"Neulich hab ich einen Zufall erlebt": Im Krieg mit der Logik

18. Jänner 2011, 17:25
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Unter dem Titel "Neulich hab ich einen Zufall erlebt" verneigt man sich im Neukirchener Cinetheatro vor Karl Valentin

Salzburg - Es gibt Menschen, die glauben, dass Sketches von Karl Valentin nur funktionieren, wenn sie von einem gemischten Doppel aufgeführt werden. Dass viele seiner Szenen auch anders ihre Wirkung nicht verfehlen, belegt ein Besuch des heutigen Valentin-Abends mit dem Schauspieler, Sänger und Regisseur Franz Froschauer.

In Neulich hab ich einen Zufall erlebt nähert sich der Vöcklabrucker Karl Valentin. Der kam 1882 in München zur Welt, arbeitete er als Sargtischler, bevor er sein Erspartes in ein Orchestrion steckte, mit dem er Auftritte absolvierte.

Zunächst erfolglos. Erst 1907 fand sein Stegreifsolo Anklang, ab 1911 dann die Duette mit Liesl Karlstadt. Mehr als 400 Auftrittspartituren sind überliefert, neben Slapstickkomik geht es beim Münchner Dialekt-Humoristen weniger darum, Unmögliches zu tun als Unmögliches zu denken: "Hat es Sinn, dass es jeden Tag Nacht wird?"

Valentin zerbricht sich seinen Kopf über scheinbar klare Dinge des Lebens, bis diese verworren und verrätselt erscheinen. Vor der Logik hat er keinen Respekt, mit Sprachkonventionen steht er auf Kriegsfuß. Als radikaler Volkskünstler eines absurden Kleintheaters wird der philosophische Narr von Kollegen wie Kurt Tucholsky, Herbert Achternbusch oder Gerhard Polt verehrt.

1948 verhungerte er in Planegg bei München. Die verstorbene Lyrikerin Heidi Pataki bezeichnete ihn einst als "Krisenkasperl", denn gerade in Zeiten ökonomischer Rezessionen werde die Valentin'sche Weltsicht und Komik am ehesten goutiert. Kein Wunder, dass Franz Froschauer jetzt mit seiner Hommage auftritt, in der er eine Figur zeigen möchte, die die eigene Verzweiflung an der Welt nur mit Humor überwinden kann. (Gerhard Dorfi/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 1. 2011)


>> Cinetheatro, Neukirchen am Großvenediger, 06565/66 75. 20.00

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    An Karl Valentin versucht man sich heute im Cinetheatro in Neukirchen am Großvenediger.

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