Wilderer sorgt für Bockfieber im Lavanttal

18. Jänner 2011, 17:23
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In Kärnten treibt ein mysteriöser Wilderer sein Unwesen, die Jägerschaft versucht seit Monaten vergeblich, ihm das Handwerk zu legen

Klagenfurt/Wien - Eigentlich gilt für die heimische Jägerschaft derzeit "Hahn in Ruh". Nur für wenige Tierarten, wie etwa Füchse und Wildschweine, dürfen in der absoluten Schonzeit Gewehrabzugshähne zum Abschuss gespannt werden. Dennoch fallen im Kärntner Lavanttal immer wieder verbotene Schüsse, vor allem auf Rehwild. Keiner der üblichen Wilderer, sondern "ein Verrückter", wie der Kärntner Landesjägermeister Ferdinand Gorton im STANDARD-Gespräch meint. Wie sonst sei es zu erklären, dass der oder die Unbekannte dem erlegten Wild die Köpfe abtrenne und diese unübersehbar Jägern vor die Tür lege oder die Kadaver über Ortsschilder hänge?

16 Vorfälle

16 derartige Vorfälle hat es seit vergangenem Mai im Lavanttal gegeben. Nun mobilisiert die Kärntner Jägerschaft jede verfügbare Kraft, um dem nächtlichen Treiben ein Ende zu setzen. Das Wort Treibjagd würde Gorton in diesem Zusammenhang nie in den Mund nehmen. Ein gewisses Maß an Bockfieber, wie der Gemütszustand eines Jägers auf der Jagd genannt wird, ist den Nachtpatrouillen aber nicht abzusprechen.

3000 Euro wurden außerdem als Belohnung für Hinweise ausgelobt, "wenn nötig, stocken wir die Prämie auf", so Gorton. Seiner Ansicht nach "wird es für die gesuchte Person schon sehr eng". Nicht nur der Umstand, dass die Tierköpfe immer äußerst fachgerecht abgetrennt werden, enge den Täterkreis ein. Auch die begründete Vermutung, dass sich der Wilderer mit Kleinkalibergewehr, Schalldämpfer und Nachtsichtgerät auf die Pirsch machen dürfte, könnte verräterisch sein - "so etwas hat nicht jeder", sagt Gorton.

Bärentöter ausgeforscht

Dass die Jäger erfolgreich sein werden, daran hat der Landeschef der Weidmänner keinen Zweifel. Auch den Bärentöter, der im Sommer 2009 im kärntnerisch-slowenischen Grenzgebiet den mit einem Funksender ausgestatteten Braunbär "Roznik" erlegt hatte, habe man nach 13 Monaten ausforschen können. Ein Strafverfahren wegen Wilderei ist anhängig, aus der Jägerschaft wurde der Beschuldigte bereits auf Lebenszeit ausgeschlossen.

Strafanzeigen wegen Wilderei haben in den vergangenen Jahren in ganz Österreich zugenommen. 2009, neuere Zahlen gibt es noch nicht, waren es 264 Verdachtsfälle (2007: 140). Die Höchststrafe beträgt drei Jahre Gefängnis, wenn der Schaden 2000 Euro übersteigt. Leistet ein Wilderer bewaffneten Widerstand, drohen ihm fünf Jahre Haft, schießt er Widersacher an, muss er mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Auch Schwarzfischen fällt in die Wilderer-Paragrafen, 2009 mussten sich 154 Personen dafür verantworten (2007: 83). Die meisten Eingriffe in fremdes Jagdrecht wurden 2009 in Innsbruck, Salzburg und St. Pölten angezeigt.

Ehrengerichte

Immer öfter werden auch Jäger-Ehrengerichte (Disziplinarsenate) einberufen. Dies vor allem deshalb, weil Tierschutzorganisationen vermehrt Anzeigen erstatten. Aber auch unter Jägern hat die Anzeigenbereitschaft zugenommen; etwa, wenn der vorgeschriebene 100-Meter-Abstand zwischen Hochsitzen nicht eingehalten wird. Oder wenn eine Jagdpachtperiode abläuft und neue Mitbewerber bisherige Pächter mit Anzeigen anschwärzen wollen.

Über das Motiv des Serienwilderers vom Lavanttal kann nur gemutmaßt werden. Ein illegaler Trophäenjäger kommt nicht infrage, weil die Köpfe ja in Mafia-Manier zurückgelassen werden. "Es hat tatsächlich den Anschein, dass er sich für irgendetwas rächen will", meint Landesjägermeister Gorton.

Die "Handschrift" des Wilderers: Er legt die Kadaver der illegal geschossenen Tiere Jägern vor die Haustür oder hängt sie über Ortstafeln. Das Motiv? "Vielleicht Rache", mutmaßt der Kärntner Landesjägermeister. (Michael Simoner/DER STANDARD-Printausgabe, 19. Jänner 2011)

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    Im Kärntner Lavanttal fallen immer wieder verbotene Schüsse, vor allem auf Rehwild.

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