Ex-IAEO-Chef ElBaradei

"Österreichs Atompolitik ist opportunistisch"

19. Jänner 2011, 09:33
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    foto: apa-foto: roland schlager

"Wenn drei Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen, kann man sich nicht den Luxus leisten, auf eine Energieform zu verzichten."

Wien - Diplomatischer kann man es wohl nicht formulieren. "Etwas opportunistisch" sei die österreichische Atompolitik, sagte der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA), Mohamed ElBaradei, in einem APA-Interview in Wien. Und er meinte damit nicht, dass sich der Anti-Atom-Staat gerne mit dem Ansehen der in Wien ansässigen UNO-Atombehörde schmückt. Sondern eher, dass auch aus österreichischen Steckdosen Atomstrom fließt. "Man kann nicht sagen, dass man diese Art der Energie hasst und sie gleichzeitig nutzen."

Angesichts von Atomkraftwerken in allen österreichischen Nachbarstaaten ("Mit Ausnahme von Liechtenstein") tut sich ElBaradei schwer, der österreichischen Atompolitik etwas abzugewinnen. "Welchen Unterschied macht es, den Reaktor hier zu haben oder 50 Kilometer entfernt jenseits der Grenze? Wenn es - Gott behüte - einen Unfall geben sollte, wären die Auswirkungen die gleichen", sagte der ägyptische Diplomat.

Daher sollte sich Österreich darauf konzentrieren, mit den Nachbarländern in Sicherheitsfragen zusammenzuarbeiten. Eine striktes Nein zu AKWs sei wenig zielführend, "denn Atomenergie wird noch die nächsten 40 bis 50 Jahre um euch herum sein", sagte ElBaradei, der kommende Woche als einer der Hauptredner beim Wiener Kongress "com.sult" erwartet wird.

Atomstrom sei zwar "kein Allheilmittel" bei der Bekämpfung des Klimawandels, doch vor allem für Entwicklungsländer wie China oder Indien unerlässlich. "Wenn drei Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen, kann man sich nicht den Luxus leisten, auf eine Energieform zu verzichten."

Überdies habe es bei der Reaktorsicherheit große Fortschritte gegeben und neue Atomkraftwerke seien nicht mit dem Unglücksreaktor von Tschernobyl vergleichbar. "Bei jeder Technologie gibt es ein Risiko", räumte ElBaradei ein. Doch es gelte Kosten und Nutzen abzuwägen. "Wenn Sie fliegen, riskieren Sie, dass das Flugzeug abstürzt. Sie können natürlich auch zu Fuß gehen, aber das dauert dann ein paar Monate." (APA)

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kingcycle
10
Für Drittwelt und Schwellenländer

die absolut teuerste, risikorechste und an Hand der begrenzten Ressourcen limitierte Energiegewinnung vorzuschlagen - aber wes Brot er ißt, des Lied er singt..
Ein wenig zu den Kosten des billigen Atomstroms..
http://www.greenpeace.de/themen/at... rden_euro/

WikiPeda
10
20.1.2011, 00:57
opportunismus hat vorteile:

österreich importiert günstigen atomstrom. damit sparen wir uns das problem der endlager.

das große problem sehe ich nicht so sehr in der reaktorsicherheit, die neueste reaktorgeneration erscheint mir ziemlich sicher. das problem der endlagerung hat die atomindustrie aber nicht im griff.

övp sucks !!!
12
20.1.2011, 02:28
sie haben wahrscheinlich noch nie von der laufzeitverlängerung dt. akws gehört

akws haben eine beschränkte laufzeit.

im profitinteresse der atomenergie-konzere wurde die laufzeit dieser alten aksws verlängert und damit das risiko, das mit dem alter des akws enorm zunimmt, extrem erhöht

österreich hat im rahmen des euratom-vertrags die veto-möglichkeiten nicht ausgeschöpft, dagegen vorzugehen.

für österreichs regierung gilt bei euratom:

dabei sein ist alles.

hauptsache mitzahlen und tun, was die anderen wollen

Ja bitte
12
20.1.2011, 03:01
Und wie lang denken sie halten die dinger wirklich?

für nicht all zu alte wie z.b. zumindest die 9 neueren Blöcke in Deutschland redet man heute schon von ~80Jahren. Und die haben schon gute Containmants. - Filter, Sicherheitstechnik und mehrfach redundante Notstomversorgungen(4-8fach!) lassen sich aber problemlos nachrüsten und auf neuestem Stand halten.
siehe: http://www.heise.de/tr/artike... 57886.html
lg

Nitram1988
01
20.1.2011, 12:37
Das Problem mit der Laufzeitverlängerung ist man schiebt die Investitionen vor sich hin.

Wenn man vorhat nächtes Jahr ein neues Auto zu kaufen macht man auch nur das notwentigste.

Wenn man einen Tag festlegt muss man dabei auch bleiben, und nicht, nachdem wer grad an der Macht ist die Laufzeiten ändern.
Die Laufzeit eines AKWs ist keine politische sondern eine technische Frage.

Im A-Geigenlandl 69
00
20.1.2011, 08:28
das problem ist jedoch: hier gehts um die alten akws!

Ja bitte
00
20.1.2011, 16:36
Von denen weis ich, dass man...

z.b. in der Schweiz so aufrüstet, das man die ältesten(1969,1972) jetzt noch laufenden AKWs(Beznau u. Mühleberg) 50-55 Jahre betreiben kann. - Bis dort hin(~2023) wollen sie dann neue Ersatzkraftwerke fertiggestellt haben.
Ist natürlich ein bisschen ein Kompromiss weil sich zb. Die Aussenwandstärke des Kontainments nicht nachrüsten lässt. - Dafür nachgerüstete Brand-, und Überflutungsschutz-Abschnitte im Kontainment die bei einem Rohrbruch verhindern sollen, dass Kühlmittelpumpen ausfallen weil sie überschwemmt wurden. Dazu der das allgemeine Aufrüstungszeugs(Filter Reaktorschutz, Notstromversorgung, Generalreinigung des Primerkreislaufs, neue Turbinen usw.)

NONE
00
20.1.2011, 00:05

Ich finde die Position Österreichs perfekt.

Keine AKWs hier, keine Skandale wie in Deutschland mit Wattenfall.

Wo ist das Problem?

Und wenn der Strom billig ist - ich habe absolut kein Problem damit diesen zu verwenden. Im Gegenteil, man stelle sich nur vor wenn Österreich's Position INNERHALB der EU auf einmal die MEHRHEITSMEINUNG darstellt - das wäre noch viel besser!

Ja bitte
31
20.1.2011, 03:09
Genau:

-Österreich: wir haben die Stromrechnung, die anderen den Gewinn.
Alle in der EU: Alle haben bei niedrigwasser und Schwachwind Netzblackouts und keiner will schuld sein(Wie in der Schulpolitik)
- oder noch besser: die Ganze EU ist von russischen (sauteuren) Gasimporten abhängig und alle sind soooo arm ( ohne jemals ernsthaft etwas daran ändern zu wollen - auch wie in der Schulpolitik)
GENAU - verösterreichert die EU das wird sicher Ur- lustig - oder treibt Millionen in Arbeitslosigkeit und soziale unsicherheit, und damit zum einkaufen in den Sozialmarkt und in der Politik zur FPÖ. - h** Strache kann man da nur sagen ( oder schnell weit weit-genug-weg auswandern?!)

Enrico Furioso
09
19.1.2011, 21:49
jetzt nehmen wir mal an

Österreich nimmt sich ElBaradeis Worte zu Herzen und baut sogleich, na, sagen wir mal ein halbes Dutzend Atomkraftwerke: in welcher Weise wäre damit den "drei Milliarden Menschen" die "mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen" genutzt? Bekommen sie dann, weil Österreich, hurrah!, jetzt auch Atomstrom produziert, einen Dollar mehr?

Nein? Na, dann ist dieses Argument ein ziemlicher Haufen Mist.

sauereiter
05
19.1.2011, 22:30
"Man kann nicht sagen, dass man diese Art der Energie hasst und sie gleichzeitig nutzen."

und den indern und chinesen vorschriften machen wollen.

das ist ein ziemlicher haufen mist.

triebstrü
 
37
19.1.2011, 19:46
Wir verlangen keinen Atomstrom im importierten Strom.

Der wird uns auf Aug druckt.
Und das wird uns dann auch noch vorgeworfen.

Pepi friß weniger
30
20.1.2011, 02:08
Genau. Wir hätten lieber Strom aus Palmöl

für den grad 3/4 von Malaysia entwaldet werden..

Martina Paul
12
19.1.2011, 21:55
importierter Strom

Das stimmt so nicht: Sie können in Österreich den Energielieferanten wechseln und auf Anbieter umsteigen, die ausschließlich aus erneuerbaren Energien liefern. Der Umstieg ist kostenlos und ohne Aufwand für den Kunden. Bei Großkonzernen wie Wien Energie ist natürlich jede Menge Atomstrom. Also, Anbieter wechseln!

kingcycle
00
Ums klarzustellen -

Haushaltsstrom ist immer derselbe Mix, von welchem Anbieter auch immer, der Unterschied ist verrechnungstechnisch, bei einem Vertrag auf Ökostrom werden mit einem Prozentsatz erneuerbare Energien gefördert (nachdem Netzdurchleitung/Maklerkosten/Verwaltungs -und Verrechnungsgebühren) in Abzug gebracht werden.
Da bleibt nur sehr wenig übrig, wichtig wäre der Druck auf die Anbieter die Netze auszubaun, so daß z.B. aller erzeugter Windstrom transportiert werden kann und der Atomstrom im Mix weniger wird..

triebstrü
 
00
20.1.2011, 05:02
Atomstrom deckt Grundlast ab.

Wenn man zu den Lastspitzen Strom aus einem Speicherkraftwerk (zB. Kaprun) bezieht, ist das dann Atomstrom, oder nicht ? Mit dem Atomstrom wird während Zeiten geringer Last Wasser in den Speicher gepumpt.

Sodern
01
19.1.2011, 23:33

Leider ist das nur ein Marketingtrick. Strom wird von den Erzeugern in einen Pool geleitet. Da sich "grüner Strom" nicht von "normalen Strom" unterscheidet erhalten sie deshalb auch immer einen Mix. Diese Anbieter, die mit 100% grünen Strom werben, erzeugen (Betonung auf erzeugen) ihren Strom zwar "grün" aber wenn sie den Bedarf ihrer Kunden nicht bedienen können wird auch eingekauft.

Andreas Mittermayer
00
22.1.2011, 11:44
"...wenn sie den Bedarf ihrer Kunden nicht bedienen können wird auch eingekauft..."

.
Das ist richtig.

WAS dann eingekauft wird, ist jedoch von Anbieter zu Anbieter verschieden.

Es gibt zwei Anbieter in Österreich, die in diesen Fällen auch nur Strom aus Erneuerbaren Energiequellen einkaufen und damit gewährleisten, dass das Geld der Stromrechnung (Energieanteil) ausschließlich erneuerbaren Energieträgern zugute kommt.

Das sind:

http://www.oekostrom.at/

und

http://www.aae.at/

Michael Haberler
00
20.1.2011, 00:49
mag sein

trotzdem ist es eine legitime Frage an den Durchschnittsgrünen, wem er seinen Strom abkauft

Meine Hypothese: an dieser Stelle ist die Kausalkette zu 99% durchschnitten, weil zu teuer

triebstrü
 
03
19.1.2011, 19:42
Zwei Arten des Opportunismus.

Opportunismus gegenüber der Atomlobby.
Opportunismus gegenüber dem Wähler.

Opportunismus gegenüber der Atomlobby nenne ich Plutokratie.
Opportunismus gegenüber dem Wähler nenne ich Demokratie.

Der gute Mann wirft uns unsere Demokratie vor.

sauereiter
20
19.1.2011, 22:36
sie haben

den sinn des wortes opportunismus im zusammenhang in dem es el baradei verwendt hat wohl nicht verstanden ...

teuerzahler
44
19.1.2011, 18:32
verlogen ist die österreichische

anti-atom haltung.

wenn wir netto-stromexporteur wären, wär's was anderes.

aber atomstrom importieren und gegen atomkraftwerke - mit staatlicher duldung und unterstützung!!! - grenzen blockieren, das ist verlogen!

a grünes stricherl
 
00
24.1.2011, 00:55
tja dann müssma halt neue donaukraftwerke bauen. deal?

john wayne cleaver
110
19.1.2011, 18:23
"Wenn drei Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen, kann man sich nicht den Luxus leisten, auf eine Energieform zu verzichten."

und wieder einmal outet sich der mann als ahnungsloser lobbyist.

die menschen, die von zwei dollar ab tag leben haben kein stromnetz, keinen strom und keine geräte die mit diesem bedient werden.

deren situation wird sich durch atomkraft nicht verbessern. verschlechtern kann sie sich natürlich sehr wohl. nämlich wenn der müll aus dem westen vor ihrer haustür landet.

aber elbaradei schwingt die ach so praktische armutskeule und wird dafür sogar nicht ernst genommen...

sauereiter
21
19.1.2011, 22:26
absoluter bs den sie da schreiben

1. gibts in genug, eher den meisten, slums stromnetze. auch wenn die leute mit zwei dollar am tag auskommen (ja, in manchen länder kommt man damit "gut" über die runden), sie glauben gar nicht wieviel von diesen zB. mobiltelefone besitzen.
2. wird sich an der situation dieser menschen gar nix ändern wenn immer wieder mal der strom für ein paar stunden ausfällt (seien es jetzt leitungskapazitäten oder versorgungsenpässe). denn in so einer situation wird sich noch nicht mal eine fabrik zum sportschuhezusammennähen ansiedeln dort.

sie outen sich als ahnungsloser ideologe, der maximal im bullshitbingo was reißt.

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