Ärzte-Kritik an privater Med-Uni

18. Jänner 2011, 18:38
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Dorner: "Schrebergarten für pensionierte Professoren"

Wien/Krems - Einem drohenden Ärztemangel will Niederösterreich entgegenwirken und unterstützt daher die Gründung einer privaten Universität für Gesundheitswissenschaften in Krems. Sehr zum Ärger von Ärztekammer-Präsident Walter Dorner: Er sieht in dem Projekt, an dem sich auch die Med-Uni Wien beteiligt, einen "Schrebergarten für pensionierte Professoren", wie er Montagabend vor Journalisten sagte.

Dorner stört besonders der Aufbau des Studiums, der eine Spezialisierung auf den Beruf des Arztes erst nach dem Bakkalaureat vorsieht. Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz kann sich diese Studienstruktur auch für die öffentlichen Universitäten vorstellen, was Dorner gar nicht passt, denn er befürchtet einen Qualitätsverlust. Außerdem ist er (in Anspielung auf mögliche hohe Studiengebühren) "dagegen, dass man sich Medizin kaufen kann".

Um Ökonomisierungstendenzen, die Ärztekammer und weitere Vertreter von Gesundheitsberufen orten, geht es auch bei der ersten Gesundheitsberufe-Konferenz, die heute, Mittwoch, stattfindet. Dorner wehrt sich etwa dagegen, Gesundheitsberufe zu Lehrberufen zu machen, da damit eine "Entprofessionalisierung" drohe. "Burnout-Prophylaxetrainer" oder "Humanenergetiker", die die Ärztekammer als medizinische Laien sieht, würden Patienten "nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu Kunden degradieren". (hei, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2011))

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