Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 896x550Wien - Aristoteles ist das Verdienst zuteilgeworden, einen der wohl ältesten bekannten Fälle von Lebensmittelspekulation beschrieben zu haben. Er erzählt in seinem Hauptwerk Politik über ein Optionsgeschäft des Philosophen Thales von Milet. Thales' Gespür fürs Wetter ließ ihn eine prächtige Olivenernte vorausahnen, weshalb er sich die Dienste aller Olivenpressen im Land sicherte. Die Ernte fiel tatsächlich gut aus, Thales war reich.
Etwa 2300 Jahre später sind Nahrungsmittelspekulanten immer noch fleißig am Werk. Berühmt geworden ist zuletzt Anthony Ward, der mit seinem Hedgefonds im Sommer 2010 auf einen Schlag rund sieben Prozent der weltweiten Kakaoernte aufkaufte. Aber Ward war nur die Speerspitze einer breiteren Entwicklung.
In den vergangenen Jahren haben Spekulationen mit Weizen, Mais und anderen Grundnahrungsmitteln zugenommen. Besondere Terminkontrakte, bei denen Käufer und Verkäufer im Voraus vereinbaren, Produkte zu einem bestimmten Preis zu kaufen, sind beliebt. Beispiel Weizen: Waren Anfang 2010 laut der Chicagoer Rohstoffbörse 55.000 Terminkontrakte auf Weizen offen, lockten die hohen Preise viele Investoren an. Derzeit laufen 80. 000 Kontrakte auf steigende Weizenpreise.
Wachgerüttelt
Diese Entwicklungen haben vor dem Hintergrund hoher Lebensmittelpreise den US-Kongress und die EU wachgerüttelt. Im Zuge der US-Finanzmarktreform 2010 hat der Kongress die CFTC, die den Handel mit Futures und Optionen auf Rohstoffe reguliert, beauftragt, ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten. Vergangene Woche wurde ein erster Vorschlag präsentiert. Die CFTC will die Zahl der spekulativen Positionen, die gehalten werden können, begrenzen. Von der nächsten Sojalieferung soll ein Händler etwa nicht mehr als 25 Prozent kaufen können. Zudem werden erstmals bisher nicht erfasste Geschäfte unter die Aufsicht der CFTC gestellt.
Einen ähnlichen Weg schlägt die EU ein. Binnenmarktkommissar Michel Barnier möchte den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit geben, Positionslimits auf Futures-Kontrakte einzuführen. Dafür bedarf es aber noch eines Schrittes davor: Im Gegensatz zu den USA gibt es in Europa keine verpflichtende Erfassung von Derivatpositionen. Das soll sich ändern. Im Dezember hat Barnier ein Papier vorgelegt, wonach die Derivatpositionen auf Argrarprodukte gemeldet werden müssen.
Trotz der Bemühungen geht die EU laut Uno zu zaghaft vor. "Die EU ist zurückgeblieben. Es ist schade, dass die USA bereits weiter sind und konkrete Limits einführen, während Europa erst noch sein Meldesystem erarbeitet", sagt Olivier de Schutter, Uno-Sonderbotschafter für das Recht auf Nahrung, dem Standard. Zwar sind die meisten Agrarfinanzinvestoren wie Goldman Sachs primär in den USA tätig, doch auch in Europa gibt es wichtige Marktplayer wie die Deutsche Bank, sagt Schutter. Und London ist der zweitgrößte Finanzplatz der Welt.
Aber bei allem Lob in Richtung Washington: Die neuen Richtlinien für Spekulanten sollen erst ab April gelten. Bis dahin können die Regelungen noch verwässert werden. Tatsächlich ist bei den US-Aufsehern der CFTC bereits ein Streit darüber entbrannt, welche Rolle Finanzinvestoren spielen. Denn unter Wissenschaftern ist die These, dass Spekulanten den Markt befeuern, umstritten.
Die landwirtschaftliche Fakultät der University of Illinois hat im Oktober 2010 eine aufsehenerregende Studie veröffentlicht, wonach es keinen Zusammenhang zwischen der erhöhten Aktivität von Fonds und der Preisvolatilität gibt. In früheren Untersuchungen hat die UN-Ernährungsorganisation FAO ähnlich argumentiert. Inzwischen sprechen aber FAO und fast alle Hilfsorganisationen davon, dass Investoren Trends zwar nicht setzen, aber einen einmal begonnenen Preisanstieg verstärken können. (Lukas Sustala, András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2011)
Wer an Standeln Obst kauft, muss genau hinschauen, nicht immer ist Österreich drin, auch wenn das suggeriert wird
Kakaoproduktion ist ein hartes Geschäft, auf den Plantagen sind illegale Kinderarbeit und Kindersklaven keine Seltenheit
Laut Welternährungsorganisation steigen die Preise für Fleisch, Fisch und Biokraftstoffe stärker als jene für primäre Agrarprodukte
Für den Ausschank von 500 Liter seines eigengebrauten Biers muss der Gastronom nun rund 2.500 Euro zahlen
Das Brot: Würstel-Begleiter, Grundnahrungsmittel und Hauptdarsteller im alltäglichen Sprachgebrauch
Deutsche Bierbrauer warnen vor einer Verunreinigung des Trinkwassers und sehen das Reinheitsgebot in Gefahr
Lavazza will auch künftig Inder, Chinesen und Russen mit Espresso, Kaffeekapseln und Maschinen beliefern
In 20 bis 30 Jahren werde man die Menschen mit konventioneller Landwirtschaft nicht mehr ernähren können, meint Werner Lampert
Die Preise für Weizen, Soja und Mais explodieren nicht wegen der Spekulanten, sondern wegen dem immer größeren Verbrauch von Biosprit der daraus gewonnen wird. Jetzt fährt das Auto umweltfreundlich, mit nachwachsenden Rohstoffen, dafür gibts verhungernde Kinder in der dritten Welt.
Die Spekulanten treiben die Preise nach oben, aber auch nach unten und sorgen dadurch für große Schwankungen. Für die stetig steigende Nachfrage sind sie nicht verantwortlich, das sind die kurzsichtigen Politiker mit dem Ökoschmäh.
es ist doch abwegig, die bösen spekulanten zu bestrafen. scheinbar geht es hier nur darum, ein paar sündenböcke ("gierige" spekulanten oder "heuschrecken" wie manche meinen) öffentlichkeitswirksam zu bestrafen, damit das falsche system als solches bewahrt werden kann. dabei haben spekulanten einfach nur verstanden, wie kapitalismus funktioniert und handeln richtigerweise so, wie es der kapitalismus verlangt. jeden lebensbereich zum geschäft machen, bis hin zur luft, die wir atmen, dem wasser, das wir trinken und dem boden, auf dem wir gehen, das ist konsequent umgesetzter kapitalismus. also ist es ganz schön heuchlerisch, gegen die bösen spekulanten zu hetzen. wer ja zum kapitalismus sagt, muss auch ja zur spekulation auf nahrung sagen.
aber trotzdem ethische grenzen einhalten.
ein ja zum individualverkehr heisst ja auch nicht automatisch: mit 2 promille und 100kmh durch die stadt.
ein ja zur sexualitaet heisst ja auch nicht: ungestrafter kindesmissbrauch.
ein ja zur freien meinungsauesserung heisst ja auch nicht: rassistische hetze und verleumdung.
Kapitalismus ist nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine Gesellschaftsordnung, und ist in diesem Sinne auch einer historischen und fortwährenden Entwicklung unterlegen (z.B. Max Weber sah 'das bloße Streben nach möglichst hohem Geldgewinn' nicht als Teil des Kapitalismus).
Was hier angesprochen wird, Gewinn durch reine Spekulationen jeder Art, wird als 'Casino-Kapitalismus' bezeichnet.
(Mit ihren Argumenten KÖNNTE man auch das Vernachlässigen der eigenen Kinder zum Zweck der Mehrzeit für Spekulationsgeschäfte und Gewinnmaximieriung rechtfertigen...)
'Kapitalismus' und Ethik schliessen einander per se nicht aus.
Ein Verbot von Spekulationen auf 'Nahrung' ist mMn ein Muss.
dass solche "wetten" auch im normalen handel oft notwendig sind und damit nicht unterscheidbar reiner spekulation, kommt dir nicht in den sinn?
warum sollte ein lebensmittelhandel mit seinen zulieferern nicht im voraus preise vereinbaren dürfen?
oder eine fluglinie mit ihren kerosinlieferanten?
...Lebensmittel mit Flugreisen vergleichen tun Sie mir leid. Es ist leider Fakt, daß ich ohne Bora-Bora-Urlaub, Computer und Apple-Alktien leben kann... ohne ESSEN kann ich das aber nicht! Wenn ein Hedgefont einfach, sagen wir, jedes Weizenkorn aufkauft und dann - so wie das Monopol eben funktioniert - Preise verlangt, jenseits Gut und Böse, so daß Menschen, die das Geld nicht haben verhungern müssen, dann ist das NICHT notwendig, sorry! Wo sich der Billa seine Lieferanten sucht und wen er beauftragt, hat nichts mit Spekulation zu tun! An einer nicht angetretenen Flugreise oder dem Unvermögen, sich eine Levis-Jean zu kaufen, ist noch keiner krepiert!
nicht verstanden? ich bin kein freund von spekulanten auf lebensmittel (also solchen, die an der nutzung der ware nicht interessiert sind). es ist nur schwer gesetze zu formulieren die spekulation auf lebensmittel verbieten, da auch diejenigen, die tatsächlich auf dem weg zum kunden mit den lebensmitteln arbeiten und handeln ständig spekulieren müssen - zum beispiel indem sie lieferverträge abschließen.
Das ginge doch ganz einfach - Lebensmittel des täglichen Bedarfs vom Handel an Börsen ausschließen, Punkt, Problem gelöst. Lieferverträge, Auswahl des geeigneten Verkäufers & Co können und werden in der Regel ohnehin ohne Handel an der Börse ausgeschnapst!
fliegen ist luxus, essen ist ein menschenrecht, ein grundlegendes und wird es nicht erfüllt, dann sterben menschen oder werden schwer und dauerhaft krank.
deswegen sollte man verbieten auf nahrung zu spekulieren, um menschen dieses grundrecht garantieren zu können - statt die statistik der den hungertod verstorbenen menschen zu erhöhen.
was ist daran schwer zu verstehen?
Und sie haben absolut recht, es bleibt bis jetzt ein absolutes Nicht-Thema vonseiten Politik und Medien, dass Großgrundbesitzer, Königsfamilien und Industrielle mit unserem Steuergeld einfach so subventioniert werden, das könnte man fast schon Feudal nennen!!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.