Gut gemeint

Blog19. Jänner 2011, 14:44
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Das ORF-Bürgerforum könnte ein guter Rahmen für konstruktive "Integrationsdebatten“ sein. Gestern liefert die Sendung allerdings wenig Neues

Fünf SpitzenpolitikerInnen, 300 Bürger, einige Kurzfilme, jede Menge Statistiken und eine Live-Schaltung. Das waren die Zutaten für die gestrige Ausgabe des ORF-Bürgerforums. Am Ende haben wir leider wenig Neues erfahren.

Ein TV-Format in dem auch Bürger, also Betroffene, zum Thema Zusammenleben und "Integration" ihre Meinung sagen können, ist grundsätzlich begrüßenswert und bringt frischen Wind in die endlose Reihe von PolitikerInnen- und ExpertInnen-Runden, die alle über, aber so selten mit den viel kritisierten "Integrationsunswilligen" debattieren. Gestern waren die Wortmeldungen von Heinz-Christian Strache, Josef Cap, Maria Fekter, Peter Westenthaler und Alev Korun auf knapp eine Minute begrenzt, was die diskussionserprobten PoltikerInnen allerdings nicht davon abhielt die üblichen Stichworte wie "Stopp der Massenzuwanderung" oder "Parallelgesellschaft" unterzubringen oder den Nationalen Aktionsplan für Integration erneut lobend zu erwähnen. Grundsätzlich hat sich aber die exakte Portionierung der Redezeit bewährt, denn so blieb auch ein wenig Zeit für die Wortmeldungen der eingeladenen BürgerInnen.

Der Titel der Sendung "Die Türken – ewige Außenseiter?" hat die Fronten bereits im Vorhinein festgelegt: Eine ganze, mitnichten homogene MigratInnengruppe hatte sich den Vorurteilen und den Anfeindungen der Mehrheitsgesellschaft zu stellen. Empörte Bürgerinitiativen und Gemeindebau-BewohnerInnen kamen zu Wort und erklärten wieso ein Zusammenleben nicht möglich ist, kopftuchtagende Frauen erklärten ihre Einstellung zur Religion und beklagten die Diskriminierung aufgrund ungerechtfertigter Vorverurteilungen, Jugendliche der zweiten und dritten Generation redeten von Zerrissenheit und Hürden. Viele wichtige Themen wurden angeschnitten und auch Beispiele des gelungenen und friedlichen Zusammenlebens wurden gebracht.

Sachliche Analysen und differenzierende Meinungsäußerungen waren allerdings Mangelware. Dass viele aufgezeigte Probleme, wie zum Beispiel die Konflikte im Gemeindebau, mitnichten ethnischer sondern vielmehr soziale Natur sind, wurde unter den Tisch gekehrt. Stattdessen wurden die üblichen Feindbilder ("Die Türken sind laut und machen die Nacht zum Tag") reproduziert. Eine richtige, lösungsorientierte Diskussion kam leider nicht zustande. Zu viele unterschiedliche Sendungselemente verhinderten einen konstruktiven Ablauf und machten das Forum eher zu einem Fleckerlteppich undifferenzierter Äußerungen.

Münire Inam und Peter Resetarits hatten zumindest die DiskutantInnen gut im Griff. Zu Hilfe kam ihnen auch der Countdown, der überlange parteipolitische Worthülsen verhinderte. Weil jenen Menschen, gegen die die Rechten so gerne hetzen, direkt gegenüber saßen, fielen die Anfeindungen auch weniger aggressiv aus. Die PolitikerInnen aus einem "Bürgerforum" überhaupt auszuschließen, wäre aber trotzdem wünschenswert. (Olivera Stajić, 19. Jänner 2011)

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