Wenn der elektronische Wachhund bellt

19. Jänner 2011, 13:09
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Die Aufklärungsrate von Einbruchsdiebstählen ist in den meisten Gewerbegebieten ziemlich hoch. Das liegt vor allem an der umfangreichen Security. Der Trend geht hin zu individuellen Überwachungskonzepten

Im Jahr 2009 meldete die polizeiliche Kriminalstatistik österreichweit rund 21.000 Einbrüche in Gewerbe-Immobilien, also in Büros, Hotels, Restaurantbetriebe, Tankstellen und Kioske sowie in Fabriken, Werkstätten und Lagerhallen. Die Aufklärungsrate liegt mit 18 Prozent fast dreimal höher als etwa bei Wohnimmobilien. Der hohe Anteil liegt nicht zuletzt an den optimierten Überwachungssystemen.

Unterschieden wird generell in elektronische Überwachung und in Dienstleistung. Die elektronischen Systeme umfassen Alarmanlagen, Videoüberwachung, Bewegungssensoren, Einbruchmelder an Fenster und Türen sowie Brandmelder und Sprinkleranlagen. In den meisten Fällen sind die Sensoren an eine Notrufzentrale angeschlossen.

"Videoüberwachung, Einbruchmeldetechnik und Brandmelder sind mittlerweile Standard", sagt Stephan Beier vom deutschen Sicherheitsausstatter AAS Automatic-Alarm-Systeme GmbH. Je nach Gewerbeobjekt und Anforderung variieren die Überwachungssysteme im Detail. "Die Unterschiede liegen nicht so sehr in den technischen und elektronischen Komponenten als vielmehr in der Kombination der einzelnen Systeme. Heutzutage ist es üblich, dass wir für jede Gewerbebranche ein eigenes Konzept anbieten."

Dreidimensional im Blick

Der Trend geht laut Beier eindeutig in Richtung Gebäudevisualisierung. Das Gebäude wird dabei dreidimensional erfasst, jede Störung und jede Abweichung von der Norm wird live auf einem Display angezeigt. Meist besteht die Alarmzentrale aus einem Wand-Tableau mit Monitor.

Auch bei den Zutrittssystemen gibt es Neuerungen. Kartenlesesysteme und elektromagnetische Schlösser werden in vielen Gewerbe-Neubauten von Anfang an eingeplant. Bei besonders hoher Sicherheit greifen viele Kunden auch zum Fingerscan. Seltener nachgefragt wird die Gesichts- und Iriserkennung, was vor allem an der langwierigen Datenerfassung liegt. Erkennung und Freigabe dauern oft bis zu einer halben Minute. Damit ist das System für viele Betriebe untauglich.

Weniger umfangreich ist die Ausstattung meist in den Gewerbeparks. Der Großteil der Betreiber, der anonym bleiben will, setzt auf Videoüberwachung und personellen Einsatz in den Abend- und Nachtstunden. Meist wird dieser extern an einen Security-Dienstleister ausgelagert.

Videokamera und Security

"Wir überwachen unsere Objekte elektronisch, darüber hinaus nehmen wir auch Dienstleistungsschutz in Anspruch", erklärt Josef Heißenberger, Geschäftsführer im Walter Business-Park im Industriezentrum NÖ Süd in Wr. Neudorf. "Unser Park wird sogar mit Hundeführern abgegangen."

Eine Basisüberwachung gibt es auch bei der Prisma-Unternehmensgruppe sowie im Vorarlberger Wirtschaftspark (VWP) in Götzis. "Das gesamte Areal ist alarmgesichert und wird zusätzlich bewacht", sagt VWP-Chef Marcus Thiele. "Die Abrechnung dafür erfolgt über die Betriebskosten. Die Extrawünsche der einzelnen Mieter müssen dann individuell abgedeckt werden."

Bernhard Ölz, Geschäftsführer bei Prisma, weiß aus Erfahrung, dass die Mieter ein eigenständiges und entkoppeltes Überwachungskonzept sogar bevorzugen: "Jeder Mieter will seine ganz individuellen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Das geht bis hin zu exotischen Einzellösungen mit Sonderausstattung und Terrorschutz."

Im IZ NÖ Süd hat man mit dem Videoüberwachungssystem sogar Erfolge erzielt: "Seitdem wir Ende 2007 um rund 150.000 eine Anlage mit 16 Kamerastandorten installiert haben, sind die Einbrüche bei uns deutlich zurückgegangen", meint Helmut Miernicki, Geschäftsführer der NÖ-Wirtschaftsagentur ecoplus. "Davor hatten wir regelmäßig zwischen 50 und 60 inkriminierte Handlungen pro Jahr, dank der Videoüberwachung sind es jährlich nie mehr als sieben Einbrüche. Diese Investition hat sich mehr als gelohnt." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.1.2011)

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"Klassische Alarmanlage hat ausgedient" - Michael Zoratti vom Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs im STANDARD-Interview


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    Überwachungskameras sind in Gewerbeparks mittlerweile Standard.

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