Arien-Penalty verwertet

18. Jänner 2011, 17:11
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Massenets "Werther" mit Jonas Kaufmann

Wien - Startenöre sind sehr oft nicht nur Fußballfans (Domingo!) - sie wirken mitunter auch wie jene kostbaren hochbezahlten Kickprofis, die ihre Arbeit weit vorne am Spielfeld, also als Stürmer, verrichten: Es kann vorkommen, dass sie in Summe 87 Minuten einen eher unscheinbaren, nicht sehr sicheren und im Grunde nur soliden Eindruck hinterlassen. Sind sie jedoch ihr Geld wert, vermögen sie in drei Spielminuten ausbrechender genialischer Wachheit das Rundleder - und dies spielentscheidend - glanzvoll im Netz zu versenken.

So konnte also der zurzeit international angesagte deutsche Tenor Jonas Kaufmann zu fortgeschrittener Werther-Stunde an der Wiener Staatsoper schließlich das Ariending doch noch reinhauen. Pourquoi me réveiller hatte alle Ingredienzien jenes magischen Opernaugenblicks, der sich aus Sicherheit, Klangfülle und geschmackvoll eingesetzter Emphase zusammenbraut und dem die übliche Orgie an Ovationen folgt. Dabei surfte er elegant auf jener philharmonischen Orchesterwoge, die ihm bis zu diesem Opernaugenblick das Leben nicht sonderlich leicht gemacht hatte.

Dirigent Frédéric Chaslin erweckte zwar durchaus elastisch allerlei romantische Gefühlsregungen - sein schwärmerisch-extrovertierter Zugang schob sich jedoch bisweilen allzu forsch in den Vordergrund, wodurch Kaufmann (als Werther eine glaubwürdig liebesdurchdrungene, dann schließlich todestrunkene Figur) mit seinen Versuchen, auch im diskreten Pianissimobereich zu reüssieren, undeutlich hörbar wurde.

Dort, wo man ihn wahrnehmen konnte, gebrach es Kaufmann indes auch an letzter Sicherheit. Aber wie gesagt - glanzvolle Arie. Und da sich um Kaufmann herum Solides (Benedikt Kobel als Schmidt; Clemens Unterreiner als Johann; Janusz Monarcha als Le Bailli) und Tolles ereignete, fügte sich alles zu einem durchaus brauchbaren Abend: Sophie Koch (als Charlotte) hatte hohe vokale und szenische Präsenz im Angebot, wie auch Adrian Eröd (als Albert) und die quirlige Ileana Tonca - natürlich als Sophie. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 1. 2011)


21., 24., 28. 1., 19.30

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