Schweiz sieht Handlungsbedarf

19. Jänner 2011, 17:28

Laut einer Umfrage gab es bisher nur zwei Restitutionen

Bern - Das österreichische Kunstgüterrückgabegesetz gilt bekanntlich nur für die Bundesmuseen - und daher nicht einmal für das Leopold Museum, das zumindest elf restitutionsfähige Werke besitzt. Zudem gibt es keine österreichweite Erhebung über den Stand der Provenienzforschung.

In diesem Punkt ist die Schweiz einen Schritt voraus: Im Auftrag des Bundesrats führten das Eidgenössische Departement des Innern (Edi) und jenes für auswärtige Angelegenheiten (Eda) eine freiwillige Umfrage in insgesamt 551 Schweizer Museen statt.

Die Rücklaufquote betrug rund 75 Prozent: 416 Institutionen füllten die Fragebögen aus, viele davon aber unvollständig. Drei Viertel der Museen fühlten sich von der Problematik nicht betroffen, entweder weil sie als Heimatmuseen nur Bestände aus ihrer Gegend führen oder erst nach 1945 gegründet wurden. Einige gaben an, dass ihnen die finanziellen und personellen Ressourcen fehlten, um Recherchen anzustellen.

Nur 25 Institutionen bekannten ein, dass sie potenziell von der Raubkunstproblematik betroffen sind. 51 teilten mit, dass sie Provenienzrecherchen durchgeführt hätten. Und 22 Prozent gaben an, bei Erwerbungen von Werken nach 1945 die Herkunft zumindest teilweise abgeklärt zu haben.

59 Museen bestätigten eine Sammlungstätigkeit während der NS-Zeit, 43 von diesen gaben 68.500 Erwerbungen zwischen 1933 und 1945 an, davon sind allerdings 55.000 Objekte ethnografischer und archäologischer Art. Nur von 2500 der restlichen 13.500 Objekte seien die Provenienzen geklärt. Elf Museen teilten keine Zahlen mit, gaben aber an, die Provenienzen geklärt oder teilweise geklärt zu haben. Vier Museen bekannten ein, keine Forschungen angestellt zu haben.

Konkrete Taten im Bezug auf die Rückgabe von NS-Raubkunst sind bisher noch die Ausnahme. Sieben Museen bestätigten den Eingang von Restitutionsbegehren. Zwei Kunstwerke wurden zurückgegeben, ein weiteres abgegolten. Ein Verfahren läuft noch.

Die Schweizer sehen aufgrund der Ergebnisse Handlungsbedarf: Die Provenienzrecherchen sollen intensiviert und die Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht werden. (trenk, sda, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Jänner 2011)

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