Vorsorgeuntersuchungen

Teure Diagnosen für werdende Mütter

18. Jänner 2011, 18:33

Übersieht ein Arzt die Behinderung eines Babys, kann das Haftungsklagen nach sich ziehen - Viele Schwangere werden an private Ambulatorien verwiesen. Ein Gynäkologe spricht von "absoluter Zwei-Klassen-Medizin"

Wien - "In meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich gegen zusätzliche Untersuchungen entschieden", erzählt Karin T. Nun ist die Wienerin erneut schwanger und überlegt, ob sie nicht doch ein Organscreening durchführen lassen soll: "Mein Mann und ich sind mittlerweile Mitte 30."

Werdende Mütter wie die 36-Jährige haben für den Mutter-Kind-Pass neun Untersuchungen zu absolvieren; darüberhinaus gibt es eine Reihe von Spezial-Diagnosemöglichkeiten, die oft selbst bezahlt werden müssen. "Eine absolute Zwei-Klassen-Medizin", ortet daher Michael Stany, stellvertretender Fachgruppen-Obmann der Gynäkologen. Pränatale Diagnostik sei eine "heikle Sache", seit Ärzte haftbar gemacht werden können, wenn sie in der Schwangerschaft eine Behinderung übersehen; das erste OGH-Urteil wurde 1999 gefällt. Die Wiener Spitäler "ziehen sich seither aus der Diagnostik zurück", befindet Stany. Ganze gynäkologische Abteilungen würden "praktisch auswaggoniert", teure private Institute dadurch boomen.

"Kinder als Schaden"

Unter dem Schlagwort "Kinder als Schaden" hat sich in den vergangenen Wochen eine aufgeregte Diskussion um eine Gesetzesnovelle von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner entsponnen, die die Ärzte aus der Haftung entlassen will. Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) ist dezidiert dagegen und findet es außerdem "konstruiert, von einem Kind als Schaden zu sprechen".

Auch den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin kann die Stadträtin nicht nachvollziehen: Wer die Geburt seines Kindes in einem Spital des Krankenanstaltenverbundes anmelde, werde dort auch betreut. Bei einer ganz normalen Schwangerschaft sollten werdende Mütter von niedergelassenen Ärzten betreut werden, das AKH käme ins Spiel, wenn Risiko- oder Mehrlingsgeburten anstünden. "Das ist keine Einschränkung der Leistung, sondern eine sinnvolle Bündelung, um beste Qualität zu bringen."

Kostspielige Sicherheit

In Wien führen das AKH, die Semmelweisklinik und das SMZ-Ost sämtliche pränatale Untersuchungen durch. Frauen, die dort zur Entbindung angemeldet sind, wird etwa für die Nackenfaltenmessung nichts verrechnet. Auch Fruchtwasseruntersuchungen, die medizinisch indiziert sind, etwa bei erhöhtem Risiko für Down-Syndrom oder wenn die Schwangere über 35 ist, müssen die Patientinnen nicht extra bezahlen. Wer allerdings auf Nummer sicher gehen möchte, muss Geld in die Hand nehmen. Organscreening oder Fruchtwasseruntersuchungen werden ohne erhöhtes Risiko nur in privaten Instituten durchgeführt. Und da kann eine Fruchtwasseruntersuchung schon bis zu 600 Euro kosten, ein Organscreening bis zu 250 Euro. Im Krankenhaus Göttlicher Heiland, das zur Vinzenzgruppe gehört, werden Organscreenings gar nicht mehr durchgeführt. "Die Untersuchungen sind immer anspruchvoller geworden", sagt der Gynäkologe Stefan Zawodsky. Patientinnen werden in eines der privaten Diagnose-Institute überwiesen, wenn es Hinweise auf Fehlbildungen gibt.

Sie habe in ihrem Bekanntenkreis schon erlebt, dass bei Untersuchungen fälschlicherweise eine Zyste auf dem Kopf des Babys diagnostiziert wurde, erzählt Karin T. Viele Frauen würden ihrer Ansicht nach auch von ihren Gynäkologen unnötig in Panik versetzt. "Zum Glück habe ich eine gelassene Frauenärztin." (Bettina Fernsebner-Kokert, Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 19.1.2011)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

Kommentar der Anderen:

Familienplanung und ein rechtlicher Schadensfall

Vor der Geburt durchgecheckt

Im Mutter-Kind-Pass sind fünf gynäkologische, eine internistische sowie drei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen. Darüber hinaus können Abweichungen bei der Nackenfaltenmessung (per Ultraschall) u. a. auf ein erhöhtes Risiko für Down-Syndrom hinweisen. Gemeinsam mit einem Bluttest kann das Risiko weiter eingegrenzt werden. Bei einer Amniozentese wird Fruchtwasser entnommen. Die Untersuchung liefert relativ genaue Ergebnisse, etwa bei Chromosmenabweichungen - ebenso wie die Nabelschnurpunktion und die Chorionzottenbiopsie (Plazentabiopsie). Bei diesen Untersuchungen, besteht das Risiko für eine Fehlgeburt. Das Organscreening ist eine ausführliche Ultraschalluntersuchung von Gehirn, Organen und Skelett. (fern/DER STANDARD-Printausgabe, 19.1.2011)

Kommentar posten
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fertigprodukt
07
20.1.2011, 12:11
wenn ich die zahlreichen kommentare lesen, habe ich das gefühl, die kabarettisten haben recht.

menschen bekommen keine kinder mehr, sondern jedes kind ist ein "projekt".
deswegen vermuten auch fast alle eltern auch höheren sozialen schichten, ihr kind sei überdurchschnittlich begabt, wenn nicht gar genial.

Dagmar Rehak Wien
 
07
20.1.2011, 16:37

Stimmt, die haben vor ein paar Jahren eine neue Krankheit erfunden, und zwar HB. Das heißt hochbegabt, und so ziemlich alle Kinder der Frauen Magistrae sind davon betroffen. Für die betroffenen Familien ist es jedenfalls furchtbar. Stunden lang lassen sie sich in den Foren darüber aus, wie schwer es doch ist, ein hochbegabtes Kind zu haben, das schon mit zwei Jahren "Mama" sagen kann und mit vier Jahren den eigenen Namen lesen und mit fünf Jahren sogar schreiben kann. Und erst die Kreativität! Die Gemälde von denen reichen durchaus an die Künstlerin Nonja von Schönbrunn heran.
Die anderen Kinder hingehen hängen den ganzen Tag vor dem Fernseher und verblöden dort.

dasBeobachter.blogspot.com
02
19.1.2011, 18:11
wie lange wird's noch dauern, bis die ersten auftreten und eine 6 monatige gewährleistungsfrist auf kinder verlangen?

meinrad
00
19.1.2011, 22:32

besser 18 jahre!

fertigprodukt
01
20.1.2011, 12:09

mit rückgaberecht.

nit rechts, nit links
00
19.1.2011, 16:20
wo wir beim Thema sind..

ich muss fuer das Organscreening bezahlen - wo ist es denn derzeit in Wien am guenstigsten?

BeachBuddy
00
19.1.2011, 16:55

Gynschall 18.Theresiengasse 48
ca 130.-
haben das sehr gut gemacht.

biggi729
00
19.1.2011, 18:56

in döbling kostets das gleiche. wenn man dann das organscreening auch dort machen läßt, ist es billiger.

david crutton
01
19.1.2011, 16:05
ich verstehe die Aufregung nicht...

...habe aber auch nur einige Postings überflogen!

Wir haben bei beiden Kindern Nackenfaltenmessung (sorry, falls das nicht der ganz korrekte Ausdruck ist) und Organscreening machen lassen, obwohl meine Frau nicht wirklich in eine Riskogruppe fällt (28 beim ersten, 30 beim zweiten Kind). Einfach so, um (in unserem Fall) bestätigt zu bekommen, dass alles in Ordnung ist, weil es ein Super Erlebnis ist, das Kind im Bauch zu sehen, weil sich die werdende Mutter danach besser fühlt und weil wir tatsächlich schon mehr Geld für einen größeren Blödsinn ausgegeben haben!

2-Klassen-Medizin: Mag sein, ist ja ein "kann" und kein "muss" und wer nicht will, der hat ja schon sehr viel Leistung bei den "vorgeschriebenen" Untersuchungen!

Janus Doppelkopf
10
19.1.2011, 16:24
"kann" und kein "muss"

also die Tatsache daß hierfür extra Cash auf den Tisch gelegt werden muss, weil die Kasse erst bei einer wahrscheinlichen Fehlbildung die Untersuchung bezahlt bedeutet daß einfach JEDER dieses Geld zur Verfügung haben muss

andernfalls geht es nämlich SEHR WOHL ums "können"

Kugelmugel
00
19.1.2011, 13:56
wir haben letztes jahr zwillinge bekommen

mutter und vater waren damals anfang 30

sämtliche untersuchungen wurden bei dem frauenarzt meiner gattin durchgeführt (inklusive nackenfaltenuntersuchung und screening). das einzige für das wir bezahlen mussten war die 3d ultraschall-untersuchung, und die war nice-to-have und von uns aussertourlich gewünscht.

daher verstehe ich diesen artikel nicht ganz...

blubb66
62
19.1.2011, 13:19
furchtbar teuer...

Da werden in Studien Kosten von ~€120.000 pro Kind bis zur Volljährigkeit errechnet und man findet Untersuchungen um €600, die zeigen können ob ein Kind sein Leben lang behindert sein wird, zu teuer.

Mary the Strange
01
19.1.2011, 16:40
Verstehe die roten Stricherl nicht

Es stimmt doch, wenn ich ein Kind haben will, dann muss ich auch mit den Kosten rechnen - in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt kann ein Kind nicht von Luft und Liebe leben. Man muss auch damit rechnen, dass man viel Geld in eine gute Ausbildung, gute Ernährung, Klamotten etc. für das Kind zahlen muss.
Wirklich, da sind 600 Euro nichts dagegen.

dasBeobachter.blogspot.com
03
19.1.2011, 15:32
ein kind ist weder ein produkt, noch leiten sich aus der zeugung irgendwelche besitzansrpüche ab.

genauso leiten sich keine anderen rechte, sondern nur pflichten aus der zeugung eines kindes ab.

schon gar nicht das recht auf nutzen.

Barbarin
30
19.1.2011, 13:33
Nachtrag...

...Unsere Aufgabe (als gesunde "Norm") ist sich davon berühren zu lassen und unsere schönste Eigenschaft an den Tag zu fördern...soziale Intelligenz und Mitgefühl!

Das von mir... mit kauf. Ausbildung, kauf. Beruf mit viel Übung in der Entscheidung über Darstellbarkeit oder nicht!

dasBeobachter.blogspot.com
02
19.1.2011, 18:14
...Unsere Aufgabe (als gesunde "Norm") ...

*ROFL*

eine gesellschaft, die nur mit normmenschen klarkommt, ist sicherlich NICHT gesund.

Barbarin
10
20.1.2011, 12:38
Stimmt...leider!

Barbarin
15
19.1.2011, 13:31
Schön...mach ma generell...

...für jeden Bürger und alle die da kommen mögen, eine Kosten-Nutzen-rechnung?

Ab wann, ist ein Kind für Sie ein nutzloser Kostenfaktor? Geht das bei Kurzsichtigkeit los, oder erst bei einem defekten Lungenflügel?

Menschen mit Gebrechen sind (noch immer) MENSCHEN! Und jeder einzele (auch die oder gerade wegen der Besonderheiten) so WERTVOLL, dass sich dies NIE UND NIMMA in Geld darstellen lässt!

Ein Kind ist kein Grundstück, wo man so eine kaufm. Rechnung anstellt. Ein Kind ist ein Herzenswunsch und gesund oder krank, eine Bereicherung! Vor allem geistig eingeschränkte Menschen, haben eine Unschuld und liebevolle offene Art, die seines Gleichen sucht und mehr als berührend ist!

meinrad
02
19.1.2011, 22:36

ned jeder mensch ist wertvoll. aber mit seiner physis hat das nix zu tun.

blubb66
11
19.1.2011, 16:17

Für mich ist ein Kind kein Kostenfaktor, aber für diejenigen, die wegen €600 oder €250 eine Untersuchung nicht machen wollen offenbar schon.

Man kann zu Abtreibungen stehen wie man will (viele Fanatiker hier...), aber darf nicht vergessen dass bei solchen Untersuchungen auch Erkrankungen gefunden werden können, die heilbar sind, wenn man sie rechtzeitig behandelt und die sonst lebenslanges Leiden bedeuten können.

natoll
33
19.1.2011, 14:04

das muss immer noch die mutter (mit dem vater) entscheiden und niemand anders. mischt euch nicht überall ein.

dasBeobachter.blogspot.com
10
19.1.2011, 15:38
der prozess besteht aus zwei komponenten: aus der information und der entscheidung.

eltern können dann entscheiden, wenn sie objektive information erhalten.
objektive information kann nicht gegeben werden, also braucht es zumindest zwei seiten.

wenn du der einen seite den mund verbietest,
so haben nicht mehr die eltern, sondern die andere seite die entscheidung getroffen.

also verbiete nicht anderen den mund, wenn du verlangst, dass sich die eltern entscheiden sollen.

die erkenntnis, dass abtreibung nicht "ein einfacher operativer vorgang" ist und dann alles vorbei ist,
kommt erst im nachhinein, wenn irreversible fakten geschaffen wurden.

diese unveränderlichkeit führt zum dilemma und im extremfall zum trauma.
die folgen sind für individuum und umgebung einschneidend.

Barbarin
20
19.1.2011, 14:55
Nein, noch nicht mal Eltern können...

...darüber urteilen, ob ein Mensch (auch das eigene Kind) wertvoll ist inkl. Lebensberechtigung, weil...JEDER MENSCH IST WERTVOLL EINZIGARTIG UND BESONDERS!

A Voice
10
19.1.2011, 21:56
bis auf die

Nichtraucher und die Wissenschafts"gläubigen" gelle?

Barbarin
10
20.1.2011, 17:02
Bitte ersparen Sie uns...

...Ihr outing bzgl. Ihren Ego-problemen und spendieren Sie dafür einen Beitrag mit Ihrer Meinung!

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