Ex-Banker. Strafverschärfend sei, dass Elmer just zwei Tage vor Prozessbeginn erneut Bankdaten an die Whistleblower-Plattform Wikileaks übergeben habe. Das Urteil wurde noch für Mittwochabend erwartet.

Unterstützung erhielt Elmer von Demonstranten draußen vor dem Gerichtsgebäude: "Den Ruedi will man hängen, den Kaspar lässt man laufen", stand auf einem Transparent. Es sei unfair, dass "Ruedi" Elmer vor Gericht gestellt werde, während Kaspar - gemeint ist Kaspar Villiger, der Aufsichtsratsvorsitzende der Großbank UBS - verschont bleibe, wie überhaupt noch kein Schweizer Gericht Anklage gegen Bankverantwortliche wegen Beihilfe zu Steuerbetrug erhoben habe. (APA/Klaus Bonanomi aus Zürich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2011)

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