"Klassische Alarmanlage hat ausgedient"

19. Jänner 2011, 13:16
1 Posting

Michael Zoratti vom Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs im Interview

Die Überwachungssysteme werden immer komplexer, sagt Michael Zoratti vom Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs zu Wojciech Czaja. Doch der Mensch ist und bleibt unverzichtbar.

STANDARD: Welche Formen der Gebäudesicherung kommen bei Gewerbeimmobilien zum Einsatz?

Zoratti: Man muss zwischen den einzelnen Immobilienformen unterscheiden, denn die Bandbreite ist sehr groß. Zur unverzichtbaren elektronischen Sicherung zählen aber Videoüberwachung, elektronische Zutrittssysteme, Brandmeldeanlagen und Anbindung an eine Notrufzentrale. Die klassische Alarmanlage mit Geheul hat jedenfalls ausgedient.

STANDARD: Was sind die innovativsten Überwachungssysteme?

Zoratti: Die neuesten Errungenschaften der letzten Jahre betreffen die Videoüberwachung. Ähnlich wie das heute schon auf Flughäfen und Bahnhöfen praktiziert wird, nimmt die Zahl der intelligenten Software in der Überwachung deutlich zu. Das heißt: Eine Kamera erfasst die Situation, ein spezielles Programm kann jede Abweichung vom Normbild erkennen – also etwa Anzahl von Menschen, Laufrichtung und Geschwindigkeit sowie zum Beispiel unbeaufsichtigte Gegenstände.

STANDARD: Können diese elektronischen Systeme den Menschen ersetzen?

Zoratti: Keineswegs! Am Ende einer jeden Sicherheitskette steht der Mensch. Das kann eine ausgelagerte zertifizierte Notrufzentrale oder ein externer Security-Dienstleister sein, wie das in den meisten Gewerbegebieten und Einkaufszentren der Fall ist. Das ist vor allem eine Frage der Haftung und Versicherung. Oder aber man lässt die Immobilie intern überwachen.

STANDARD: Beispiele dafür?

Zoratti: Siemens und Bank Austria haben etwa ihre eigenen Notrufzentralen. Diese Form der Überwachung ist vor allem bei sehr großen Unternehmen und Standorten zu finden.

STANDARD: Trends für die Zukunft?

Zoratti: Ja, Haustechnik und Sicherheitssysteme wachsen immer mehr zusammen. Die gesamte Gebäudetechnik wird dabei in einem sogenannten Sicherheitsmanagement-System (SMS) zusammengefasst. Durch derartige intelligente Lösungen kann ein Teil des Personals eingespart werden. Dieser Trend wird in Zukunft Raum greifen, denn der Mensch ist immer noch das Wesentlichste, aber auch das Teuerste. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.1.2011)

MICHAEL ZORATTI (54) ist Geschäftsführer der Secureline GmbH und Vorsitzender der Fachgruppe Organisation und Dienstleistung beim Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ).

  • Michael Zoratti:  "Haustechnik und Sicherheitssysteme wachsen immer mehr zusammen."
    foto: secureline

    Michael Zoratti: "Haustechnik und Sicherheitssysteme wachsen immer mehr zusammen."

Share if you care.