Standard-Interview

"Verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße hat Priorität"

19. Jänner 2011, 18:31
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    foto: der standard/urban

    Eine Erhöhung der Öffi-Tarife für manche Bevölkerungsgruppen ist laut Maria Vassilakou vorstellbar. Verbesserungen soll es für Vielfahrer, Studierende und Kinder geben.

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    "Ich will eine Stadt, in der man gut lebt und die nicht krank macht - durch Lärm und schlechte Luft."

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    "Ich muss und werde mit vielen Projekten aus der Vergangenheit leben müssen. Das gehört dazu, wenn man ein Ressort übernimmt."

Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou verspricht mehr Freiräume und will bei der Pendlerproblematik Niederösterreich in die Pflicht nehmen

Standard: Vor ihrer Regierungsbeteiligung bezeichneten die Grünen den neuen Bahnhof Wien-Mitte als "größten städtebaulichen Unsinn". Als Planungsstadträtin können Sie mit diesem Projekt plötzlich leben?

Vassilakou: Ich muss und werde mit vielen Projekten aus der Vergangenheit leben müssen. Das gehört dazu, wenn man ein Ressort übernimmt. Mein Bestreben ist es, bei neuen Planungen für die grüne Handschrift zu sorgen.

Standard: Sie denken also an keine Nachbesserungen bei den in Bau befindlichen Bahnhöfen?

Vassilakou: Dort wo die eine oder andere Änderung möglich ist, werden wir auch zusehen, dass wir sie angehen - das gilt für alle Projekte. Meine Aufgabe ist es aber vor allem, in die Zukunft zu blicken und die ungeheuren Potentiale von Projekten zu sehen, die jetzt auf uns zukommen.

Standard: Die da wären?

Vassilakou: Von Aspern über den Franz-Josefs-Bahnhof und Rothneusiedl bis zu den ganzen Kasernenarealen des Bundes. Wir wollen hier sicherstellen, dass wir Schwerpunkte in der Planung setzen und auch umsetzen - Energieeffizienz, sanfter Verkehr, Grünraum, Freiflächen.

Standard: Sie versprechen also jede Menge neue Parks?

Vassilakou: Die Reduzierung auf Parks ist mir zu eng. Aber ich verspreche auf alle Fälle neue Freiräume. Das kann genauso eine Piazza sein, für die eine Straßenkreuzung beruhigt wurde.

Standard: Und die Mariahilfer Straße wird autofrei?

Vassilakou: Für mich hat die Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße absolute Priorität. Jetzt muss ein Verkehrskonzept entwickelt werden. Denn es gibt mehrere Möglichkeiten - eine reine Fußgängerzone, eine Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer oder ein Shared-Space-Modell. Eine Umsetzung wird frühestens 2013 erfolgen können.

Standard: Sie wünschen sich auf dem Areal zwischen Franz-Josefs-Bahnhof und alter WU einen schönen neuen Stadtteil. Dass die ÖBB - die bekanntlich nicht gerade im Geld schwimmen - da kräftig investieren, ist unwahrscheinlich.

Vassilakou: Die Gespräche mit den ÖBB laufen - und wir werden sehen, zu welchem Ergebnis wir kommen. Die ÖBB haben jedenfalls ein Interesse an der Aufwertung ihres Besitzes. Ich verhehle nicht, dass ich die Hoffnung hege, die Platte abzureißen.

Standard: Will sich Niederösterreich am Projekt beteiligen? Schließlich ist die Franz-Josefs-Bahn vor allem für Pendler wichtig.

Vassilakou: Ich habe mehrfach betont, dass es gilt, Niederösterreich stärker in die Pflicht zu nehmen. Die Gespräche zur Verkehrspolitik stehen aber noch aus. Es liegt da auch ein spannender Antrag der Wiener ÖVP vor. Sie will einen gemeinsamen Verkehrsausschuss für Wien und Niederösterreich ins Leben rufen. Ich freue mich, wenn Niederösterreich dem zustimmt. Dann hätten wir ein Gremium, in dem wir die Pendlerproblematik auf höchster politischer Ebene diskutieren können.

Standard: Für Finanzstadträtin Renate Brauner hat die Verlängerung der U1 nach Rothneusiedl keine Priorität mehr. Gibt's im Gegenzug eine Chance, dass die U2 künftig doch noch den Hauptbahnhof kreuzt?

Vassilakou: Die Verlegung der U2 zum Hauptbahnhof wurde eingehend geprüft. Sie wäre unglaublich kostspielig und würde sehr lange dauern. Ich bin überzeugt, dass die Anbindung durch U1, mehrere Straßenbahnen, Schnellbahn- und Autobuslinien sich als ausreichend erweisen wird.

Standard: Rothneusiedl könnte ein neues grünes Stadtviertel werden. Ist Ihnen die Entwicklung dieses Gebietes ein Herzensanliegen?

Vassilakou: Es ist verlockend für Politiker, sich mittels eines neuen Stadtteils zu verwirklichen. Dabei verkennt man, wie viel Ressourcen das bindet - während das, was im alten Bestand der Stadt angegangen werden müsste, als zweite Priorität angesehen wird. Diesen Fehler will ich nicht machen. Ich will eine Gesamtstrategie für Wien umsetzen.

Standard: Wie sieht diese aus?

Vassilakou: Ich will eine Stadt, in der man gut lebt und die nicht krank macht - durch Lärm und schlechte Luft. Eine Stadt, die neue Trends aufgreift, etwa City-Farming. Da könnten einige Leitprojekte entstehen - als Wohnprojekte mit integrierten Landwirtschaftsflächen, etwa auf alten Kasernenarealen.

Standard: Diese Flächen würde die Stadt dem Bund abkaufen?

Vassilakou: Oder ein Investor - und die Stadt entwickelt das Gebiet mit ihm gemeinsam.

Standard: Die SPÖ schließt nicht aus, dass die Öffi-Benutzung für manche Fahrgastgruppen teurer wird. Sie haben im Wahlkampf billigere Öffis für alle gefordert.

Vassilakou: Aktuell geht es darum, dass die Öffis für möglichst große Gruppen leistbarer werden.

Standard: Und für andere teurer?

Vassilakou: Kommt darauf an, für welche - aber: ja. Verbesserungen muss es für Vielfahrer und finanziell schwächere Gruppen geben: Jahreskartenbesitzer, Kinder und Studierende.

Standard: Sie haben bald eine Mega-Baustelle zu bewältigen: Die Sanierung der Südosttangente. Wie wollen Sie die Autofahrer, die täglich im Stau stecken werden, besänftigen?

Vassilakou: Die ÖBB sollten ihr Angebot dieser Situation anpassen. Ein gutes Zeichen wäre auch, wenn die Fahrradmitnahme kostenlos wäre. Wir werden jedenfalls ein Verkehrskonzept präsentieren und auf Ausweichrouten hinweisen. Man kann diese Sanierungszeit wie die Euro-Zeit betrachten. Da haben wir tausende Pendler ersucht, auf das Auto zu verzichten. Und es hat funktioniert.

Standard: Die Behinderungen auf der Tangente dauern allerdings länger.

Vassilakou: Möglicherweise kommen aber in der Zeit viele drauf, dass eine andere Form der Mobilität mehr Sinn macht. (Martina Stemmer, Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2011)

MARIA VASSILAKOU (41), ist seit November 2010 grüne Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz und Energieplanung.

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Guy Montag
20
26.1.2011, 18:34
lass dir die schneidezähne endlich richten

wenn wir bei priorität sind.

mit dem eigenen sportmotorad verursacht sie gerne lärm und ungereinigte abgase.

taratata
00
28.2.2011, 22:08

was, bitte sehr, haben ihre zähne mit ihrer tätigkeit als politikerin zu tun? vielleicht lässt sie sie sich auch aus prinzip nicht richten, was sagt das dann über sie aus?

der Ball bringt nur Unruhe ins Spiel
00
26.1.2011, 12:43

Mit einem ordentlichen Radweg auf oder entlang der Mariahilferstraße hätte ich persönlich die größte Freude.

Jülyet Ksantopulo
20
24.1.2011, 15:54

Wie schauet es eigentlich mit der lange verschprochenen Wahlrechtsreform aus?

Oder hant die Grünen eines ihrer Wahlverschprechen gebrochen?

tomato tirol
23
23.1.2011, 13:16
fuzo

wenn die verkehsrberuhigung so gut für die geschäfte ist, dann beruhigt doch die absterbenden lagen in der gumpendorfer und burggasse und macht nicht das geschäft der "internationalen kinderarbeitsketten" in der mahü noch lukrativer!
auch grünen stadträten wäre denken zumutbar

Mausi Katzi
12
22.1.2011, 01:36
Verkehrsberuhigte Maria Vassilakou

hat prioritaet. kann es wichtigeres geben? nein - sicher nicht. wie wärs mit themen wie "100.000 solarthermie-anlagen für wien"? aber nein - das waere schon wirklich "grün"... lieber den zarten duft der abfallverbrennung fördern... leichenwarm wirds einem da ums herz

Shoe Shine Pad
21
21.1.2011, 23:26
O, jetzt hat die vereinigte Grün-Hasser Partei Ausgang.

Das ist "virales Marketing", was da offenbar von v.a. konservativen (und auch nationalen, von denen aber weniger, denn die matchen sich eher mit Häupl) Partei-Postern probiert wird, nämlich Vasilakou als Tr0ttel hinzustellen und auf machistische Weise fertig zu machen ("Du bist eine liebe Politikerin. In der Sache hast Du gleichermaßen wenig Ahnung wie Erfahrung." usw.)? Die ÖVP ist mit solchen Methoden schon einmal auf die Nase gefallen - erinnere nur an das Klasnic-Debakel wegen des aufgeflogenen ÖVP-Partei-Kurses zur Fälschung von Leserbriefen.

Hinguckerl
00
22.1.2011, 10:45
ehrlich, shoe...

dieses vassilakou bwz grün bashing kann ich sooo nicht erkennen! sicher, es gibt immer auch solche, die sich so verhalten, wie du meinst, aber im großen und ganzen ist die kritik hier sachlich und leider auch berechtigt, auch von grün-sympathisanten wie mir. in diesem artikel kommt einfach kein großartiges verkehrskonzept zur beruhigung des autoverkehrs rüber! autofreie innenstadt mit zufahrt nur für anrainer mit garagenplatz? ja, wenn dafür die flotille an kleinen elektrobetriebenen u.nd fahrgastfreundlichen bussen mengen- und intervallmäßig angepasst wird, sodass gerne jeder auf den stress mit dem eigenen auto in stadt zu fahren, verzichtet. ausgenommen: zulieferverkehr, taxis und behindertenfahrzeuge.

Shoe Shine Pad
00
23.1.2011, 23:01
Interview ist Interview... und wurscht.

Taten sind Taten. An letzteren sollen wir die (in vielerlei Hinsicht armen) Politiker messen. Schicker war schwer zu verdauen. Aber nach wenigen Wochen Grün nur herumzujammern ist doch bloed, oder? Die Legislaturperiode dauert doch einige Jahre! Lieber ambitionierte Vorschläge machen und schauen was durchgeht! Bitte Feuer hinterm *rsch der neuen Stadträtin und Vizebürgermeisterin machen anstatt herumzumotschkern und defätistisch aufzugeben (und damit den AUSSCHLIESSLICH fußgänger- und öffi-feindlichen Alternativen zu Grün den Boden zu bereiten)!

Hinguckerl
01
24.1.2011, 09:58
shoe

genau das, was du ansprichst läuft bei den grünen derzeit schief: da wird voreilig ein unüberlegter vorschlag hinausposaunt anstatt ein von fachleuten ausgearbeitetes konzept vorzulegen. und dann wird gewartet, wie die menschen darauf reagieren. bei mir kommt das gar nicht gut an.

Hubert Ungeist
 
22
23.1.2011, 11:23
Also Zulieferverkehr bitte auch streichen..

das sind stinkige LKWs.

Die Leute sollen sich IHre WUrstsemmeln mit der U-Bahn holen. Und im 1. Bezirk, die Läden brauchen auch keine Waren, dort wohnen nur ein paar Leute. DIe brauchen diese Menge an Geschäften nicht, zieht nur Verkehr an.

Hinguckerl
00
24.1.2011, 09:59
es gibt doch auch umweltfreundliche lastwagen!

Elisabeth68
56
21.1.2011, 22:26
Politik für Reiche

Das ist Politik für Single, kein Kind, Beamte oder Freiberufler in einer Friedenszinswohnung in der Stadt. Wir Wienr brauchen das nicht! Die Gehsteige in der Mariahilferstraße sind für 358 Tage im Jahr breit genug!

legal eagle
 
11
23.1.2011, 09:09
weil familien nur mit auto einkaufen können?

un wie wäre es mit einer freiparkzone für 5-türige familienkutschen vor jedem geschäft?

seriously.

ama2deus
23
22.1.2011, 12:29

wenn die gehsteige breit genug sind, warum gibt es dann zu spitzenzeiten tagsüber nahezu kein fortkommen?

außerdem ist eine sperre der mariahilfer straße keine politik für singles, beamten oder freiberufler. auch familien können weiterhin auf der mariahilfer straße einkaufen.
es gibt eine perfekte anbindung an das öffentliche verkehrsnetz, und wenn sie wirklich ihre lebensmittelgroßeinkäufe beim merkur erledigen sollten, dann können die familien noch immer mit dem pkw über die lindengasse in das parkhaus des gerngross fahren und dort parken.

Hinguckerl
30
24.1.2011, 10:04
es gibt keine perfekte verkehrsanbindung!

die gibt es nur an genau drei punkten: am anfang (burggasse), in der mitte (neubaugasse) und am ende (westbahnhof) UND es gibt keinen durchgehenden öffentlichen busverkehr in der mariahilferstraße, ein umstand, der u.a.viele ältere menschen, die solange strecken nicht zu fuß zurücklegen können, das einkaufsvergnügen verwehrt.

ama2deus
00
28.1.2011, 12:26

die burggasse ist nördlich des MQ, die straße, die sie meinen dürfte die babenberger straße sein.

wenn man den autoverkehr aus der mariahilfer straße verbannt, dann kann man, bzw. sollte man, die SL 52 + 58 wieder bis zum ring führen. entlastet die U3 und schafft eine perfekte anbindung der einzelnen teile der straße.

eine straße, die an beiden enden eine ubahn-station hat, und dazwischen nochmals 2, und zusätzlich noch von zwei wichtigen innterstädtischen buslinien gekreuzt wird bzw. mittels einer anderen buslinie an die innenstadt angebunden ist, kann wohl als öffentlich gut erschlossen bezeichnet werden.

Michael Bakunin
32
21.1.2011, 23:24

nein sind sie nicht.
und auch viele andere gehsteige in wien sind das nicht.

el gomero
35
21.1.2011, 22:12
Ich finde es wunderschön, dass für Vassilakou die Verkerhsberuhigung für die MaHi absolute Priorität hat

Leider wohnen auf der Gumpendorfer Straße sehr viel mehr Menschen, als auf der MaHi. Die bleiben bei Vassilakous Prioritätensetzung auf der Strecke.

Wie es scheint ist ihr attraktives Shopping auf der MaHi wichtiger, als die Lebensqualität von mehreren tausend Menschen auf der Gumpendorfer Straße.

Briefmarkenkleber
35
21.1.2011, 15:53
Liebe Vasi!

Du bist eine liebe Politikerin. In der Sache hast Du gleichermaßen wenig Ahnung und Erfahrung. Ich wünsche Dir trotzdem viel Glück. Aber bitte nutze die Verlautbarungen über Dein Parteiblatt sparsam - Du stehst am Anfang einer Legislaturperiode und soltest die geringe Glaubwürdigkeit Deiner Person - in Regierungsgewalt - und Deiner Postille nicht über Gebühr abnutzen. Viel Glück noch!

ama2deus
21
22.1.2011, 12:30

der studierte raumplaner schicker hat als vorgänger von vassilakou ein stadtentwicklungsprojekt nach dem anderen in den sand gesetzt.

soviel zum thema ahnung.

el gomero
21
21.1.2011, 22:13
"dein Partiblatt" ist gut!

;-)

super cat
00
21.1.2011, 15:35

Billigere Öffis für Vielfahrer (Jahreskarten), Studierende und Kinder bewegt Autofahrer nicht dazu, flexibler zu agieren und nicht ausschließlich das Auto zu benutzen.
Verkauf dein Auto und kaufe dir eine Jahreskarte ist für die meisten Autofahrer unrealistisch. Flexibles Wechseln zwischen Auto, Öffis und Fahrrad – je nach Strecke und Tagesplanung – wäre eine realistischere Alternative, die muss halt auch attraktiv sein.

ama2deus
00
22.1.2011, 12:42

auch autofahrer können öffi-vielfahrer sein. vielfahrer heißt ja nicht, dass nur jahreskarten billiger sind. auch monatskarten kann man billiger machen.

NoPod
11
21.1.2011, 15:53

Warum müssen Autofahrer ein eigenes Auto haben? Car Sharing ist da die weitaus besser und billigere Lösung. Man zahlt nur dann wenn man das Auto braucht.

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