Die Pute ist eine Ente

18. Jänner 2011, 17:35
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Die Krone und die Federkrone - Von Thomas Trenkler

Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, hatte einen recht vergnüglichen Sonntag. Denn die Krone trieb es nicht nur in der Farbbeilage bunt.

Auf Seite 5 meldete das Blatt im Indikativ: "Österreich übergibt den Mexikanern Montezumas Federkrone und bekommt dafür Kaiser Maximilians goldene Kutsche." Die Operation zur Heimholung des Kopfschmucks, gefertigt aus Flamingofedern und Kuckucksflaum, laufe unter dem Codenamen "Pute".

Sinnfälliger wäre wohl "Ente" und der Erscheinungstag 1. April gewesen. Denn von einem "Decknamen" für die "Geheimoperation" weiß Sabine Haag nichts. Und sie weiß auch nichts davon, dass Österreich den Mexikanern jene Federkrone, die ziemlich sicher nicht Montezuma gehörte, übergibt. Derzeit prüfen einmal die Restauratoren, ob das fragile Ding überhaupt transportfähig ist. Und wenn ja, dann würde die Krone auch nur auf ein Jahr befristet verliehen werden.

Aber egal. Kürzlich berichtete News exklusiv, dass Gert Voss Wien verlasse: "Der singuläre Bühnenschauspieler der Gegenwart geht auf unbestimmte Zeit nach Berlin." Zwei Wochen später folgte die nächste Top-Story: "Es gab Gerüchte, der nicht zu ersetzende Voss könnte Wien dauerhaft abhandenkommen. Das weist er zurück." Seien wir also gespannt, was die Krone nun über die Federkrone berichtet.  (Thomas Trenkler , DER STANDARD - Printausgabe, 19. Jänner 2011)

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