Soldat ist kein Hauptberuf

18. Jänner 2011, 18:04
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Wer sich in Österreich verpflichtet, der erwartet einen Beruf, der zur Verbeamtung führt

Soldaten, die den Heldentod sterben, sind in unseren Breiten glücklicherweise selten geworden. Wer in die Armee eines EU-Staats einrückt, hat eine ganz gute Chance, mit heiler Haut davonzukommen - beim österreichischen Bundesheer eine noch viel größere als in anderen Heeren. Die österreichische Mentalität führt dazu, dass daraus ein Anspruch abgeleitet wird: Wer sich hier verpflichtet, der erwartet einen Beruf, der zur Verbeamtung führt - Org-Plan-mäßige Waffe ist dann der Schreibtisch. Vom 50-jährigen Oberst wird niemand erwarten, dass er Sandsäcke füllt oder Wache schiebt.

Bei einer Umstellung auf ein Freiwilligenheer lässt sich diese bequeme Karriereplanung nicht aufrechterhalten. Für die meisten militärischen Verwendungen kommen nur junge, fitte Männer und Frauen in Betracht - und auch von denen muss man nicht ständig Zehntausende unter Waffen halten, um sie im Notfall zur Verfügung zu haben.

Wenn man sich entschließt, von der Wehrpflicht abzugehen, muss man daher auch von der Vorstellung abgehen, dass Soldaten eine Lebensstellung hätten: Die meisten wird man nur für wenige Monate oder allenfalls Jahre im Aktivstand belassen - nur ganz wenige können eine längerfristige hauptberufliche Karriere machen. Die anderen brauchen einen Umstieg in einen Zivilberuf - aber eine Verpflichtung, sich nebenbei im Milizstand weiterzubilden. Und bereit zu sein, wenn sie wirklich gebraucht werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2011)

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