Auch Kronprinz ist eine gute Apfelsorte

18. Jänner 2011, 19:36
8 Postings

Tim Cook vertritt zum dritten Mal Apple-Chef Steve Jobs

Die Geschichte von der Rettung Apples vor dem drohenden Untergang in den 90er-Jahren hat einen wenig bekannten zweiten Namen. Tim Cook. Als Steve Jobs 1997 antrat, um den von ihm zwei Jahrzehnte davor gegründeten Computerpionier zu sanieren, gehörte zu einer seiner ersten Amtshandlungen, Cook vom Konkurrenten Compaq abzuwerben. Die Arbeitsteilung war klar: "Seine Steveheit" war für das Visionäre zuständig, Cook für das Bodenständige - dafür, den ineffizienten Laden und seine aus den Fugen geratene Produktion auf Vordermann zu bringen.

Beide glänzten in ihren Rollen. Jobs revitalisierte das Computergeschäft mit dem iMac und erfand Apple mit iPod, iPhone, iPad, iTunes und AppleTV als Unterhaltungskonzern neu. Cook sorgte dafür, dass neue Produkte zu angekündigten Terminen fertig wurden und in die Geschäfte kamen, der Lagerbestand von Monaten auf Tage schrumpfte und das Unternehmen einen Geldpolster von 50 Milliarden Dollar aufbaute.

Der nüchterne, öffentlichkeitsscheue 50-jährige Absolvent für Maschinenbau aus Alabama ist der Maschinist am Unterdeck, "die Geschichte hinter der Geschichte" des Erfolgs, wie es einst ein früherer Apple-Manager beschrieb. Im Schatten des Meisters wurde der unverheiratete Workaholic zum Alter Ego des exzentrischen Manns im Scheinwerferlicht.

2004 übernahm Cook erstmals selbst das Ruder, als Jobs an Krebs der Bauchspeicheldrüse erkrankte und ihn mit der Führung der Geschäfte betraute. 2005 wurde er "Chief Operating Officer" , Chef der alltäglichen Abläufe, 2009 übernahm er für ein halbes Jahr erneut die Spitzenposition, als Jobs eine neue Leber erhielt. In der Zeit seiner Interims-Regentschaft stieg der Aktienkurs um 60 Prozent: Auch Anleger hatten Vertrauen in den Stellvertreter gefasst, der sich zum Kronprinz wandelte.

Häufig wird Apple dafür kritisiert, bisher keine Nachfolgeregelung vorgelegt zu haben - aber das Back-up scheint schon längst installiert zu sein und Timothy D. Cook zu heißen. Seine erfolgreiche Rolle als De-facto-Chef von Apple macht ihn auch zu einem attraktiven Kandidaten für CEO-Posten aller Art: Bisher versuchten Motorola und Dell erfolglos, Cook abzuwerben. Sicher haben auch 59 Millionen Dollar von Apple im Vorjahr geholfen, ihn zu halten - und die Gewissheit, dass nicht nur Macintosh, sondern auch Kronprinz eine schmackhafte Apfelsorte ist. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tim Cook

Share if you care.