Alexander Pereiras Stern verblasst

18. Jänner 2011, 17:09
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Das Zürcher Opernhaus fuhr 2010 einen Verlust von fünf Millionen Franken ein

Zürich - Im Geschäftsjahr 2008/09 betrug der Fehlbetrag des Burgtheaters 2,55 Millionen Euro. Die Schuld dafür wurde in Wien der Politik gegeben: Man brauche eben mehr Geld. Im Zürcher Opernhaus hingegen ist man indigniert: Josef Estermann, der Präsident des Verwaltungsrats, bekennt gleich im zweiten Satz des Jahresberichts ein, dass die Oper in der Saison 2009/10 "einen Verlust von 4,92 Millionen Franken erlitten" (rund 3,82 Millionen Euro) hat.

Schonungslos werden die Gründe analysiert: Die Karteneinnahmen lagen 2, 75 Millionen Franken unter dem Voranschlag, bei den Sponsoren wurde das Ziel um drei Millionen verpasst. Das Defizit kann zwar aus den Reserven beglichen werden, einen weiteren, auch nur halb so großen Fehlbetrag könne man aber "nicht verkraften".

Die Beiträge der öffentlichen Hand stiegen im Vergleich zu 2008/09 von 73,78 auf 75,22 Millionen Franken, die Karteneinnahmen aber fielen von 31,28 auf 30,65 Millionen, die Sponsoreinnahmen von 9,78 auf (weiterhin exzellente) 9,46 Millionen Franken. Und die Auslastung sank von 78,7 auf 76,7 Prozent. Insgesamt sind die Zahlen für Intendant Alexander Pereira eine bittere Pille: Sein Stern verblasst allmählich.

Zwischen 1995/96 und 2000/01 konnte der Österreicher den Eigendeckungsgrad von 40 auf sensationelle 46,6 Prozent steigern. Seit 2006/07, nach einer Plateauphase, geht es wieder abwärts: Die Eigenwirtschaftlichkeit sank von 44,7 auf 37,6 Prozent in der Saison 2009/10.

Es ließe sich nicht übersehen, schrieb die Neue Zürcher Zeitung, "dass die Intendanz von Alexander Pereira ihren Zenit seit geraumer Zeit überschritten hat". Unter dem Titel "Der Pereira-Charme hat an Glanz verloren" kommentierte der Tagesanzeiger: "Plötzlich nimmt man ihm das übel, was, solange es gut geht, großmütig übersehen wird: dass er von den Sponsorgeldern zehn Prozent als Provision in die eigene Tasche steckt". Man scheint es kaum mehr erwarten zu können, dass Pereira seinem Nachfolger Andreas Homoki im Sommer 2012 Platz macht - und nach Salzburg geht. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 1. 2011)

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    Gröbere Probleme: Intendant Alexander Pereira.

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