Das Match gegen den Himmel

18. Jänner 2011, 14:47
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Die Kitzbüheler denken sich zwar stets neue Schutzmaßnahmen aus, doch bleiben sie angreifbar - Walchhofer hat sich verletzt

Kitzbühel - "Hätten wir den neuen Speicherteich nicht", sagt eine gut informierte Kitzbühelerin, "dann hätten wir das Rennen schon längst absagen müssen." Der im vergangenen Sommer errichtete Speicherteich, der auf den Namen Seidlalmsee II hört, ist 110 Meter lang, 90 Meter breit und elf Meter tief, 115.000 Kubikmeter Wasser passen hinein.

Sein kleiner Bruder, der Seidl-almsee I heißt und 1993 auf die Welt gekommen ist, kann bloß 33.000 Kubikmeter bei sich behalten. Wer mehr Wasser hat, kann mehr schießen. Also sind im heurigen Winter auf der Streif und am Ganslernhang 36 Schneekanonen im Einsatz, vorher waren es 21.

30 Millionen Euro investierten die Bergbahnen im vergangenen Jahr, rund sieben Millionen allein am Hahnenkamm. "Denn wenn wir auf der Streif Schnupfen haben, haben wir im gesamten Gebiet Lungenentzündung", sagt Josef Burger, Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel.

Die erste Schneeanlage war 1993 gebaut worden. Es handelte sich um eine Notwehrsituation, schließlich mussten die Rennen 1964, 88 und 93 wegen Schneemangels abgesagt werden. Womit auch jede Menge Umsatz abgesagt werden musste. Rund sechs Millionen Euro veranschlagt der Kitzbüheler Skiclub (KSC) in neuerer Zeit für die Durchführung der Veranstaltung. Die ist zwar versichert (was auch immer teurer wird), doch die rund 30 Millionen Euro Umsatz, die anlässlich der Hahnenkamm-Rennen in der Umgebung anfallen sollen, sind es nicht.

2005 wurde die Abfahrt ein Opfer des Sturmtiefs Ingo. 2007 ruinierte der Orkan Kyrill die Piste und verblies damit Abfahrt und Super-G; aufwändige Verteidigungsmaßnahmen wie Schneetransporte vom Großglockner hatten keine Chance gegen den Angriff von oben.

Die heurige Saison hat sich gut angelassen. Just am Nationalfeiertag hatte der Himmel den ersten Schnee auf Kitzbühel fallen lassen. Und später, an den vielen kalten Tagen, konnten sie dank Seidl-almsee II aus allen Rohren schießen. Die Piste war prächtig beisammen, ehe es Mitte vergangener Woche extrem warm wurde.

Wegen ungünstiger Wetterprognosen wurde das für Dienstag geplante erste Abfahrtstraining gestrichen. Schneefall im oberen Teil, Nebel und vor allem der Regen im unteren Teil der Streif, der die Piste ab dem Hausberg aufweichte, verhinderten das für Mittwoch angesetzte Training.

Am Dienstag, das musste man am Mittwoch und also im Nachhinein feststellen, wäre ein Training möglich gewesen. Ein Trainingslauf ist für die Durchführung der Abfahrt zwingend vorgeschrieben. Der nächste diesbezügliche Versuch steigt am Donnerstag um 10.15 Uhr. Für Freitag ist der Super-G geplant, für Samstag die Abfahrt und für Sonntag der Slalom, der traditionell chancenreichste im Match gegen den Himmel.

Die Wetterprognosen für die kommenden Tage sind nicht rasend gut, doch noch ist das Match nicht entschieden. Solange die Kitzbüheler keine Halle - mit Schiebedach, denn von oben kommt ja auch viel Gutes - über der Streif errichten, sind sie jedenfalls angreifbar wie alle anderen Skiweltcup-Veranstalter auch.

Walchhofer im Pech

Die Österreicher nutzten den abfahrtstrainingsfreien Tag zum Super-G-Üben in Hinterreit. Und der dreifache Saisonsieger Michael Walchhofer erlitt bei einer Kollision mit einer Torstange nach einem Einfädler Verletzungen am Hals und am linken Knie. Die Stange traf seinen Kehlkopf, der Salzburger hatte Schluckbeschwerden. Der 35-jährige Walchhofer, der heuer seine letzte Saison bestreitet, bisher die Abfahrten in Lake Louise und Bormio sowie den Super-G in Gröden gewann, bangte um die Teilnahme an Super-G und Abfahrt. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 20.01.2010)

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    Die Streif präsentierte sich am Mittwoch nicht von ihrer schönsten Seite.

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    Es ist fraglich, ob der an Knie und Hals verletzte Michael Walchhofer seine Abschiedsvorstellungen auf der Streif geben kann.

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