"Die Beschissenheit der Dinge": Milieu und Willensstärke

19. Jänner 2011, 18:02
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Felix Van Groeningens Film "Die Beschissenheit der Dinge" ist zum Glück weder ein puristisches Sozialdrama, noch eine nostalgisch-verklärte Zeitreise

Was das Leben manchmal so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es immer weitergeht. Das ist auch in jener belgischen Kleinstadt so, in der Gunther aufwächst – mit Vater und dessen Brüdern bei der Oma, "deren Herz größer war als ihre Rente". Dass Gunther heute seine damalige Lage klar erkennt, liegt daran, dass er die Provinzenge und seine Familie, die berüchtigten Strobbes, hinter sich gelassen hat und Schriftsteller geworden ist.

"Die Beschissenheit der Dinge" ist also ein Film über die Vergangenheit der 1980er, über einen für seine Trinkfestigkeit und Eskapaden bekannten Clan und die Überlebensstrategie der arbeitslosen Männertruppe. Felix Van Groeningen macht daraus zum Glück weder ein puristisches Sozialdrama, noch eine nostalgisch-verklärte Zeitreise, sondern einen humorvollen Film übers Zusammenspiel von Milieu und Willensstärke.

Traurig-schön an dieser Emanzipationsgeschichte ist, dass Gunther, am Ende selbst Vater, etwas hinter sich lässt, wovon seine Familie überzeugt war: den Glauben an sich selbst: "Je größer ich wurde, desto kleiner kam mir alles vor."

Außerdem diese Woche neu in österreichischen Kinos: der Ballettthriller "Black Swan" und die Verhaltenskomödie "Attenberg"; die US-Romcom "Woher weißt du, dass es Liebe ist?", der US-Thriller "72 Stunden" und Elisabeth Scharangs Geschichtskammerspiel "Vielleicht in einem anderen Leben"; die Doku "Bananas!" und der Kinderfilm "Vorstadtkrokodile 3". (pek / DER STANDARD, Printausgabe, 20. Jänner 2011)

  • Die berüchtigt trinkfesten Strobbes suchen die Provinz heim: "Die 
Beschissenheit der Dinge".
    foto: polyfilm

    Die berüchtigt trinkfesten Strobbes suchen die Provinz heim: "Die Beschissenheit der Dinge".

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