Eizenstat: Österreich ist weltweites Vorbild

19. Jänner 2011, 17:41
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Großes Lob aus USA bei Zehn-Jahr-Feier des Abkommens über NS-Entschädigung

Wien - Den zehnten Jahrestag des Washingtoner Abkommens zwischen Österreich und den USA über die Entschädigung von NS-Opfern nahm der damalige US-Verhandler Stuart Eizenstat in einer Rede im Plenarsaal des Parlaments am Mittwoch nicht nur zum Anlass, die Republik und die damalige Regierung Schüssel in höchsten Tönen zu loben. Eizenstat setzte in seinem einstündigen Vortrag den damals vereinbarten Entschädigungsfonds von 210 Millionen Dollar in einen größeren historischen Kontext und kam zum Schluss, Österreichs Bemühungen seien zum Vorbild für andere Staaten im Umgang mit der Vergangenheit geworden.

Österreich habe nach 1945 viel zu wenig getan, aber infolge der Waldheim-Affäre von sich aus begonnen, Verantwortung für NS-Verbrechen zu übernehmen und finanzielle Gesten zu setzen. In den 90er-Jahren habe die Regierung beim Einsatz von NS-Raubgold für Holocaust-Überlebende und Kunstrestitution zum internationalen Vorreiter geworden, betonte Eizenstat, der bereits in einem Standard-Interview im Vorjahr lobende Worte für Österreich fand. Vorbildhaft sei auch die Beteiligung der Privatwirtschaft an den Entschädigungen gewesen, die Wirtschaftskammer-Syndikus Herbert Pichler organisiert habe, fügte Eizenstat diesmal hinzu.

Die an NS-Zwangsarbeiter, Holocaust-Überlebende und Erben ausbezahlten Gelder seien für die Empfänger vor allem Zeichen der Anerkennung des zugefügten Leids gewesen. "Wichtiger als das Geld ist die Erinnerung", lautete seine Schlussfolgerung, der in seinen Worten auch mit der Untätigkeit der amerikanischen Roosevelt-Regierung während des Holocaust hart ins Gericht ging.

Aber auch Österreich habe noch Handlungsbedarf, deutete Eizenstat an. Er erwähnte das Bremsen der Gemeinden bei der Sanierung jüdischer Friedhöfe und die unsichere Finanzierung eines Holocaust-Erziehungsprogramm des Salzburg Seminars. (ef, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2011)

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