Lichals Predigtdienst

18. Jänner 2011, 19:05
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Robert Lichal war die Attraktion: "Für mich ist die ganze Diskussion", Pause, abgesenkte Stimme, "ein Trauerspiel"

"Wissen Sie, dass die Schweiz jetzt vor kurzem eine Übung gemacht hat, um den Flughafen Zürich-Kloten zu schützen?" Pause. Dann, geradezu hinausschreiend: "Mit 5000 Milizionären! Einen Flughafen! Eine Woche hindurch!" - Robert Lichal war die Attraktion der ORF-Diskussion zur Heeresreform Montagabend. Wenn auch nicht im politischen Sinn: Dass der Ex-ÖVP-Politiker und letzte Verteidigungsminister der Ära des Kalten Kriegs für die Wehrpflicht eintritt, überraschte nicht.

Bemerkenswert war aber sein rhetorisches Gebaren. Bürger, die sich jeden Tag über das sich windende Blabla in Politikerantworten aller Couleurs ärgern, konnten hören, was durch zeitgemäß seminargeschulte Sprachunkultur verlorengeht. Lichal versieht seine Reden noch mit Emotion. Der Tonfall folgt dem Inhalt, markiert nuanciert Höhepunkte und setzt Pausen, um dem Gesagten Gewicht zu verleihen. Voller Ekel wertet er die ganze Debatte als "Plauderei" ab und echauffiert sich enorm über Militärstrategen Gerald Karner, der ihm vom Kalten Krieg geprägtes Denken vorwirft. Genauso wie über den jugendlichen Diskutanten am Tisch: "Aber geh, wirklich?! Terrorismus nur mit der Polizei bekämpfen? Das ist Chimäre."

Zuvor suhlte er sich in der Tirade gegen Darabos: "Für mich ist die ganze Diskussion", Pause, abgesenkte Stimme, "ein Trauerspiel." Er, Darabos, halte selbst nichts von seinen Plänen: "Er wendet sich an die Bevölkerung und sagt: Entscheidets ihr! Ich kann es nicht! Ich will es nicht! Ich versteh' es nicht!" Am Ende: "Für österreichische Verhältnisse ist die allgemeine Wehrpflicht" - Pause, voller Inbrunst: "das Beste". Eine nicht mehr zeitgemäße Meinung, aber wenigstens mit Überzeugung dargebracht. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 19.1.2011)

  • Robert Lichal.
    foto: screenshot

    Robert Lichal.

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