Nintendo 3DS bringt 3D ohne Brille für die Massen

19. Jänner 2011, 16:18
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Start am 25. März, Preis liegt bei 249 US-Dollar - Bis Juni insgesamt 25 3D-Spiele verfügbar - Neue Features vorgestellt

Der japanische Unterhaltungselektronikkonzern Nintendo hat am Mittwoch den Marktstart der portablen Spielkonsole "Nintendo 3DS" bekanntgegeben. Die Konsole wird ab dem 25. März im Handel erhältlich sein und kann Games und andere Inhalte mit Hilfe eines autostereoskopischen Displays ohne Anwendung einer Spezialbrille dreidimensional darstellen. Der US-Preis beträgt 249 Dollar, der Euro-Preis sei abhängig von den lokalen Händlern. Innerhalb der ersten Monate nach Verkaufsstart sollen bis Juni 25 Titel verfügbar sein, darunter neue Schöpfungen und Remakes von Klassikern. Zum Auftakt des 3DS will Nintendo weltweit rund fünf Millionen Geräte ausliefern.

Technische Features: 3D ohne Brille

Der 3DS ist 2 Zentimeter dick, 13,5 Zentimeter breit und wiegt knapp 230 Gramm, wird in schwarz und blau ausgeliefert und orientiert sich äußerlich stark an der Vorgängerkonsole DS. In der Oberseite des aufklappbaren Handhelds wurde der 3,5 Zoll große 3D-Screen eingefasst (10 Prozent größer als der DS-Bildschirm), der mit 800 x 240 Bildpunkten auslöst (400 Pixel pro Auge bei 3D). Die Stärke des 3D-Effekts kann mit einem Regler an der Seite des Displays justiert werden. In der unteren Hälfte zwischen den Bedienelementen befindet sich ein 3 Zoll kleiner Touchscreen, der 320 x 240 Pixel darstellt. An der Rückseite befindet sich eine stereoskopische 3D-Kamera (640 x 480 Pixel), die Fotos in 3D schießen kann. An der Innenseite wurde eine gewöhnliche VGA-Kamera (640 x 480) platziert.

Abwärtskompatibel

Der 3DS wurde mit einem stärkeren (Zweikern-)Prozessor als seine Vorgänger ausgestattet, und erreicht damit in etwa die grafische Qualität von besseren iPhone-Spielen mit 3D-Grafik. Die kabellose Anbindung erfolgt über WiFi. Die Konsole verfügt über Speicherkartenslots für neue 3DS-Spiele, die zu Beginn auf 2 GB großen Karten ausgeliefert werden. Der selbe Slot liest auch ältere Nintendo DS-Spiele. Die Konsole wird mit einer 2 GB großen SD-Karte für Fotos und Downloads ausgeliefert. Weiters verfügt die Konsole über Stereolautsprecher und einen Kopfhörerausgang. Die Stromversorgung erfolgt über einen Lithium Ionen-Akku, die Laufzeit soll je nach Helligkeitseinstellung 3 bis 5 Stunden betragen.

Netzwerk-Features

Über "Spot Pass" gibt es automatische Aktualisierung, Benachrichtigungen, 3D-Videos (etwa von Eurosport, Sky 3D in UK und mehr in der Zukunft) über lokale und zentrale Partner-WLAN-Hot-Spots - etwa Telekom Deutschland. Mit "Street Pass" können 3DS-Konsolen automatisch untereinander kommunizieren, sobald zwei Systeme sich in Reichweite befinden. Mii-Charaktere tauschen Basisinformationen wie Lokalität und zuletzt gespielte Games aus. Spielen im Netzwerk wurde vereinfacht, befreundete Anwender werden ohne manuelle Suche angezeigt.

Steuerung

Zur Steuerung von Spielen hat Nintendo ein so genanntes "Circle Pad" links vom Touchscreen eingebettet. Die Funktionalität ähnelt der des PlayStation Portable-Analog-Knopfes. Das Schiebepad ist jedoch größer, hat eine ergonomische Einkerbung und erlaubt einen weiteren Bewegungsspielraum. Unterhalb des Circle Pads wurde das herkömmliche digitale Steuerkreuz platziert. Auf der rechten Seite befinden sich die vier Funktionstasten. Der Touchsreen lässt sich wie beim DS per Stylus bedienen. Wie etwa das iPhone 4 verfügt Nintendos neuester Schützling sowohl über einen Beschleunigungssensor als auch einen Lagesensor. Damit sollen bewegungssensitive Spielerlebnisse umgesetzt werden.

Spiele und Filme

Der 3DS ist abwärtskompatibel und kann damit auch sämtliche DS-Spiele in 3D-Darstellen. Für die Zukunft hat Nintendo allerdings eine Reihe von neuen Spielen von internen Studios und Drittherstellern angekündigt, die speziell mit Hinblick auf die Möglichkeiten von 3D umgesetzt werden. Darunter befinden sich etwa die Titel "Metal Gear Solid: Snake Eater 3D", "Star Fox 64 3D", "Assassin's Creed: Lost Legacy" oder "Paper Mario".

Im Rahmen des Europa-Events stellte Capcom "Super Street Fighter 4 3D Edition" vor, das über freischaltbare Kämpfer-Figuren etwa das Street Pass-System für automatische Kämpfe zwischen 3DS-Besitzern unterstützt. Daneben wird es wie gewohnt "echte" lokal und online arrangierte Matches geben, die über den Zuschauermodus von anderen Spielern verfolgt werden können.

Ubisoft startet mit acht Spielen in der Launchphase, darunter "Rayman 3D" und "Driver Renegade". Konami wartet mit einer 3DS-Version des Fußballspiels "Pro Evolution Soccer" auf. Tecmo feiert das Comeback von "Dead or Alive".

Nintendo selbst bringt zum Start das Flugspiel "Pilot Wings Resort", den Haustiersimulator "Nintendogs + cats", sowie die Action-Adventure "Kid Icarus: Uprising" und "Zelda: Ocarina of Time" heraus. Auf der Konsole werden einige kleinere Spiele und Apps vorinstalliert mitgeliefert. Darunter ein Internetbrowser, ein e-Shop für Gameboy-Klassiker und andere Spiele und Kamera-Anwendungen.

Region-Lock und Filme

Im Zuge der Pressekonferenz bestätigte Nintendo, dass die Konsole "region locked" ausgeliefert wird. Damit können Europäer etwa keine in den USA oder Japan erworbene Games auf in Europa gekauften 3DS-Geräten spielen.

Neben Games sollen 3D-Filme ihren Weg auf die Konsole finden. Unter anderen liefern die Studios Disney und Dreamworks ihre 3D-Werke für die Konsole. Aardman, der Herausgeber von "Wallace & Gromit" steuert exklusive Kurzfilme (Einminüter) zu "Shaun the Sheep" bei.

Der 3D-Effekt mit kleinem Haken

Wie beschrieben, ermöglicht der 3DS die Wahrnehmung dreidimensionaler Bilder ohne Spezialbrille. Dies wird durch ein stereoskopisches 3D-Display realisiert, das für jedes Auge ein leicht unterschiedliches Bild aussendet. Damit wirkt es tatsächlich so, als würde das Bild aus dem Bildschirm hervortreten.

Einen Haken hat die Technologie allerdings schon: Das stereoskopische 3D-Display lässt nur einen sehr geringen Betrachtungswinkel zu, in dem der 3D-Effekt einsetzt. Neigt man seinen Kopf etwas zu weit links oder rechts, wird das Bild verschwommen oder der 3D-Effekt setzt überhaupt komplett aus. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich diese 3D-Technologie noch längere Zeit nicht für Fernseher und größere Bildschirme eignen wird.

Ausblick

Der erstmals vergangenen Sommer zur Electronic Entertainment Expo 2010 vorgestellte "Nintendo 3DS" könnte zusammen mit der für Ende des Jahres erwartenden "PlayStation Portable 2" nach Ansicht einiger Branchenbeobachter zur letzten Generation reiner Handheld-Spielkonsolen gehören. Dabei wird auf die zunehmende Bedeutung von Smartphones am hart umkämpften Mobile-Gaming-Markt verwiesen. In den vergangenen Jahren konnten sich iPhone und Co. vor allem bei jungen und älteren Erwachsenen auch dank günstiger Download-Games zunehmend als Konsolen-Ersatz etablieren. Gerade die mit "Sudoku" und "Gehirn-Jogging" geköderte ältere Zielgruppe dürfte Nintendo mit dem jüngsten Gameboy-Nachfolger nur noch schwer erreichen können - der Platz in Hosen- und Handtaschen wird eng.

Die jüngere Kundschaft sollte dank ordentlichem Spieleaufgebot, bequemer Steuerung und dem USP "3D ohne Brille" aber zumindest gehalten werden können. Als technische Kuriosität scheint dem 3DS der Erfolg sicher zu sein, was wohl auch Kunden außerhalb der Kernspielerschaft reizen wird. (Zsolt Wilhelm aus Amsterdam, derStandard.at, 19.1.2011)

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    Nintendo 3DS wird in Europa ab Ende März für 249 US-Dollar verfügbar sein.

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    Neben 3D-Games stellt der autostereoskopische Bildschirm auch Filme und Bilder der Kamera dreidimensional dar.

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