Nachlese

"Obama hat den Rassismus noch vergrößert"

19. Jänner 2011, 17:16
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    foto: standard/robert newald

    "Amerika hatte eine lange, gemütliche Fahrt - und jetzt sind wir sauer, weil es vorbei ist" - US-Autor und Regisseur Paul Schrader sieht sein Land am Scheideweg angekommen.

US-Regisseur Paul Schrader ist anlässlich der Premiere von "Der Cleopatra Club" im Stadttheater Walfischgasse in Wien zu Gast

Über die Lage von Nation und Kino sprach er mit Dominik Kamalzadeh.

STANDARD: "Der Cleopatra Club" erzählt von einem Filmregisseur und einem Kritiker, die sich nach längerer Zeit auf dem Filmfestival von Kairo wiedersehen. Sie haben das Stück 1995 geschrieben. Gab es einen bestimmten Auslöser?

Schrader: Ich war selbst als Jurymitglied auf dem Festival in Ägypten und wurde dort bestohlen. Ein Resultat davon war, dass ich von der Tourismus-Polizei befragt wurde, die wiederum Teil der Sicherheitspolizei ist. Man dachte, ich oder mein Übersetzer seien selbst für den Vorfall verantwortlich. Als man dann den wahren Dieb fand, fühlte sich der Polizist schuldig und lud mich zu sich nach Hause ein. Auf diese Weise lernte ich eine Menge über den ägyptischen Sicherheitsapparat.

STANDARD: Er ist auch eine Figur in dem Stück und verkörpert eine andere Sichtweise als die ein wenig naiven Amerikaner.

Schrader: Ja - und der Polizeibeamte erzählte mir damals von muslimischen Bruderschaften, von Al-Kaida, die es damals noch nicht lange gab. Als das Stück aufgeführt wurde, ging man auf diese Dinge gar nicht ein. Das Spannende an dem Stück ist ja, dass es vor 9/11 entstanden ist.

STANDARD: Wie sind Sie überhaupt auf die Paarung Regisseur/Kritiker gekommen?

Schrader: Ich habe das gemacht, was Schriftsteller immer tun: Ich habe mich zweigeteilt und mit mir selbst ein Gespräch geführt. Beide Figuren verkörpern Teile von mir.

STANDARD: In Ihren Drehbüchern und Filmen gibt es oft Charaktere, die Produkte ihrer Zeit sind, wie Travis Bickle in "Taxi Driver". Wie sehen Sie in diesem Licht das Attentat von Arizona?

Schrader: Amerikanische Attentäter sind auf ihre Weise einzigartig. Das liegt an der Beschaffenheit des Landes. Wir sind ein relativ junges Land, wir hatten nie fremde Truppen auf unserem Boden, wir haben keine nationalen Katastrophen erfahren müssen. Es gibt diese jugendliche Arroganz, diese Selbstüberschätzung, die sich im Psychopathen so weit steigert, dass er sich berufen fühlt, jemandem für alles die Schuld geben zu müssen.

STANDARD: Die Agenda der Tea-Party erscheint in solchen Zusammenhängen auch nicht sehr neu. Warum ist sie populär?

Schrader: Die Tea-Party nährt sich vom Eindruck einer Depression. Sie forciert die Idee, "unser" Jahrhundert sei vorbei. Amerika hatte eine lange, gemütliche Fahrt. Europa hat sich zwei Mal zerstört. Wir hatten Rohmaterial, diese Energie, all diesen Raum. Dann wurden wir faul, machten keine Produkte mehr, die jeder kaufen wollte, und borgten uns fremdes Geld, um für alles zu bezahlen. Dann erwischte man uns dabei. Und jetzt sind wir sauer. Da muss doch jemand daran schuld sein: Die Regierung, wer denn sonst! Und die anderen Sündenböcke sind Immigranten, also jene, die die meiste Arbeit machen.

STANDARD: Warum gelingt es nicht, diese Gräben zu schließen? Obama stand doch für einen Neuanfang.

Schrader: Es war ein Irrtum zu glauben, dass Obama zu einem neuen Miteinander der Rassen führen wird. Es ging in die andere Richtung: Obama hat den Rassismus noch vergrößert. Der Umstand, dass ein Schwarzer das Land führt, hat diese versteckten Widerwärtigkeiten noch stärker hervorgebracht. Man geht so weit zu sagen, er sei in diesem Land nicht geboren worden. In Wahrheit sind sie doch nur wütend darüber, dass er schwarz ist!

STANDARD: Für das Kino haben Sie auch keine guten Prognosen: Sie haben es als eine Kunstform des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die an ihr Ende kommt. Haben Sie keine großen Hoffnungen in die digitale Ära?

Schrader: Es kommt darauf, wovon man spricht. Wenn man Filme als Projektion von Bildern in einem dunklen Raum versteht, dann denke ich, dass es diese Idee nicht mehr lange geben wird. Das ändert sich gerade - ich bin nicht froh darüber, man kann es aber nicht wegleugnen.

STANDARD: Welchen Weg wird Film unter diesen neuen technischen Bedingungen einschlagen?

Schrader: In den USA gibt es momentan nicht viel zu sehen. Das System der Independent-Filme ist zusammengebrochen - die Anzahl der Produktionen ist in den letzten Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Diese Lücke füllt nun ein neues, nicht-kommerzielles Kino auf, Filme, die nicht mehr als 25.000 Dollar kosten und die sich nicht um Marktgesetze kümmern. Das einzige Paradigma, das das Filmemachen bestimmte, war das kapitalistische, und das spielt nun keine Rolle mehr. Nun geht es eher um persönlichen Ausdruck.

STANDARD: Weshalb reagiert Hollywood darauf nicht?

Schrader: Man ist auf die alten Medien fixiert, weil nur diese Geld bringen. Der DVD-Markt hilft da auch wenig - das ist ein "dead man walking". Wie man im Internet mit Filmen Geld machen kann, das hat bisher noch niemand herausgefunden. Jeder probiert's, aber es könnte so enden wie im Musikgeschäft, wo der Wechsel ins Digitale mit 60-prozentigen Einnahmen-einbußen vonstatten ging. Die Musik hat das überlebt, weil sie nicht so viel kostet. Aber was passiert mit Filmen, die 150 Millionen Dollar kosten?

STANDARD: Wie betrachten Sie die Tendenz, dass es immer mehr Qualitätsserien im Fernsehen gibt?

Schrader: Das ist der Ort, an den sich Film als Drama zurückgezogen hat. Die Studios machen das nicht mehr, Universal hat das sogar offiziell verlautbart. Wenn man seriöse Geschichten mit starken Figuren schreiben will, dann wird man im Fernsehen landen.

STANDARD: Hätten Sie darauf Lust?

Schrader: Ich hätte nichts dagegen. Doch das Problem am Fernsehen ist, wenn man damit anfängt, ist es mit allem anderen vorbei. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Jänner 2011)

Paul Schrader (64) arbeitete zunächst als Filmkritiker. Er schrieb das Drehbuch von "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" (Co-Autor). Als Regisseur hat er Filme wie "Blue Collar", "American Gigolo" oder "Affliction" realisiert.

Am Donnerstag zeigt das Filmmuseum Paul Schraders "Mishima" (mit Diskussion).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
1 2
Dr.mumunator
20
25.1.2011, 00:01
Immigranten leisten die meiste Arbeit?

Entweder ist die USA wirklich anders oder er versteht das Rennen und Fordern von diversen staatlichen Unterstützungen auch als Arbeit, denn das ist deren Haupttätigkeit hier.

Romeo und Julia
00
20.1.2011, 17:28
Ein klarer Fall zum "Auspfeifen"

in der Walfischgasse oder davor.

vito don´s schwester
00
20.1.2011, 18:32
kindsköpfe

kinder von pisa, wie?

Romeo und Julia
00
20.1.2011, 17:27
Ein Klarer Fall zum "Auspfeifen"

roterbruder1
04
20.1.2011, 16:35
depperte überschrift

richte wäre: "die wahl obamas hat den rassismus noch vergrößert"

zinn glaeckl
02
20.1.2011, 16:50
das Attribut dpprt

gebührt nicht der Überschrift sondern dem Verfasser

onlooker
11
20.1.2011, 16:01
die usa hatte niemals fremde truppen aud ihrem gebiet?

wie es denn in 1812 als kanadische truppen das weisse haus niederbrannten? die amis vergessen gerne oder lernen es gar nicht, dafür wurde das ehemlige fort york in toronto von den amis niedergebrannt

divis
 
00
20.1.2011, 16:16
Das war...

...1814. Der Angriff der Amerikaner auf Fort York war im Jahr davor, das Niederbrennen der öffentlichen Gebäude Washingtons die britische Vergeltungsaktion dafür .

onlooker
00
20.1.2011, 20:39
danke

Lord Jim
00
20.1.2011, 15:47

bitte wieder ein drehbuch für scorsese schreiben, um ihm aus seinem inhaltlichen tief zu helfen

Rumo von Zamonien
04
20.1.2011, 15:28

In schlechtester Absicht aus dem Zusammenhang gerissen Überschrift.

Dickes Minus.

Felicitas Seligmann
14
20.1.2011, 14:04
Lausige Geräusche á la MTV od. Viva.

Schrader: "Die Musik hat das überlebt, weil sie nicht so viel kostet."
Die Musik hat das deshalb überlebt, weil sie 1. eine rotierende Leiche ist und 2. für diesen Kadaver ohnehin niemand mehr zahlen will. Aber vielleicht überlegt sich das der Schrader noch.

FraF
00
20.1.2011, 16:16

Das größte Problem für Hörer (egal, welchen Geschmack man haben mag): Es gibt soviel interessante Musik, dass man förmlich darin ertrinkt. Wir leben in einer wunderbaren Zeit! Und das letzte Wort betreffs "Monetarisierung" von Büchern/Musik/Filmen etc ist ja nun keineswegs gesprochen. Ganz im Gegenteil, da werden sich noch viele Möglichkeiten auftun.

Igor Gassner
33
20.1.2011, 13:40
Im jahr 2050 Laut National Geographic

wird der Anteil der weißen von Europa abstammenden Bevölkerung auf 25 % der Gesamtbevölkerung gefallen sein. Kein wunder, dass sich die ein wenig bedrängt fühlen. da der Protestantisch europäische Geist der Motor der USA ist mus man mit einem Kulturbruch rechnen also so wie gehabt wirds nicht weiter gehen. Ein Bruch mit dem Arbeits und Schaffensgeist der USA kann schnell dazu führen dass die USA zwar dann ein multikultureller Staat ist aber eine unbedeutende verarmte Nation. Dann haben zwar die Zuwanderer gesiegtr aber was sie haben ist ein unbedeutendes versautes Armenhaus.

christoph hofbaur
00
20.1.2011, 21:26

da unterschaetezen sie die staerken der usa. vor 200 jahren ja, da war die europaeisch-protestantische fraktion der 'motor' der usa. heutzutage sind die usa in diesem bereich gluecklicherweise fortschrittlicher als europa und es haben leute, die nicht alt, weiss und maennlich sind wichtige positionen inne. bei der letzten praesidenten wahl fielen sogar beide kandidaten der demokraten nicht mehr in diese traditionelle, heute veraltete, kategorie..

onlooker
10
20.1.2011, 16:04
haben sie schon mitbekommen,

wie stark der einfluss der asiatischen einfluss in der hitech industrie ist? rassismus wird sich nicht durchsetzen, sie sollten etwas dazulernen, sonst stirbt ihre rasse noch aus,

Igor Gassner
00
20.1.2011, 17:28
das was sie antworten ist rassistisch geprägt

hätten sie gesagt der Chinesen oder der Japaner wäre das etwas anders so aber ist es eine Vereinfachung die in sich rassistisch ist.

onlooker
00
20.1.2011, 20:36
ich glaube, sie kennen die zusammensetzung

der NA bevölkerung nicht, wer unterscheidet zwischen, japanern oder chinesen, diese gruppen leben seit über 150 jahren in NA, wo wollen sie denn da unterscheiden? oder können sie sofort sagen, der ist ein japaner und der andere ein chinese? lächerlich, ein grossteil ist schon seit generationen assymiliert, und viele sind in den hightech industrien tätig

onlooker
00
20.1.2011, 16:10
sollte heissen,der einfluss der asiatischen bevölkerung

der zweite einfluss, wird durch bevölkerung ersetzt

Tethys
00
20.1.2011, 15:46

Paranoia ist heilbar!

Mais oui, les enfants ... jouez ... jouez ...
 
11
20.1.2011, 13:29
Wenn wir mit verbundenen Augen durchs Leben gehen ...

... dann sehen wir weder das Licht, noch die Finsternis!

Wenn nun jemand kommt, der uns die Augenbinde entfernt ... dann erst sehen wir klar!

Das Licht und die Finsternis waren immer da ...

Tan Man
01
20.1.2011, 13:09
Hoppala...

Ich schliesse mich der Meinung von Helga Remsgard Remsgard herzlich an, und füge hinzu:
Ist derstandard-online die neue Krone?

trollvottel
17
20.1.2011, 12:11

Die Überschrift ist ausgesprochen patschert formuliert: Obama "vergrößert" (verstärkt?) nicht den Rassismus, sondern er macht ihn offen sichtbar, auch und vor allem weil Reps und Teaparty recht gezielt rassistisch agitieren.

Timagoras
 
06
20.1.2011, 12:46
"Die Überschrift ist ausgesprochen patschert formuliert"

genau das habe ich mir auch gedacht (wobei ich statt "patschert" eher "blöd" geschrieben hätte).

nicht Obama vergrößert den rassismus, sondern rassisten vergrößern den rassismus.

Man in black1
00
21.1.2011, 13:46

Die Überschrift ist nicht "patschert" formuliert, sondern
ganz einfach aus dem Zusammenhang gerissen worden !
Wenn sie den ganzen Absatz lesen, kommen sie vielleicht drauf, daß Schrader nicht Unrecht hat.Er meint doch nur, daß Obama als Präsident den Haß und die Wut der Rechten auf sich und auf alle "Schwarzen"
gezogen und verstärkt hat. Das dürfte schon stimmen !
Mir ist es äußerst sympathisch, daß endlich ein "Afro-Amerikaner" Präsident der USA ist, ich denke aber, Obama hat sich auch aus anderen Gründen Feinde geschaffen, nämlich indem er seine Rolle als heilbringender Messias natürlich nicht erfüllen konnte. Der Hype um ihn bei der Wahl war mir nicht ganz geheuer-ein Sympathiesturz mußte einfach folgen. Aus Liebe wird ja oft Haß !

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