Chinesische Literatur: Schnellimbiss

18. Jänner 2011, 17:48
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Lesung von Ouyang Jianghe im Salzburger Literaturhaus

Nach dem Kahlschlag während der chinesischen Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 etablierte sich Ende der 1980er-Jahre die sogenannte Dritte Generation der chinesischen Literatur, deren Vertretern es weniger um politische Themen als ästhetisch-literarische Fragen geht. Zu dieser Gruppe gehört Ouyang Jianghe, der vor allem Gedichte und Essays schreibt - und heute zu den bedeutendsten zeitgenössischen Lyrikern des Riesenreichs gehört.

Am Donnerstag ist er mit seinem Übersetzer im Literaturhaus Salzburg zu sehen. Seine Rolle als Intellektueller nutzt der 1956 in Louzhou geborene immer wieder zur Kritik an Entwicklungen in Politik, Gesellschaft wie den Künsten; politische Systeme betrachtet er allgemein skeptisch. Das kann mit der erwähnten Kulturrevolution zusammenhängen, die ja keine war, sondern ein als "Massenkritik" bezeichneter Machtkampf, denn seine ersten literarischen Schreibversuche startete Ouyang Jianghe eben knapp nach Ende des Spuks im Jahr 1977.

Während des Studiums gehörte er zu den Mitbegründern der "Vereinigung Junger Dichter von Sichuan" , einer Strömung abseits des Kanons offizieller Staatsliteratur.

Seit 1993 lebt er abwechselnd in Peking und New York, seine Werke wurden in der Heimat wie auch im Westen veröffentlicht. Auf Deutsch allerdings nur Ausschnitte in Anthologien - bis 2010 bei Max Blaeulich mit Schnellimbiss (Verlag Tartin Editionen, Salzburg/Paris) der erste Gedichtband erschien.

Beeinflusst von der Postmoderne geht es darin vordergründig um allgemeine und private Themen, Ouyang Jianghes Übersetzer Wolfgang Kubin wird für die Moderation und Lesung in deutscher Sprache sorgen. (dog/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 1. 2011)


>> 20. 1. Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11. 20.00

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