XXXLutz soll gegen Arbeitsrecht verstoßen

19. Jänner 2011, 12:38
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Nach Deutschland bekommt der Möbelriese auch Probleme mit der heimischen Gewerkschaft, Mitar­beiter erheben schwere Vorwürfe

Wien - Österreichs größter Möbelriese, die Welser Einrichtungskette XXXLutz, hat nach Deutschland nun auch in Österreich Probleme mit der Gewerkschaft. Kürzlich ausgeschiedene Mitarbeiterinnen des weltweit zweitgrößten Möbelhändlers, die freiwillig von Lutz abgefunden worden sind, berichten in den "Salzburger Nachrichten" (SN) über arbeitsrechtliche Verstöße und Einschüchterungen. Lutz, der mit rund 9.000 Mitarbeitern in Österreich keinen Betriebsrat hat, weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Proyer, kündigt ein Gespräch mit der Geschäftsführung an.

Laut SN, die sich auf die Angaben von zwei früheren Mitarbeiterinnen berufen, würden Überstunden oder Mehrstunden nicht oder nur teilweise abgegolten. Schulungen und Messen müssten außerhalb der Dienstzeit und unbezahlt besucht werden, Kilometergeld würde als Lohnerhöhung deklariert - ohne geleistete Kilometer -, Arbeitszeitkonten würden manipuliert, Dienstnehmer an anderen Tagen angemeldet als sie arbeiteten, zu viele "lange Samstage" müssten geleistet werden, so weitere Vorwürfe.

Derzeit liegen der Salzburger Gewerkschaft (GPA-djp) aktuell vier Beschwerdefälle von Mitarbeiterinnen des Standorts in Eugendorf vor, so die SN. Zwei dieser Fälle wurden innerhalb weniger Wochen ohne Arbeitsgericht mit freiwilligen Zahlungen von mehreren Monatsgehältern abgeschlossen.

Lutz-Unternehmenssprecher Thomas Saliger weist im SN-Gespräch alle Vorwürfe vehement zurück und erklärt die freiwilligen Zahlungen im Zuge der einvernehmlichen Trennungen mit der Firmenphilosophie, "nie gegen jemanden agieren zu wollen". Rechtlich sei "alles sehr, sehr sauber".

Auf den Vorwurf einer Mitarbeiterin, man habe an Messen, die an Sonntagen stattfanden, teilnehmen müssen, ohne Zeitausgleich oder Bezahlung, meinte Lutz-Sprecher Saliger, dass es im Unternehmen eine Ehre sei, an Messen teilzunehmen. Dann steht man "im Fokus für höhere Weihen".

"Bedauerliche Einzelfälle"

Lutz spricht laut SN von bedauerlichen Einzelfällen in Eugendorf, bei denen man sich rechtlich nichts vorzuwerfen habe. Gegenüber der APA gibt es bis jetzt keine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Auch die GPA-djp Salzburg wollte nichts dazu sagen und verwies auf die Bundesgeschäftsführung in Wien. Der stellvertretende Bundesgeschäftsführer Karl Proyer kündigte an, dass man mit der Lutz-Geschäftsführung sprechen werde. In Wien gebe es keine Beschwerden, derzeit sei nur der Standort Eugendorf betroffen, so Proyer. Die Gesprächsbasis mit der Geschäftsführung des Möbelriesen sei gut. Dass es bei Lutz in Österreich keinen Betriebsrat gebe, sei aber bedauerlich. Die Installation eines Betriebsrates sei aber nur möglich, wenn sich Mitarbeiter der Wahl stellen.

Der Welser Möbelriese war erst im vergangenen Dezember in die Schlagzeilen deutscher Medien gekommen: Das Unternehmen soll unliebsamen Betriebsräten hohe Abfindungen angeboten haben, um sie loszuwerden, berichtete "Der Spiegel" online damals. Einem früheren Hiendl-Betriebsrat sollen im Jahr 2008 von seinem damaligen Chef nach einem Eklat auf einer Betriebsversammlung 60.000 Euro geboten worden sein, wenn er das Unternehmen sofort verlässt. Das Familienunternehmen Hiendl gehörte damals bereits zur XXXLutz-Gruppe. Das Möbelhaus bezeichnete diese Vorwürfe als "größtenteils haltlos".

Mit 102 Filialen und einem Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro ist die XXXLutz-Gruppe in Österreich Marktführer vor Kika/Leiner und Ikea. Weltweit rangiert das Familienunternehmen mit Erlösen in Höhe von 2,8 Mrd. Euro hinter dem schwedischen Möbelriesen Ikea auf Platz 2. (APA)

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    Beschwerden gibt es derzeit nur am Standort Eugendorf.

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