Kartellbehörde schaut Lkw-Herstellern auf die Finger

18. Jänner 2011, 20:09
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München/Stuttgart - Die EU-Kartellwächter haben erneut die großen europäischen Lkw-Konzerne ins Visier genommen. Der Weltmarktführer Daimler in Stuttgart, Volvo und Scania in Schweden, MAN in München sowie Fiat in Italien bestätigten am Dienstagabend, dass sie Ziel einer Untersuchung der EU-Kommission seien. Zumindest bei Daimler, MAN und der Fiat-Lkw-Sparte Iveco wurden Büros durchsucht.

Die Brüsseler Behörde sprach von mehreren Unternehmen, die im Verdacht stünden, gegen Wettbewerbsregeln verstoßen oder eine dominante Marktposition missbraucht zu haben. In mehreren Ländern gab es Durchsuchungen.

Die Konzerne sicherten den Kartellwächtern volle Kooperation zu. "MAN toleriert keine Compliance-Verstöße. Weder Korruption noch Wettbewerbsverstöße werden von MAN geduldet, gefördert oder akzeptiert", versicherte das Münchner Unternehmen. MAN war unlängst in eine Korruptionsaffäre verwickelt und hat deswegen seine Kontrollen verschärft. Der Aufsichtsrat lässt mögliche Schadensersatzforderungen gegen frühere Vorstandsmitglieder in Millionenhöhe prüfen.

Bei der schwedischen Scania, die mit MAN eng zusammenarbeitet und durch den gemeinsamen Hauptaktionär Volkswagen verbunden ist, dreht sich die Untersuchung nach Unternehmensangaben um die unrechtmäßige Weitergabe von Informationen. VW will Scania und MAN zu einer Allianz verbinden.

Im Herbst hatte die britische Kartellbehörde OFT die Geschäfte großer europäischer Nutzfahrzeugkonzerne wegen des Verdachts auf Preisabsprachen unter die Lupe genommen. Damals waren mit Daimler, den beiden schwedischen Nutzfahrzeugkonzernen Volvo und Scania, MAN und der Lkw-Sparte von Renault bereits fast alle europäischen Branchengrößen betroffen.    Nach Angaben von Scania bekamen neben dem Hauptsitz in Södertälje auch Scania-Verkaufsbüros in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg "Besuch" von Vertretern der EU-Kommission.

Auch MAN bestätigte eine Durchsuchung, "MAN geht derzeit nicht davon aus, dass Kunden einen Nachteil erlitten haben", hieß es in der Stellungnahme. Auch in Stuttgart gab es nach Angaben von Daimler eine Durchsuchung.    Im September hatten bereits britische Kartellbehörden Räume des Lastwagenherstellers Daimler nahe London durchsucht und bei Scania und MAN schriftliche Anfragen gestellt. Ob beide Fälle zusammenhängen, war zunächst unklar.    Die EU-Kommission betonte, mit den unangekündigten Untersuchungen sei der Ausgang der Ermittlungen nicht vorweggenommen. Deren Dauer hänge von mehreren Faktoren ab, etwa der Komplexität der Fälle und der Kooperationsbereitschaft der betroffenen Firmen. (APA/Reuters)

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