Online-Häf'n-Shops boomen

18. Jänner 2011, 14:48
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Häftlinge schneidern Richter-Roben und Ähnliches - die Produkte werden übers Internet verkauft

Hannover - Häftlinge nähen im Gefängnis Roben für Richter - und verdienen Geld damit. Vor zehn Jahren startete in Niedersachsen der bundesweit erste JVA-Online-Shop, der Waren verkauft, die Gefangene in den Justizvollzugsanstalten (JVA) herstellen. Inzwischen haben Gefängnisse in ganz Deutschland das niedersächsische Modell erfolgreich kopiert. Produkte wie das original "Santa Fu"-Gefängnis-Unterhemd aus Hamburg genießen Kultstatus. Und der Umsatz der JVA-Online-Shops wächst stetig - in Niedersachsen verzehnfachte er sich seit dem Start.

Sonderwünsche möglich

"Für die Roben bekommen wir Bestellungen aus ganz Deutschland", sagt Hartmut Clasen, der den niedersächsischen Shop betreut. Für einen Preis von 180 Euro aufwärts gibt es Maßarbeit mit Samtbesatz, auch Sonderwünsche werden von den Gefangenen erfüllt - "selbst in überheizten Gerichtssälen bietet die Robe einen hohen Tragekomfort", so die Eigenwerbung für das Handgenähte auf der Homepage.

In Niedersachsen arbeiten rund drei Viertel aller Gefängnisinsassen, aber längst nicht alle davon für den Online-Shop. Die Höhe des Lohns ist gesetzlich geregelt und alles andere als üppig. "Im Schnitt verdient ein Häftling knapp elf Euro am Tag", erläutert Clasen.

Die allermeisten Häftlinge wie Axel Geidies haben Spaß an der Arbeit. Geidies arbeitet schon seit Jahren in der Schneiderei der JVA Celle, er produziert dort unter anderem Grillschürzen. Es wird auch noch dauern, bis er wieder in Freiheit leben darf - warum das so ist, da zeigt sich der freundliche Mann zugeknöpft. Geidies geht es wie vielen Insassen: Arbeiten kann auch ein Privileg sein, ohne diese Abwechslung wäre es hinter den Gefängnismauern noch öder.

Viele JVA-Online-Shops wie "Santa Fu" aus Hamburg spielen ironisch mit dem Leben hinter Gittern und werben mit Labels wie "Made in Jail" oder "Heiße Ware aus dem Knast". Dort gibt es Shirts mit Aufdrucken wie "Auf Bewährung" oder "Freigänger" und das große "Bleib sauber"- Set mit Original-Seife und Zahnpasta aus dem Gefängnis.

In Niedersachsen versuchten die Shop-Macher dagegen mehr auf Seriosität zu setzen - herausgekommen ist ein buntes Sammelsurium aus den JVA-Werkstätten aus dem ganzen Land. Vertrieben werden Sanddornprodukte aus dem Frauengefängnis in Vechta, Aktengurte und Roben aus der JVA Celle oder Kamelienpflanzen aus dem Gefängnis Lingen. "Die Kamelien sind ein absoluter Geheimtipp, sie werden auch in Fachzeitschriften gelobt", sagt der Shop-Verantwortliche Hartmut Clasen. Angeboten werden die Kamelien, weil es in der JVA Lingen seit Jahren eine Baumschule mit einem Gärtnermeister gibt, der passionierter Kamelienzüchter ist.

Die Renner in Niedersachsen sind aber hochwertige Grills - damit macht der Shop 80 Prozent seines Gesamtumsatzes. Nachgefragt werden die Grills sogar von Bundeswehreinheiten im Auslandseinsatz. Die Auslieferung der Produkte sei allerdings streng geregelt, sagt Clasen. "Das dürfen natürlich nur ein paar Auserwählte." (APA)

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