Haiti: Justiz klagt Ex-Diktator Duvalier an

19. Jänner 2011, 11:22
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59-Jährigem werden Korruption, Veruntreuung und Diebstahl vorgeworfen

Port-au-Prince - Die haitianische Justiz hat gegen den vor Kurzem in seine Heimat zurückgekehrten Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption und Veruntreuung eingeleitet. Das sagte sein Anwalt Gervais Charles am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Duvalier war zuvor von der Polizei aus seinem Hotel in Port-au-Prince abgeholt und zu Vernehmungen in den Justizpalast der Stadt gebracht worden.

Nach der Vernehmung verließ Duvalier den Justizpalast, ohne Handschellen und in Begleitung seiner Ehefrau. Es gehe ihm gut, sagte er. Er fuhr anschließend in einem Fahrzeug davon, das von der Polizei eskortiert wurde. Sein Anwalt sagte, Duvalier sei "frei", müsse sich aber der Justiz zur Verfügung halten.

Anhänger fordern Freilassung

Bevor Duvalier von der Polizei in den Justizpalast gebracht worden war, soll er nach Angaben von Augenzeugen in seinem Hotelzimmer mehr als eine Stunde lang von dem haitianischen Generalstaatsanwalt Aristidas Auguste und einem Richter befragt worden sein. Nachdem Duvalier in den Justizpalast gebracht wurde, versammelten sich Dutzende seiner Anhänger vor dem Gebäude, um seine Freilassung zu fordern.

Duvaliers Sprecher, Henry Robert Sterlin, sagte, er gehe davon aus, dass die Vorwürfe gegen Duvalier von der Regierung erfunden worden seien, um diesen daran zu hindern eine Pressekonferenz zu geben. "Es handelt sich um ein abscheuliches Manöver von Préval", sagte Sterlin im Hinblick auf den noch amtierenden haitianischen Präsidenten René Préval. "Was die Machthaber wollen, ist eine Destabilisierung des Landes", fügte er hinzu.

Duvalier alias Baby Doc war am Sonntag aus dem französischen Exil nach Haiti zurückgekehrt. Während seiner Herrschaft in Haiti sollen der inzwischen 59-Jährige, seine Familie und Anhänger nach Angaben der haitianischen Behörden mehr als 100 Millionen Dollar Staatsgelder unterschlagen haben. Menschenrechtsorganisationen fordern, Duvalier wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner Herrschaft von 1971 bis 1986 vor Gericht zu stellen. Am Montag hatte der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive erklärt, ein Prozess gegen Duvalier sei möglich. "Jeder Bürger ist in Haiti der Gerichtsbarkeit unterworfen."

Auch die haitianische Journalistin und ehemalige Sprecherin von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Michèle Montas, plant nach eigenen Angaben eine Klage gegen Duvalier. Unter Duvalier war Montas eingeschüchtert und später ins Exil geschickt worden. Ihr Mann, der Journalist Jean Dominique, wurde im Jahr 2000 ermordet, nachdem er wiederholt Kritik an der Partei von Jean-Bertrand Aristide geübt hatte, der 2001 Präsident wurde. Montas will wegen "der Zerstörung von Radio Haiti, Verhaftung, Folter und der Entsendung ins Exil" gegen Duvalier vorgehen.

Die Schweiz will den Haitianern etwa 5,7 Millionen Dollar (etwa 4,3 Millionen Euro) des veruntreuten Geldes auszahlen. Erst vor knapp einem Jahr hatte das Schweizer Bundesgericht die von Haiti geforderte Rückgabe des Geldes gestoppt, weil die von Duvalier im Ausland begangenen Straftaten nach schweizerischem Recht bereits verjährt sind. (APA/AFP)

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    Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier vor seinem Hotel

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